merken
PLUS

Deutsche retten Denkmal in Polen

Es erinnert wieder an die Gefallenen des Ersten Weltkriegs. Und soll nicht die einzige Verbindung zum Schöpstal bleiben.

Von Jenny Thümmler

Alles zum Berufsstart

Deine Ausbildung finden, die Lehre finanzieren, den Beruf fortführen - Hier bekommst Du Stellenangebote und Tipps in der Themenwelt Arbeit und Bildung.

Es ist einer dieser Zufälle, wie sie wohl nur das Leben schreibt. Heiko Hildebrand aus Girbigsdorf ist gemeinsam mit Günter Scholz und Marianne Scholz-Paul im 20 Kilometer entfernten polnischen Siekierczyn (Geibsdorf) unterwegs. Günter Scholz wurde dort einst geboren und musste den Ort 1946 verlassen, als dieser Teil des damaligen Deutschlands polnisch wurde. Bis heute ist er mehrmals im Jahr in seiner alten Heimat zu Besuch. „Ich wollte das mal sehen“, sagt Heiko Hildebrand, der in Girbigsdorf einen gleichnamigen Holzmarkt leitet. „Mich interessieren die Geschichten der Menschen, die die Kriegswirren miterlebt haben. Bald können sie es ja nicht mehr erzählen.“ Diese Generation ist alt geworden.

In Geibsdorf berichtet der 82-jährige Günter Scholz wie nebenbei von einem Denkmal, das dort einst stand und an die gefallenen deutschen Soldaten des Ersten Weltkriegs erinnerte. Bis die Polen es nach dem Zweiten Weltkrieg aus Wut vom Sockel gestoßen haben. „Und dass es vielleicht sogar noch dort irgendwo liege“, erinnert sich Heiko Hildebrand. „Also bin ich ausgestiegen und gucken gegangen.“ Und tatsächlich: Das Denkmal lag da, zerbrochen zwar, teilweise im Wasser des Bachs, aber da. Und in Heiko Hildebrand und den Scholzes reifte ein Plan.

Gespräche zeigen, dass auch dem Bürgermeister der Gemeinde Siekierczyn der Gedanke gefällt, das Denkmal wieder aufzustellen. Nicht am alten Ort, wo längst ein polnisches Denkmal seinen Platz gefunden hat. Sondern auf dem großen Friedhof der Gemeinde. Das nötige Geld, mehrere Tausend Euro, kommt aus Spenden, die die drei Initiatoren aus ihrer Tasche geben und bei anderen einwerben. Zum Beispiel beim Treffen der ehemaligen Geibsdorfer. Auf Fördermittel, die es für solch ein Projekt wahrscheinlich geben würde, wollen sie nicht warten. „Wir haben gesagt, das machen wir jetzt allein. Sonst dauert alles viel zu lang“, sagt Hildebrand.

Ein Steinmetz aus Lauban arbeitet den Gedenkstein wieder auf. Die Inschrift „Vergiss, mein Volk, die treuen Toten nicht“ und die Namen der Soldaten werden wieder in goldener Schrift lesbar. Und auch das Balkenkreuz, das den Absturz nicht überstanden hatte, kehrt zurück. Dass es wieder oben auf das Denkmal muss, war auch für die Polen klar. Es gehört schließlich zur Geschichte. „Ein steinernes Denkmal für die ehemals deutsche Besiedlung“, sagt Marianne Scholz-Paul. „Die Polen sollen sich mit der deutschen Geschichte ihrer Heimat beschäftigen.“ Sie erinnert sich gut an einen älteren Polen, der vorbeikam, als die beiden Königshainer gerade Blumen an dem Denkmal pflanzten, damit es noch schöner aussieht. „Das habt ihr gut gemacht, ihr Deutschen“, habe er gesagt.

Wenn Heiko Hildebrand an die feierliche Einsegnung des Denkmals denkt, bekommt er noch heute eine Gänsehaut. Der Pfarrer vollzieht die Zeremonie, der Bürgermeister findet berührende Worte, sagt, er wolle nicht dieselben Fehler machen wie die polnischen Nachbarn im Osten, die polnische Denkmale zerstörten. „Deutsche und Polen standen um das Denkmal und hielten sich an den Händen“, sagt der Girbigsdorfer. „Das war sehr berührend.“ Und ja, ein bisschen stolz sei er auch auf das Erreichte.

Die Rettung des Denkmals hat Polen und Deutsche einander nähergebracht. Zwischen Schöpstal und Siekierczyn bahnt sich eine Partnerschaft an. Schöpstaler Gemeinderäte waren kurz vor Weihnachten in Polen zu einem Fest eingeladen, darunter auch Heiko Hildebrand. Jetzt werden nächste Treffen geplant. „Beide Seiten wollen eine Partnerschaft.“ Ob mit oder ohne bürokratischen Partnerschaftsvertrag, werde man sehen.