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Der doppelte Meister aus Pirna

Deutschlands bester junger Tischler ist Paul Klotzsche aus Pirna. Er hat viel gebüffelt und macht sich selbstständig. Dazu fehlt ihm nur noch eines.

Tischler-Jungmeister Paul Klotzsche aus Pirna mit seinem Meisterstück, einem edlen Terrarium.
Tischler-Jungmeister Paul Klotzsche aus Pirna mit seinem Meisterstück, einem edlen Terrarium. © Egbert Kamprath

Dieses Terrarium ist eine Antiquität - könnte man glauben. Doch das edle Stück aus Nussbaumholz ist nagelneu. Paul Klotzsche hat es gerade erst fertig gestellt. Das ist das Meisterstück des Tischlers aus Pirna und soll zeigen, was er kann. Denn er hat beruflich noch viel vor.

Der 23-Jährige will sich selbstständig machen. "Das war schon ziemlich früh während meiner Lehre klar", sagt er. Die absolvierte er an den renommierten Hellerauer Werkstätten in Dresden. Als er im Sommer vorigen Jahres seinen Gesellenbrief in der Tasche hatte, schloss er sofort die Meister-Schule dran. "Ich habe gemerkt, dass ich gern alles selbst entscheiden will", sagt er.

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Corona machte alles noch schwerer

Finanzieren konnte er sich das nicht nur mit dem Meister-Bafög. Klotzsche hat einen sehr wertvollen Preis bei der Deutschen Meisterschaft der jungen Tischler-Gesellen gesichert. Der Sieg bei diesem Wettbewerb im hessischen Schlüchten brachte ihm neben Profi-Werkzeug auch ein Stipendium für die Meister-Schule ein.

Ein Jahr lang hat er gebüffelt. Zum Schluss wurde alles zwar wegen der Corona-Maßnahmen noch mal kompliziert. Zwei Monate lang musste alles im Selbststudium erledigt oder später komprimiert nachgeholt werden. Aber Klotzsche hat sich durchgebissen. "Jetzt bin ich froh, dass ich nie wieder in die Schule muss", sagt er. Alle Prüfungen sind geschafft. Jetzt wartet er nur noch auf das Zeugnis.

Dass die Meisterschule keinesfalls leicht ist, zeigt, dass nicht alle aus seiner Klasse bestanden oder bis zum Schluss durchgehalten haben. "Dass mir das gelungen ist, dafür muss ich mich auch bei der Unterstützung der Ausbilder bedanken", sagt der Pirnaer.

Unangemeldete Kontrollen

Klotzsche öffnet die Tür seines Terrariums. Der mechanische Verschluss könnte auch aus einer früheren Epoche stammen. Restaurationsarbeiten sind seine Leidenschaft. Dennoch hat er auch Elektronik in seinem Terrarium verborgen. Er zieht am selbst geschmiedeten Messingring, der an einem geschnitzten Löwenkopf angebracht ist. Zwei digitale Uhren kommen in dem schmalen Schub zum Vorschein. "Das sind die Zeitschaltuhren für die Belüftung und die Beleuchtung", erklärt er.

Jeder Meisterschüler hatte 18 Tage Zeit für sein Werk. Taggenau muss vorher geplant werden, was, wann erledigt wird. "Das haben die Ausbilder auch stichprobenartig überprüft, als sie unangemeldet vorbeigeschneit kamen", sagt Klotzsche.

In dieser kurzen Zeit hätte er die Schnitzereien nicht fertig bekommen und sie deshalb vorbereitet. "Dann gehen sie aber auch nicht in die Bewertung ein", sagt Klotzsche. So wurden sie wie eine Zulieferung kalkuliert.

Erste Aufträge gesichert

Der Tischler-Beruf ist nach wie vor beliebt. Er gehört seit Jahren zu den Top 10 der nachgefragtesten Berufe bei Jugendlichen. "Allerdings tun sich Unternehmen in allen Branchen derzeit etwas schwerer als sonst, frühzeitig Ausbildungsverträge zu unterschreiben", heißt es von der Arbeitsagentur Pirna.

Die Praxis hat Paul Klotzsche ganz anders kennengelernt. Er hält das wirtschaftliche Risiko für akzeptabel. "Einige ältere Handwerker hören demnächst auf", sagt er. Nachfragen für Restaurationsarbeiten gäbe es zudem viele. Erste Aufträge hat Klotzsche schon in Aussicht. Eine Grundausrüstung an Werkzeugen und Maschinen hat er bereits. "Jetzt fehlt mir nur noch eine passende Werkstatt im Raum Pirna", sagt er.

Das sei gar nicht so leicht. Weil nicht überall Gewerbelärm gestattet ist, falle die Innenstadt schon mal weg. Andererseits würde er gern nahe der Werkstatt wohnen. Er ist aber auch bei dieser Herausforderung optimistisch, dass er bald etwas Passendes findet.

Großvater ist besonders stolz

Die Meisterstücke von zehn frisch gebackenen Tischler-Meistern wurden kürzlich bei einer Ausstellung in der Messe Dresden präsentiert. "Sie haben Geist in Materie fließen lassen", lobte Andreas Brzezinski, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Dresden, die Absolventen. "Sie haben damit gezeigt, welche große Bedeutung die Kreativität im Handwerk hat und welche Möglichkeiten das Handwerk bietet."

Klotzsches Leidenschaft fürs Holz wurde in der Werkstatt des Großvaters geweckt. Als Kind konnte er sich dort viel ausprobieren. Trotz gutem Abitur verzichtete er aufs Studieren. Das Tischlern bringt ihm die Erfüllung.

Die Schau in Dresden konnte Opa Fritz Krüger nicht sehen. Wegen der Corona-Auflagen war die Besucherzahl arg begrenzt. Doch als er das Werk bei seinem Enkel zu Hause das erste Mal komplett gesehen hat, war er begeistert. Dazu hat auch die besondere Technik beigetragen, mit der Paul Klotzsche Muster ins Holz schlug. Im Lederhandwerk ist es als Punzieren bekannt. Trotz aller nötigen Planung ist es gerade das Kreative, was den jungen Pirnaer an seinem Beruf begeistert.

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