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Deutscher Schicksalsberg lockt lebenslang

Chronist Wolfgang Heichel bekommt in der Alpin-Szene gerade viel Lob für sein Werk.

© picture alliance / dpa

Von Jochen Mayer

Der Nanga Parbat zeigte in den vergangenen Monaten wieder mal seine kalte Schulter. Erneut scheiterten alle Winter-Besteigungsversuche am neunthöchsten Berg. Der Italiener Simone Moro und der Bayer David Göttler wagten mehrere Anläufe am „nackten Berg“, vergeblich. „Zum Glück waren sie vernünftig“, kommentiert Wolfgang Heichel die Versuche. „Die Bedingungen dort oben sind hammerhart mit Kälte, Schnee, Sturm. Dazu kommt die enorme Lawinengefahr.“ Der Kamenzer kann sich ein Urteil erlauben. Der 67-Jährige ist ein Nanga-Parbat-Experte, auch wenn er nie ein Extrembergsteiger war.

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W. Heichel „Chronik der Erschließung des Nanga Parbat“ Eigenverlag, 415 Seiten, 447 Abbildungen, 4 Karten, 39,95 Euro. Bezug über: wheichel@t-online.de
W. Heichel „Chronik der Erschließung des Nanga Parbat“ Eigenverlag, 415 Seiten, 447 Abbildungen, 4 Karten, 39,95 Euro. Bezug über: [email protected]

Der Schicksalsberg der Deutschen, wie der Himalaja-Koloss wegen seiner dramatischen Besteigungsgeschichte genannt wird, hat Heichel ein Leben lang beschäftigt: „Als Schuljunge sah ich den Film über die Erstbesteigung durch Hermann Buhl. Das hat mich gefesselt und begeistert, ich wollte immer mehr wissen.“ So las er von Willy Merkl, der 1934 am Nanga Parbat zu den zehn Toten einer deutschen Expedition gehörte. Merkl stammt aus Kaltennordheim. „Das liegt nur etwa zehn Kilometer von meinem damaligen Heimatort in der Rhön entfernt“, erzählt Heichel. „Das verbindet und schafft Nähe zum Thema.“

Bis zur Wende las er alles, was es zum Nanga Parbat gab. 1995 leistete sich der Informationstechniker eine Reise nach Pakistan, stieg am Nanga Parbat bis ins Lager 1. „So erfüllte ich mir einen Kindheitstraum. Später habe ich bei weiteren Reisen in der Region viele Gletscher erkundet.“ Und er suchte nach Episoden, kramte in der Geschichte. Die Erschließung des Karakorum packte Heichel in eine zweibändige Buchausgabe. Weitere Bände sollen folgen.

Das wirkt wie die Einstimmung auf das Hauptwerk. Der Hobbychronist behielt immer seinen Nanga Parbat im Hinterkopf, er sammelte Dokumente, Fotos, Skizzen, Karten. Sein gesamtes Wissen steckt nun in einem dicken Band. Diese Nanga-Parbat-Chronik bekam viel Lob in der Alpin-Szene. Sie ist aber noch nicht abgeschlossen: „Je tiefer man in die Entdeckungsgeschichte der großen Berge eindringt, auf desto mehr interessante Persönlichkeiten stößt man.“