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Deutschland macht Urlaub - aber wie?

An den deutschen Küsten ist der Teufel los, Kreuzfahrten werden abgesagt, auf Mallorca und Helgoland herrscht Maskenpflicht. Ein verrückter Sommer.

Gut gefüllt ist der Ostseestrand in Kühlungsborn.
Gut gefüllt ist der Ostseestrand in Kühlungsborn. © Bernd Wüstneck/dpa

Von Heike Jahberg

Die deutschen Küstenbäder haben sich für das heiße Wochenende gerüstet, nicht nur wegen des Sommerwetters. Für Berliner und Brandenburger ist es das letzte Wochenende, bevor die Schule wieder losgeht. Viele Bundesländer haben noch länger Ferien. Ihren Sommerurlaub verbringen die Bundesbürger traditionell am liebsten im eigenen Land, in diesem Coronasommer umso lieber.

„Die Buchungslage ist gut, wir sind fast ausgebucht“, sagt die Geschäftsführerin des Verbandes Mecklenburgischer Ostseebäder, Annett Bierholz.

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Obwohl Tagestouristen nach wie vor nicht nach Mecklenburg-Vorpommern dürfen, bereiten sich die Bäder an der Ostseeküste auf einen Besucheransturm vor. In Boltenhagen werden die Strände besonders gründlich kontrolliert. Sollten sich dort zu viele Menschen ballen, werden einzelne Abschnitte gesperrt, kündigte Boltenhagens Bürgermeister Raphael Wardecki bereits vorsorglich an.

Auch in Schleswig-Holstein will man verhindern, dass sich die Gäste zu nahe kommen. In Scharbeutz, Haffkrug, Sierksdorf, Neustadt, Rettin und Timmendorfer Strand zeigen Strandampeln an, wo es noch freie Plätze gibt und wo nicht. In Büsum, St. Peter Ording und auf Helgoland müssen die Urlaubsgäste in der Fußgängerzone Masken tragen, weil dort zu viele Urlauber unterwegs sind, um den Mindestabstand einhalten zu können.

Den Abstand einhalten? Kein Problem: An Strand südlich von Athen stehen Sonnenschirme für Strandbesucher bereit.
Den Abstand einhalten? Kein Problem: An Strand südlich von Athen stehen Sonnenschirme für Strandbesucher bereit. © Lefteris Partsalis/XinHua/dpa (Symbolbild)

Die Menschen fühlen sich sicher im eigenen Land. Wer in Deutschland Urlaub macht, muss vor der Heimfahrt keinen Coronatest machen. Man muss auch nicht befürchten, irgendwo zu stranden, falls die Infektionszahlen in die Höhe schnellen sollten.

Für Ägypten und Tunesien gilt bis Ende August eine Reisewarnung

Zwar waren auch die deutschen Urlaubsgebiete an der Küste und in den Bergen für Touristen gesperrt, doch schon seit Ende Mai können Urlauber wieder in den Alpen wandern oder in der See baden. Für die klassischen Urlaubsziele am Mittelmeer galt dagegen bis Mitte Juni die pauschale Reisewarnung des Auswärtigen Amts, alle Pauschalreisen waren abgesagt.

Für Drittstaaten gilt die Reisewarnung bis Ende August, davon betroffen sind auch beliebte Reiseländer wie Ägypten, Tunesien und Marokko. Sie drängen darauf, dass Außenminister Heiko Maas (SPD) für sie eine Ausnahme macht, wie er es kürzlich für einige Teile der Türkei getan hat.

Türkei: verpflichtende Tests vor der Rückreise

Nach Spanien war die Türkei im vergangenen Sommer das zweitliebste Auslandsziel der Deutschen. Doch bis vor kurzem waren alle Pauschalreisen dorthin abgesagt, Das ändert sich jetzt. Nachdem die Bundesregierung ihre Reisewarnung für die Küstenprovinzen Antalya, Izmir, Aydin und Mugla aufgehoben hat, bietet die Tui bereits ab diesem Montag wieder erste Badeferien in der Türkei an.

Urlauber sind jedoch verpflichtet, auf eigene Kosten (15 bis 30 Euro) 48 Stunden vor der geplanten Heimreise einen Coronatest zu machen. Ist der negativ, können sie nach Hause und brauchen am deutschen Flughafen keinen weiteren Test. Ist das Ergebnis positiv, müssen die Reisenden in der Türkei in Quarantäne. Für Tui-Kunden übernimmt der Veranstalter die Hotel- und Gesundheitskosten.

Auch auf Mallorca, den Kanaren und Griechenland zieht das Geschäft langsam wieder an. Doch die Furcht vor Rückschlägen ist in den Regionen, die wirtschaftlich vom Tourismus abhängen, groß. Nach Partyexzessen am Ballermann haben die Behörden auf Mallorca die Feiermeile an der „Schinken“- und der Bierstraße gesperrt, auf Mallorca, Ibiza und Formentera besteht Maskenpflicht, am Strand darf man den Mund-Nasen-Schutz allerdings abnehmen.

Touristen gehen zu einem Aussichtspunkt in Pollenca auf Mallorca. Auch hier gilt die Maskenpflicht.
Touristen gehen zu einem Aussichtspunkt in Pollenca auf Mallorca. Auch hier gilt die Maskenpflicht. © Joan Mateu/AP/dpa

Reisewarnung für "Bulgariens Ballermann"

Wegen eines deutlichen Anstiegs von Corona-Infektionen in Bulgarien und Rumänien warnt die Bundesregierung nun vor touristischen Reisen in mehrere Regionen der beiden EU-Länder. Dazu zählt auch die bulgarische Touristenhochburg Warna mit dem bei deutschen Party-Touristen beliebten Urlaubsort Goldstrand, der oft mit dem Ballermann auf Mallorca verglichen wird. In Warna liegt auch einer der beiden wichtigsten Flughäfen an der bulgarischen Schwarzmeerküste.

Daneben sind in Bulgarien nach den Reisehinweisen des Auswärtigen Amts im Internet Blagoewgrad und Dobritsch betroffen, in Rumänien die Kreise Argeș, Bihor, Buzău, Neamt, Ialomita, Mehedinti und Timiş. Die wichtigsten rumänischen Urlaubsregionen in Siebenbürgen und am Schwarzen Meer sind von der Warnung ausgenommen.

Die insgesamt zehn Regionen in Bulgarien und Rumänien wurden gleichzeitig vom Robert-Koch-Institut als Risikogebiete ausgewiesen. Urlauber, die aus solchen Gebieten zurückkehren, müssen sich seit Samstag auf Corona testen lasse

Reiseveranstalter verlieren über 15 Milliarden Euro

Für die Reiseveranstalter ist Covid-19 eine Katastrophe. Den Umsatzeinbruch schätzt der Deutsche Reisebüroverband allein bis Ende Juli auf 15,5 Milliarden Euro. „Bei vielen Reisebüros ist die Lage dramatisch“, sagt Verbandssprecherin Kerstin Heinen.

Auch Europas Branchenprimus Tui, der nur mit Staatshilfe über die Runden gekommen ist, muss einen Großteil seines Geschäfts abschreiben.

Tui-Chef Fritz Joussen ist froh, wenn er in diesem Sommer zumindest ein Drittel des sonst üblichen Umsatzes schafft. Er hofft jetzt auf den Herbst. Bei der Tui überlegt man, die Saison um zwei Wochen bis in den November zu verlängern. Wenn nicht eine zweite Welle kommt.

Nach dem Covid-19-Ausbruch auf dem Kreuzfahrtschiff „Roald Amundsen“ hat der norwegische Veranstalter Hurtigruten alle Reisen gestoppt.
Nach dem Covid-19-Ausbruch auf dem Kreuzfahrtschiff „Roald Amundsen“ hat der norwegische Veranstalter Hurtigruten alle Reisen gestoppt. © Hinrich Bäsemann/dpa

Wie schwierig der Neustart nach dem touristischen Lockdown ist, zeigt die Kreuzfahrtbranche. Nach dem Covid-19-Ausbruch auf seinem Kreuzfahrtschiff „Roald Amundsen“ hat der norwegische Veranstalter Hurtigruten alle Reisen gestoppt. Die deutsche Aida hat fast alle ihre Kreuzfahrtfahrten bis Ende August abgesagt.

Um unsichere Kunden zu einer Buchung zu bewegen, bietet der Veranstalter an, dass alle gebuchten Reisen, die bis zum 31. Oktober starten sollen, bis drei Tage vor Reisebeginn kostenfrei umgebucht werden können. Die Tui schickt ihre Schiffe dagegen schon wieder aufs Meer, an Land dürfen die Passagiere allerdings nicht. Das ist wegen Covid-19 untersagt.

Auf den „Blauen Reisen“ verbringen die Gäste ihre Zeit mit Lesen, Schlafen, Sport und Essen. Höhepunkt der letzten Reise von Hamburg nach Oslo: eine zweimalige Drehung des Schiffs um die eigene Achse auf dem Oslofjord. Kürzlich trafen sich "Mein Schiff" 2, 3, 4 und 5 vor Helgoland, um sich gegenseitig zu grüßen. Ein "Riesenhallo" sei das gewesen, erzählt einer, der dabei war. Doch für das "Meet and Greet" mussten die Urlauber an der Reling Masken tragen.

Um zu verhindern, dass Reiserückkehrer das Virus im Reisegepäck nach Deutschland schleppen, setzt die Bundesregierung auf Tests bei der Einreise. Verpflichtend ist das für Urlauber, die in einem der Risikogebiete Ferien gemacht haben, die auf der Liste des Robert-Koch-Instituts stehen. Rund 160 Länder sind betroffen, aus Europa sind es Serbien, Bosnien-Herzegowina, Kosovo, Luxemburg, das belgische Antwerpen und die spanischen Provinzen Aragón, Katalonien und Navarra.

Soll man Reisen in Risikogebiete verbieten?

Wolfgang Steiger, Chef des CDU-Wirtschaftsrats, reicht das nicht. Er will Bundesbürgern verbieten, in eines der Corona-Risikogebiete zu reisen. SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach hält das für unsinnig. „Ein solches Verbot käme viel zu spät“, sagte Lauterbach dem Tagesspiegel, „die Urlauber sind längst unterwegs oder auf der Rückreise“.

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Außerdem sei eine solche Einschränkung verfassungsrechtlich nicht durchsetzbar. Was eine mögliche Verlängerung der Reisewarnung für Drittstaaten betrifft, rät der Mediziner, abzuwarten, wie sich die Infektionslage in den Ländern entwickelt. „Man sollte das nicht prophylaktisch beschließen“, meint Lauterbach. Sollte jedoch eine zweite Welle drohen, müsse man über eine Verlängerung der Reisewarnung diskutieren.

So berichten wir über die Corona-Krise:

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