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Deutschlands jüngste Gewerkschaftschefin

Mit 33 Jahren steht Dana Dubil an der Spitze des DGB in der Oberlausitz. Ihr Ziel: den Kampfgeist wecken.

© Uwe Soeder

Von Miriam Schönbach

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Oberlausitz. Der Termin am Vormittag im Bischof-Benno-Haus klingt noch nach. In Gedanken ist Dana Dubil schon fast beim nächsten Treffen. Die Links-Partei hat nach Görlitz Vereine, Verbände und Gewerkschaften eingeladen, um über den Umgang mit dem zweitägigen Neonazi-Treffen in Ostritz im April zu beraten. „Ich bin derzeit noch bei meiner Kennenlern-Runde“, sagt die neue DGB-Chefin in Ostsachsen. Mit 33 Jahren ist sie Deutschlands jüngste Regionalgeschäftsführerin.

Dana Dubil hat sich mit diesem Schritt ganz weit in eine Männerdomäne hineingewagt. „Von den knapp 60 Regionalgeschäftsführern sind deutschlandweit gerade mal ein Drittel Frauen. Eigentlich braucht es mehr Mutige“, sagt die Kodersdorferin. Allerdings hat die zweifache Mutter ihr Gewerkschaftshandwerk unter Männern gelernt und perfekt ihre Hausaufgabe erledigt. Während ihres Studiums der Öffentlichen Wirtschaft an der Berufsakademie Bautzen nach Oberschulabschluss und Beruflichen Gymnasium war die IG Metall ihr Praxispartner. Die Gewerkschaft vertritt unter anderem so handfeste Branchen wie Metall und Elektro, Stahl, Holz und Kunststoff.

„Schweres Geschäft“, nennt es Dana Dubil, und lässt sich nicht aus der Fassung bringen. Manchem Unternehmer aus der Region saß sie bei Tarifverhandlungen gegenüber, manche von ihnen fühlten sich gar von der Gewerkschaftsfunktionärin aufgrund ihres Alters leicht provoziert. „Ich diskutiere oft breit und lang, um den anderen von unserer Position zu überzeugen. Da es immer darum geht, für die Kollegen etwas herauszuholen, habe ich mir in solchen Fällen gestandene Betriebsräte an den Tisch geholt“, sagt die DGB--Chefin. Auch Beobachtungsgabe und Diplomatie gehören zur Gewerkschaftsarbeit.

Das kleine Einmaleins der Arbeitnehmervertretung hat Dana Dubil nach dem Studium im Jahr 2007 an der Akademie der Arbeit in Frankfurt/Main gelernt. Elf Monate verbringt sie dort mit 40 anderen Gewerkschaftern aus ganz Deutschland bei der Geschichte der Gewerkschaftsbewegung, Seminaren zum Thema Rechtsstaat, der Entwicklung der Sozialpolitik und bei Wirtschafts- und Kommunikationswissenschaft. „Diese Zeit hat meinen Horizont erweitert. Dort habe ich dann auch gelernt, dass man über manche Dinge sogar diskutieren muss und nicht einfach nur zugucken und abwarten darf“, erklärt Dana Dubil rückblickend.

Ihre Zeit an der Akademie verändert auch ihren Blick auf die Heimat. „Erst wenn man weggeht, sieht man, wie viele Mauern man einreißen muss. Viele Menschen sind hier fortgegangen, die wir dringend bräuchten. Geblieben sind oft jene, die andere für ihre Schicksale verantwortlich machen, anstatt zu sagen: Was hätte ich tun können“, sagt die Streiterin für Gerechtigkeit. Kraftvoll zupacken statt lamentierend Ausharren würde sie gern die Region sehen. Deshalb stellt sich für Dana Dubil nach ihrem Wanderjahr im Anschluss an die Akademie zu unterschiedlichen IG-Metall-Stationen auch gar nicht die Frage, ob sie in der Ferne ihre Zelte aufschlägt. „Mein Ziel ist es, hier etwas zu bewegen“.

Mit diesem Credo will sie nun auch als neue DGB-Chefin in Ostsachsen „frischen Wind in gewachsene Strukturen“ bringen. „Wir müssen das Selbstbewusstsein der Gewerkschafter aufbauen. Die Kollegen draußen in den Betrieben sind oft desillusioniert, dabei können sich doch gerade in Zeiten des Fachkräftemangel alles dafür machen, um ihre Arbeitsbedingungen zu verbessern“, sagt die zierliche Frau. Dabei sieht sie die Gewerkschaft als Partner der Unternehmen. Es sei eine Chance die Beschäftigten mitzunehmen – für die Leistungsfähigkeit eines Betriebes.

Eine Tür klappert, eine Kollegin bringt einen Brief. Dana Dubil sitzt im Gewerkschaftshaus im Erdgeschoss. „Der DGB ist das Dach für acht Gewerkschaften. Meine Aufgabe ist jetzt nicht mehr die Arbeit vor Ort, sondern zum Beispiel Gespräche auf politischer Ebene zu führen“, sagt die 33-Jährige. Und all das ist heutzutage nötiger denn je: Aktuell braucht es nach einem möglichen Aus des Siemens-Turbinenwerk Görlitz, Sparpläne beim Bombardier-Waggonbau in Görlitz und die Insolvenz des Waggonbaus Niesky einen Plan B für die Lausitz.

Dieses Szenario bewegt die Menschen in der Region sehr. „Es passiert immer häufiger, dass hier jemand in der Tür steht und fragt, wie er Gewerkschaftsmitglied werden kann. Die IG Metall zum Beispiel toppt Jahr für Jahr die Neuaufnahmen“, erklärt Dana Dubil.

„Jünger, offener und kämpferischer“ sieht Dana Dubil den DGB der Zukunft. Eine weitere große Aufgabe, sei die politische Bildung. Dafür würden sie und ihre Kollegen derzeit auch um das Arbeitnehmerfreistellungsgesetz in Sachsen kämpfen. Bisher haben Arbeitnehmer im Freistaat keinen gesetzlichen Anspruch auf eine bezahlte Freistellung zu Bildungszwecken. Profitieren könnten davon unter anderem auch Sportvereine oder Freiwillige Feuerwehren. Der Landtag muss sein „Ja“ dafür geben. Auf ihrer Liste für 2018 stehen noch ein Dutzend weitere Punkte für die Region.

Am vergangenen Wochenende war sie in Görlitz, um dort darüber zu diskutieren, wie man den Neonazis in Ostritz die Stirn zeigen kann. Denn schließlich gehört Dana Dubil nicht zu jenen, die sagen: Was hätten wir tun können.

ostsachsen.dgb.de