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Deutschlands Löhne längst nicht spitze

Berlin. Bei den Arbeitskosten in Europa liegt Deutschland deutlich hinter Nachbarländern wie Belgien und Frankreich. Im vorigen Jahr gaben deutsche Unternehmen pro Stunde 29,10 Euro für ihre Beschäftigten aus – einschließlich der Kosten für deren Sozialversicherung.

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Berlin. Bei den Arbeitskosten in Europa liegt Deutschland deutlich hinter Nachbarländern wie Belgien und Frankreich. Im vorigen Jahr gaben deutsche Unternehmen pro Stunde 29,10 Euro für ihre Beschäftigten aus – einschließlich der Kosten für deren Sozialversicherung. Das ergab eine Auswertung durch das gewerkschaftsnahe Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK). In Belgien dagegen waren 38,20 Euro pro Stunde zu zahlen.

Zu den Schlusslichtern bei den Lohnkosten in der EU zählen Tschechien mit 9,90 Euro und Polen mit sieben Euro. In den Krisenländern Irland und Griechenland sinken die Arbeitskosten wegen der Krise.

IMK-Chef Gustav Horn stellte fest, dass Deutschland in der Spitzengruppe der Arbeitskosten immer weiter zurückfalle. Im vergangenen Jahrzehnt seien die Löhne und Lohnnebenkosten im Euroraum um jährlich 2,8 Prozent gewachsen, in Deutschland dagegen nur um 1,7 Prozent. Damit gewinnt die deutsche Wirtschaft laut Horn an Wettbewerbsfähigkeit gegenüber den anderen Euroländern.

Diese Entwicklung hält der Wissenschaftler für bedrohlich. Zwar wachsen Deutschlands Exporte, aber auch das Ungleichgewicht zwischen den Staaten nimmt zu. Um das Gleichgewicht in den Handelsbeziehungen wiederherzustellen, spricht sich Horn für kräftige Lohnerhöhungen von drei bis 3,5 Prozent im Jahr aus. Auch ein allgemeiner Mindestlohn würde zu ausgeglicheneren Handelsbeziehungen beitragen – beide würden zu mehr Konsum und damit wachsenden Importen beitragen. Die Binnenkonjunktur lahmt, obwohl so viele Menschen wie noch nie einen Arbeitsplatz haben. (wom)