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Deutschlands Retter messen sich am Bärwalder See

Zum ersten Mal findet der Wettbewerb der Wasserwacht an einem See statt. Die Boxberger Gruppe ist mittendrin.

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Von Katja Schlenker

Die Spannung steigt. Am Sonnabend treffen sich Deutschlands Retter am Bärwalder See. Es ist das erste Mal, dass der Bundeswettbewerb im Rettungsschwimmen an einem See stattfindet. Warum am Bärwalder See? Die Antwort ist ganz einfach, erklärt Joachim Weiß. „Der Bärwalder See ist ein sehr schöner See“, sagt der Referent Wasserrettungsdienst vom Landesverband Sachsen des Deutschen Roten Kreuzes. Dieser organisiert den diesjährigen Bundeswettbewerb. Joachim Weiß ist bereits am See gewesen und hat dort auf dem Campingplatz „Sternencamp“ übernachtet. Der ist ein weiteres Argument, den Wettbewerb am Bärwalder See stattfinden zu lassen. Denn dort ist alles vorhanden, was benötigt wird – Übernachtungsmöglichkeiten, Toiletten und Duschen, Imbiss und natürlich der Strand.

Mittendrin sind auch Mitglieder der Ortsgruppe Boxberg. Michael und Frank Brosius zum Beispiel werden als Wettkampfrichter dabei sein. Die Leiterin der Gruppe, Sabine Littwin, wird ebenfalls vor Ort sein. Allerdings nicht als Kampfrichterin. Denn lange ist nicht klar gewesen, ob sie an dem Tag arbeiten muss oder nicht. Daher hat sie sich nicht als freiwillige Helferin angemeldet. Aber eine Aufgabe wird sich sicher auch so finden. Die 56-Jährige ist Schwimmmeisterin im Lausitzbad in Hoyerswerda. Und da wird am Sonnabend Kindertag gefeiert.

Qualifiziert hat sich von den hiesigen Gruppen in Boxberg und Weißwasser keiner für den Bundeswettbewerb. Ganz knapp. Dabei sein wollen sie dennoch. Welche Aufgabe die beiden 58 und 31 Jahre alten Männer übernehmen, wird sich zeigen. „Jeder, der Zeit und Lust hat, konnte sich melden“, sagt Frank Brosius. „Dann wird geschaut, wer welche Fähigkeiten hat.“ Er selbst ist zum Beispiel beim Rettungsdienst in Weißwasser und Umgebung tätig. Sein Vater Michael ist Schwimmmeister im Bad in Reichenbach. Um bei den Wettbewerben die Leistungen korrekt bewerten zu können, sind verschiedene Fähigkeiten nützlich. Denn der Wettbewerb besteht aus zwei Teilen.

Im ersten Abschnitt geht es um Erste Hilfe. Ein Rettungsparcours mit praktischen und theoretischen Disziplinen muss absolviert und an mehreren Stationen auf die jeweilige Situation reagiert werden. Darauf gibt es Punkte. An jeder Station stehen mehrere Kampfrichter. Der zweite Teil besteht aus Schwimmwettbewerben. Die fünf- bis sechsköpfigen Teams werden ihr Können in einer Strandsprintstaffel, einem Hochwasserbootrennen, der Rettungsleinenstaffel und dem Rettungsbrettrennen unter Beweis stellen.

Dabei wird am Strand gestartet, von wo aus die Schiedsrichter die Leistung begutachten. Dabei geht es zum einen um Schnelligkeit, denn jede Sekunde zählt, wenn jemand aus dem Wasser gerettet werden muss. Zum anderen spielt aber auch Stil eine Rolle bei der Bewertung. Denn einfach nur den Ertrinkenden rasch aus dem Wasser zu holen, genügt nicht. Dabei müssen auch die korrekten Griffe angewendet werden, erklärt Michael Brosius. Ebenso wird die Zusammenarbeit im Team bewertet.

„Es ist schon etwas anderes, ob man in der Halle ist oder hier am Strand“, sagt Frank Brosius. Draußen ist die Situation wesentlich realer. Wind und Wetter spielen eine Rolle bei der Rettung. Die Veranstaltung am See wollen die Wasserretter auch nutzen, um auf ihre Situation aufmerksam zu machen. Sie retten Menschen vor dem Ertrinken, bergen Boote, nehmen an Einsätzen des Katastrophenschutzes teil oder bringen Personen das Schwimmen bei. Doch bei Wasserrettung werden oft Abstriche gemacht. Für Gemeinden ist das aus finanzieller Sicht eine freiwillige Aufgabe. So gibt es in dieser Saison bis jetzt keine Wasserrettung am Bärwalder See. Ob sich das noch ändert, ist derzeit offen. Badegäste und Wassersportler müssen vorerst auf sich selbst aufpassen. Eine Alternative in solch einem Fall können Notrufsäulen sein, erklärt Joachim Weiß. Diese werden an den Badestränden aufgestellt, damit Besucher im Notfall Hilfe holen können – unabhängig von Handy und Mobilnetz. Trotz der Engpässe helfen die Boxberger gerne am Wochenende. Der DRK-Landesverband Sachsen erhält Hilfe von zahlreichen Wasserwachten, insbesondere den Gruppen in Weißwasser und Boxberg. Rund 80 000 Aktive zählt die Wasserwacht des Deutschen Roten Kreuzes, erklärt Torsten Wieland vom Landesverband. Diese Aktiven retten im Durchschnitt 250 Menschen pro Jahr vor dem Ertrinken. Am Wochenende treffen sich 26 Wasserwacht-Teams mit 162 Teilnehmern aus ganz Deutschland am Bärwalder See.

„In dem zehnstündigen Wettkampfmarathon um Sekunden und Punkte werden die Mannschaften zum ersten Mal die schwimmerischen Disziplinen im Freiwasser des Bärwalder Sees absolvieren“, erklärt Torsten Wieland vom Landesverband. Das ist praxisnah und auch sehenswert für Zuschauer. Parallel zum Wettbewerb findet eine überregionale Ausbildung statt. Dabei werden die vier Katastrophenschutz-Wasserrettungsgruppen des Freistaates sowie Einheiten des Technischen Hilfswerkes gemeinsam trainieren. Ziel ist es, die Leistungsfähigkeit der vom Freistaat im vergangenen Jahr beschafften Mehrzweckboote kennenzulernen.