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Diagnose: feucht und verschlissen, aber noch haltbar

Es ist wohl Dresdens unspektakulärste Brücke. Nur einmal sorgte die Albertbrücke – die östlichste der Dresdner Innenstadtbrücken – für Schlagzeilen: Am 13. Dezember 1996 explodierte dort eine Gasleitung.

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Von Bettina Klemm

Es ist wohl Dresdens unspektakulärste Brücke. Nur einmal sorgte die Albertbrücke – die östlichste der Dresdner Innenstadtbrücken – für Schlagzeilen: Am 13. Dezember 1996 explodierte dort eine Gasleitung. Bauarbeiter hatten ein 425er Rohr mit Pressluft getestet. Durch den Druck flog damals eine Radfahrerin in die Elbe und wurde schwer verletzt. An der Brücke selbst wurde zwar die Gehbahn zerstört, nicht aber die Gewölbe.

Heutige Gutachten bescheinigen dem Bauwerk eine starke Durchfeuchtung, verschlissene Fahrbahn, nicht funktionierende Entwässerung und Dichtung. Gravierender sind allerdings die Schäden an den Gesimsen und Kanzeln, die zum Teil schon gesperrt werden müssen. Auch die Pfeiler müssen instand gesetzt werden. Eine direkte Gefahr bestehe jedoch nicht. Um die Brücke noch lange zu erhalten, muss die Stadt jährlich 151 000 Euro für deren Instandhaltung aufwenden. Das ist etwa so viel wie für die Augustusbrücke und etwa die Hälfte des Aufwands für die Caro-labrücke. Für rund 80 000 Euro wurde 2002 der Treppenaufgang in stadtwärtiger Richtung aufpoliert. Leichter Zuwachs in der Breite

„Wir hoffen, dass wir die Brücke noch in diesem Jahrzehnt gründlich erneuern können“, sagt Reinhard Koettnitz, Chef des städtischen Straßen- und Tiefbauamts. Er rechnet dafür mit Kosten von 22 Millionen Euro. Wird die Brücke erst einmal in Angriff genommen, dann soll sie auch leicht vergrößert werden. Denn ähnlich wie bei der Marienbrücke vor der Erweiterung gibt es immer wieder Probleme, wenn Straßenbahnen und Laster gleichzeitig über die Brücke wollen. „Wir gehen von etwa 1,50 Meter je Seite aus. Mehr wird sicherlich nicht mit dem Denkmalschutz vereinbar sein, denn die Brücke muss optisch unverändert wirken“, schätzt Koettnitz ein. Entsprechende Gespräche mit den Denkmalschützern stünden noch aus.

An den Wochenenden verwandelt sich die Fläche neben der Brücke in einen bunten Flohmarkt. Vier der acht Kasematten zu beiden Seiten der Brücke sind besonders von den Flohmarkthändlern gemietet. Für die übrigen gab es einmal einen Interessenten, der darin ein Restaurant einrichten wollte. Letztlich ist das Projekt jedoch an fehlenden Parkplätzen gescheitert.

Bogenbrücke mit Ursprung

Bei der Albertbrücke handelt es sich um eine Bogenbrücke. Sie wurde 1875 bis 1877 nach den Plänen von Karl Manck erbaut. 1945/46 wurden Kriegsschäden an der Brücke beseitigt. Zu DDR-Zeiten hieß das Bauwerk Brücke der Einheit, bevor es 1990 wieder seinen ursprünglichen Namen erhielt.

Zu den beliebten Fotomotiven gehört der Bogenschütze am Neustädter Ufer. Die Bronzefigur wurde 1902 von Ernst Moritz Geyger geschaffen und gehört zum 1934 angelegten Staudengarten.