merken
PLUS Freital

Diamantenes Diplom für Forstingenieure

60 Jahre nach Abschluss ihres Studiums trafen sich am Montag elf Absolventen in Tharandt. Im Judeich-Bau erwartete sie eine besondere Ehrung.

Begegnung vor dem Judeich-Bau: Karsten Kalbitz, Sprecher der Fachrichtung Forstwissenschaften (2.v.l.), mit Horst Morgenroth, Otto Wienhaus und Dieter Geisler (v.l.), die vor 60 Jahren in Tharandt ihr Diplom bekamen.
Begegnung vor dem Judeich-Bau: Karsten Kalbitz, Sprecher der Fachrichtung Forstwissenschaften (2.v.l.), mit Horst Morgenroth, Otto Wienhaus und Dieter Geisler (v.l.), die vor 60 Jahren in Tharandt ihr Diplom bekamen. © Thomas Morgenroth

Zwei Jahre lang gab es im großen Hörsaal im Judeich-Bau in Tharandt keine Vorlesung. Erst war der Raum wegen eines Wasserschadens und der Sanierung gesperrt, dann funkten die staatlichen Auflagen im Zuge der Corona-Pandemie dazwischen. Am Montag wurde der Hörsaal nun eingeweiht, allerdings nicht von Studenten, sondern von Forstingenieuren, die vor sechzig Jahren an der Fakultät (heute Fachrichtung) für Forstwissenschaften der TU Dresden ihr Diplom erhalten haben.

Die elf Männer, 83 bis 86 Jahre alt, die von ihren Frauen begleitet wurden, erlebten indes keine klassische Vorlesung. In einem Festakt, auf den Jagdhornbläser der Fachrichtung einstimmten, bekamen die ehemaligen Studenten ihr diamantenes Diplom überreicht. Professor Karsten Kalbitz, Sprecher der Fachrichtung, und Verwaltungsleiter Stephan Bonn verteilten die Urkunden – mit Abstand und ohne Handschlag. An die behördlichen Auflagen mussten sich auch die Jubilare halten.

Anzeige
Kompakt, regional und sicher
Kompakt, regional und sicher

Die Fachmesse "all about automation" findet am 23. und 24. September 2020 in Chemnitz statt - mit einem umfassenden Hygienekonzept.

„Es ist das erste Mal, dass wir eine solche Ehrung vornehmen“, sagt Bonn. Angeregt hat das Otto Wienhaus, der lange Jahre Professor in Tharandt war und selbst zu den geehrten Absolventen gehört. „Es gibt kaum ein anderes Semester, das so intensiv den Kontakt untereinander gehalten hat“, sagt Hubertus Biel aus Mühlhausen in Thüringen, der dort Forstamtsleiter war. „Wir treffen uns jedes Jahr.“ Leider, bedauert er, werden es naturgemäß immer weniger. 18 der 35 Absolventen sind bereits gestorben. Mitunter aber kommen nun die Witwen allein zu den Treffen. „Unser Zusammenhalt ist groß“, sagt Biel.

Er und auch die meisten anderen ehemaligen Studenten sind nur noch selten in Tharandt. Dann aber werden natürlich Erinnerungen wach. „Die Studienzeit war meine schönste Zeit“, sagt Dieter Geisler aus Cottbus. Aber mitunter auch körperlich anstrengend: Die Studenten halfen 1958 sowohl bei der Beseitigung der Flutschäden in Tharandt als auch beim Kampf gegen den Borkenkäfer in Thüringen.

Der Jahrgang, der 1956 mit dem Studium in Tharandt begann, war auch aus anderer Sicht etwas Besonderes: Er bestand nur aus Männern. Heute sei ein Frauenanteil von einem Drittel die Regel, sagte Stephan Bonn, der doch noch eine Vorlesung im Judeich-Bau hielt und die Fachrichtung mit ihren neun Instituten vorstellte.

800 Studenten sind derzeit in Tharandt eingeschrieben, die Nachfrage sei riesig, sagt Bonn: „Wir haben in diesem Jahr 470 Bewerber auf 125 Plätze.“ Diese könnten die ersten Studenten sein, die wieder im Hörsaal im Judeich-Bau zu Vorlesungen gehen dürfen – allerdings, sagt Bonn, nur in Gruppen von maximal 40 Personen. „Mehr lassen die Corona-Regeln nicht zu.“

Mehr Nachrichten aus Freital lesen Sie hier.

Täglichen kostenlosen Newsletter bestellen. 

Mehr zum Thema Freital