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Dicke Luft in der Sparkasse

Ein Baubiologe untersucht die Luft in der Rathausfiliale nach Schadstoffen. Verursacht Naphthalin den Geruch?

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Von Birgit Ulbricht

Ein zarter Hauch von Teer hängt manchmal in der Luft. Oder riecht es doch eher moosig? Für den Baubiologen Rene Lenk ist es einfach ein typischer DDR-Geruch, der da im Erdgeschoss des Großenhainer Rathauses hängt. „Kennen Sie diesen Mitropa-Geruch noch?“, fragt er, als wir uns vor Ort treffen. „So ungefähr riecht Nafthalin.“ Die Substanz – benzolhaltige Kohlenwasserstoffe – steckt in dem Kaltanstrich drin, mit dem die Betonfußböden zu DDR-Zeiten gestrichen wurden.

Ob das nach so vielen Jahren überhaupt noch riechen kann, fragen wir den Baubiologen vor Ort. „Ja, faktisch immer. Das sind leichtflüchtige Stoffe, die bei jedem Luftzug ausgasen“, erklärt Rene Lenk. Dafür reichen schon offene Kabellöcher im Fußboden oder Öffnungen für die Heizung. Vor allem, wenn sich das Wetter verändert und damit der Luftdruck, ändert sich auch der Gasdruck der teerhaltigen Schichten – und das riecht. Allerdings ist die Konzentration wohl derart verschwindend gering, dass es zu keinerlei Gesundheitsschäden kommt, sagt Stadtbaudirektor Tilo Hönicke.

Sorgen vor Klagen der Mitarbeiter

Die Sparkasse sah das trotzdem anders, weil Naphthalin laut Gefahrenregister des Bundesumweltamtes unter Verdacht steht, zu den krebserregenden Stoffen zu gehören. Allein dieser Verdacht hatte ausgereicht, dass die Sparkasse am 14. Februar mittags komplett ausgezogen ist.

Sogar die Lösung, vorm Rathaus vorübergehend einen Container aufzustellen, war kurz im Gespräch gewesen. Dann hatte man sich entschlossen, die Filiale Dresdner Straße aufzurüsten. Die Sorge, als Arbeitgeber doch in die Haftung zu geraten, war der Sparkasse einfach zu groß. Denn Beschwerden wie Kopfschmerzen hatten Bank-Mitarbeiter bereits Ende 2009, Anfang 2010 das erste Mal. Daraufhin war Baubiologe Lenk schon einmal angerückt und hatte, mit Vakuumpumpe und Filtern ausgerüstet, die Luftpartikel in der Sparkasse Großenhain gemessen. Die Entscheidung damals: Der Teppich in den Büros kommt heraus und der Fußbodenaufbau wird komplett erneuert. Danach schien zunächst alles gut. Die Sache blieb im Wortsinn unterm Teppich, denn der Umbau wurde 2011 als Modernisierung präsentiert. Doch dann setzte Ernüchterung ein. Der Geruch war nicht weg. „An manchen Tagen war nichts zu merken, an anderen dafür umso deutlicher“, bestätigt Thomas Röthig vom Bauamt, der den Fall jetzt auf dem Tisch hat. Die Sparkasse meldete die Geruchsbelästigung erneut ihrem Vermieter, der Stadt Großenhain.

Jetzt hat Baubiologe Rene Lenk also erneut gemessen. Die Proben gingen gestern in ein Labor nach Regensburg. „Normalerweise liegen die Ergebnisse etwa in 14 Tagen vor, aber ich mache es eilig“, sagte Lenk gestern. Was nun danach im gefliesten SB-Bereich passiert, steht noch nicht fest. In einer gemeinsamen Pressemitteilung von Stadt und Sparkasse heißt es allerdings: „Unabhängig vom Ergebnis der Untersuchungen erwägt die Sparkasse Meißen eine umgehende Sanierung des Fußbodens auch in diesem Teil.“ Offenbar wäre alles andere nach dem Schritt des Auszugs auch nicht in der Öffentlichkeit zu vermitteln. Wer das allerdings bezahlt, wurde nicht beantwortet. Die erste Fußbodensanierung im teppichbelegten Bereich der Sparkasse hatte 46 000 Euro gekostet.

Bestätigt wurde, die Sparkasse wird so schnell nicht ins Rathaus zurückkehren. Als Erleichterung für die Kunden sollen in den nächsten Tagen im Foyer doch ein Geldautomat und ein Kontoauszugsdrucker aufgestellt werden. Auch der Briefkasten am Rathaus wird geleert, versichert Sparkassensprecher Ralf Krumbiegel.