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Sachsens schönste Radtouren - Teil 1

Quer durchs Elbsandsteingebirge und den Schluckenauer Zipfel führt diese Tour nach Zittau. Die kleinen Flüsse Kirnitzsch und Mandau geben die Richtung vor.

Der Fluss ist der Wegweiser.
Der Fluss ist der Wegweiser. © Martin Anderseck

Von Martin Anderseck. Die Sonne scheint, die Elbe fließt gemächlich dahin, am Eisladen am Markt bilden sich schon Schlangen – Bad Schandau lädt eigentlich zum längeren Verweilen ein.

Aber nur eigentlich, denn die kleine Stadt kurz vor der tschechischen Grenze ist auch ein Ausgangspunkt für viele Touren. Kletterer sammeln sich hier, um die Felsen des Elbsandsteins zu besteigen, Wanderer, um durch kühlen Grund und über luftige Höhenwege den Nationalpark zu erkunden. Und natürlich Radfahrer, denn durch die Sächsische Schweiz zieht sich ein Netz gut ausgebauter Wege.

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Für diese Tour ist der Marktplatz der Startpunkt. Die Route führt hinaus ins schattige Kirnitzschtal, in das sich viele Besucher mit der Kirnitzschtalbahn fahren lassen. Bereits seit 1898 bedient die historische Bahn die Strecke – übrigens die einzige Straßenbahntrasse in einem deutschen Nationalpark. 

Bis zum Beuthenfall, der sich recht unspektakulär und klein auf der linken Straßenseite über ein paar Felsen ergießt, teilen sich Radfahrer, Bahn und Autos die Straße, dann geht es nach rechts über die plätschernde Kirnitzsch den Dietrichsgrund hinein. Links erhebt sich, zwischen hohen Fichten versteckt, das Massiv des Alten Wildensteins. Hier befinden sich zahlreiche offizielle Boofen – Übernachtungsplätze unter Felsvorsprüngen.

Der Dietrichsgrund verlängert sich an der zweiten größeren Kreuzung mit der Zeughausstraße, die schnurstracks durch den Wald führt. Es ist das Gebiet des Kleinen Zschands, dessen gleichnamige Straße man kurz nach einer ausgedehnten Linkskurve nach den sonnenbeschienen Quenenwiesen erreicht. Bald öffnet sich der Wald wieder zum Kirnitzschtal und der Straße hin. Nun ist Zeit für etwas Geschichte, denn einst standen im Tal mehrere Mühlen. 

Eine davon war die Felsenmühle – heute kann man hier übernachten und einkehren. Etwas weiter oben im Tal befindet sich die Neumannmühle, mittlerweile ebenfalls eine Pension und ein Gasthaus, doch ein kleines, liebevoll gestaltetes Museum auf der gegenüberliegenden Straßenseite – das eigentliche Mühlengebäude – gibt einen Einblick in die Arbeit der der Müller. Bereist im 14. Jahrhundert existierte hier eine kleine Schneidemühle, mit Beginn der Flößerei auf der Kirnitzsch Ende des 16. Jahrhunderts wuchs die Bedeutung solcher Sägemühlen. Bis 1957 tat die Anlage im Tal ihren Dienst.

Nach der Neumannmühle folgt die Route wieder für eine Zeit der Straße bis nach Hinterhermsdorf – eine Gemeinde, die mit ihren schönen Umgebindehäusern schon mehrfach als schönstes Dorf prämiert wurde. Am Dorfteich angekommen biegt die Strecke nach rechts auf die Buchenstraße ab, die jedoch an der nächsten Kreuzung bereits wieder abdreht. 

Die Route aber bleibt auf Kurs, und so rollen die Radfahrer auf der Neudorfstraße der deutsch-tschechischen Grenze entgegen. Wer sich an zwei folgenden Y-Kreuzungen leicht links hält, macht alles richtig. Die Straße wird schmaler, beinahe zum Waldweg. Kurz, bevor ein Bächlein erreicht wird, gabelt sich der Weg erneut. Diesmal heißt es rechts fahren. Rechterhand plätschert nun auch wieder die Kirnitzsch, die auf den nächsten Kilometern ein treuer Begleiter bleiben wird.

Abstecher nach Tschechien

Dank Europa wäre der kommende Grenzübertritt kaum bemerkbar, einzig große Infotafeln weisen darauf hin, dass auf der anderen Flussseite Tschechien liegt. Immer am Fluss entlang gelangt man durchs Khaatal auf teils asphaltierten Wegen und später kleinen, ruhigen Straßen ins Städtchen Krásná Lípa (Schönlinde).

Auf dem Marktplatz laden mehrere Kneipen zu einer Ruhepause ein, bevor es ein kurzes Stück auf der Hauptstraße Masarykova und dann nach rechts abbiegend auf der Varnsdorfska wieder stadtauswärts geht – wieder mit der Kirnitzsch an der Seite. Der Fluss entspringt ganz in der Nähe, wo sich im Wald mehrere Quellen vereinigen.

Kurz nachdem zur Rechten die Bäume einer Wiese weichen, dreht die Route ebenfalls nach rechts in Richtung des Dorfes Studánka (Schönborn). Ein Weitblick lohnt: In der Ferne sind die Höhenzüge des Lausitzer Berglandes zu erkennen. An der zweiten Kreuzung in Studánka heißt es links abbiegen und dann recht schnell wieder rechts, um ein Stück der Hauptstraße durch den Ort zu folgen, bevor man bei nächster Gelegenheit wieder nach links fährt.

Schnurstracks radelt es sich so bis nach Varnsdorf. Am Ende der Straße fährt man auf der Hauptstraße nach rechts weiter. An der Kirche St. Peter und Paul biegt die Route nach links, doch es lohnt sich, hier einmal kurz innezuhalten. In dem barocken Bauwerk wurde eines der bedeutendsten Werke Ludwig van Beethovens 1830 in ihrer Gesamtheit im liturgischen Rahmen uraufgeführt: die Missa solemnis.

Die Mandau übernimmt

Nach der Kirnitzsch ist es nun die Mandau, die immer wieder als Wegweiser dienen kann. Kurz nach der Kirche überquert man sie das erste Mal. Aufgepasst an der nächsten großen Kreuzung, hier geht es noch am Supermarkt vorbei, bevor die Partyzánů die Radler mitnimmt bis ans Ufer der Mandau.

Dort kann man linkerhand schon die Brücke sehen, auf der der Fluss zum zweiten Mal überquert wird. Links-rechts-links – so gelangt man auf die Žitavská und letztlich auch wieder nach Deutschland, genauer gesagt zuerst nach Großschönau.

Großschönau ist eng mit der Geschichte der Textil- und Damastweberei eng verbunden. So waren die schönen Umgebindehäuser des Ortes oft Weberhäuser, ein Museum erzählt von der langen Tradition. Über die links von der Hauptstraße abgehende Goethestraße und die Teichstraße sind Radler schnell auf der Spitzkunnersdorfer Straße. Um näher an der Mandau zu bleiben, nimmt man nach deren Überquerung die Schenauer und anschließend die David-Goldberg-Straße.

Zwar ändert diese noch mehrmals den Namen, die Mandau rechterhand jedoch gibt immer die richtige Richtung vor. Der Rübezahlradweg führt nach Hainewalde. Sehenswert sind hier neben zahlreichen Umgebindehäusern das Wasserschloss und das Neue Schloss sowie die Kanitz-Kyawsche Gruft.

Nach Hainewalde wird die Mandau auf der Straße „Am Butterberg“ überquert. Die Talstraße führt nach links immer in Fluss- und Eisenbahnnähe. Nur kurz bei Mittelherwigsdorf kreuzt man über die Hörnitzer Straße die Schienen, biegt sogleich wieder nach rechts ab und hält sich in Richtung Hörnitz.

Zittau, das Ziel, ist nicht mehr weit – das zeigt schon der Name der nächsten Straße: Die Zittauer verläuft nach links in die richtige Richtung. Um entspannter in die Stadt einzurollen, empfiehlt sich der Radweg, der kurz nach der Brücke nach rechts abzweigt und an der Mandau entlang verläuft – fast bis ins Zentrum Zittaus. 

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Länge: 60 km Höhenmeter: 720 hm Sehenswürdigkeiten: Kirnitzschtalbahn, Lichtenhainer Wasserfall, Umgebindehäuser zwischen Hinterhermsdorf und Großschönau, Kirnitzschtal/Khaatal (angenehm frisch im heißen Sommer), zahlreiche Mühlen im Verlauf des Kirnitzschtals, Krasna Lipa, Varnsdorf, Deutsches Damast- und Frottiermuseum in Großschönau, Motorrad-Veteranen- und Technik-Museum Großschönau, Zittau, Startpunkt: Bad Schandau Marktplatz

Schwierigkeit: 2/4

Radtyp: Tourenrad, Mountainbike

Streckenkarte. 
Streckenkarte.  © Grafik: Sylvia Tietze