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Die älteste Glocke Sachsens läutet in Frauenhain

Das Geläut ist rund 800 Jahre alt. ÄltereExemplare sind den Experten nicht bekannt.

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Von Ulrike Körber

Die wohl älteste in Sachsen erhaltene Glocke befindet sich in der kleinen Gemeinde Frauenhain an der nördlichen Kreisgrenze. Um 1200 wurde die bronzene Glocke gegossen, die jeden Sonntag in 27 Metern Höhe angeschlagen wird.

Hinsichtlich der Datierung sind sich Experten relativ einig. Obwohl, eindeutig festlegen will sich darauf niemand. „Denn die älteste Glocke Sachsens gibt es eigentlich nicht“, so der Glockenfachmann der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Dr. Rainer Thümmel. Die ganz früh gegossenen Glocken tragen nämlich kein Datum. Ein Gussdatum findet sich erst bei Glocken ab dem Jahr 1375, so der Experte. Demnach bauen alle Datierungsversuche mehr oder weniger auf Indizien, nicht auf Beweise.

Aber diese Beweise scheinen schlagend zu sein. Für Thümmel sprechen die Form – ähnlich eines Zuckerhutes – die seltene Inschrift und die Herkunft für die Datierung. Eine Inschrift wie an der Frauenhainer Glocke mit dieser Art von Majuskeln (Großbuchstaben) hat er anderswo nicht gesehen.

Wein war Gießer-Lohn

Der Buchstabe N steht verkehrt herum. Zudem ist nicht gänzlich zu identifizieren, was genau auf der Glocke steht. „Das ist aber auch nicht so verwunderlich, denn Glockengießer waren im Mittelalter zuweilen Analphabeten, die zudem teilweise auch mit Kannen voll Wein ausgezahlt worden sind“, schildert Thümmel.

Zudem weiß man nicht, wer die Glocke einst goss. Fakt ist nur eins: Die Frauenhainer Glocke stammt aus der Cröberner Kirche bei Leipzig.(der Ort existiert nicht mehr wegen des Tagebaus). Und da einst von dieser Gegend die Christianisierung ausging, und die kleine Gemeinde sich keine neue über Jahrhunderte leistete, sei es laut Thümmel wahrscheinlich, dass sie aus dem Jahr 1200 stammt. Jedenfalls sei sie eine absolute Rarität. Der Glockenfachmann: „In dieser Gegend gibt es kaum noch alte Glocken. Die meisten wurden später eingeschmolzen und durch neue ersetzt.“ Darüber, dass man in Frauenhain womöglich die älteste sächsische Glocke anschlägt, ist man im dortigen Kirchenvorstand überrascht. Die Gemeinde recherchiert gerade zur Kirchengeschichte und bereitet die Sanierung des Gotteshauses vor.

Klaus Linke pflegt die Technik

Während Gaby Königsdorfer, stellvertretender Kirchenvorstand, begeistert ist, dass sich in der Gemeinde solche eine Rarität findet, zeigt sich Glockenpfleger Klaus Linke eher gelassen. Dass die Glocke über 800 Jahre bei jedem Großbrand oder Todesfall ertönte, sieht er nüchtern. „Ich kann das einfach nicht so nachvollziehen“, sagt er. Linke zieht seit sieben Jahren regelmäßig Schrauben an und pflegt die Technik. In der Umgebung findet sich in Diesbar-Seußlitz noch eine uralte Glocke. Allerdings ist diese gut ein Jahrhundert jünger und stamme wohl aus der Zeit um 1300.