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Die alte Halle glänzt bald wieder

Die Sanierung des Stadthauses steht unmittelbar bevor und wird eine Herausforderung. Denn: Barock trifft Moderne.

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Von Susan Ehrlich

In steinernen Lettern steht es über dem mit rötlichen Stuckornamenten verzierten Portal: Stadthaus. Fast 300 Jahre Geschichte verbergen sich hinter seiner gelben Fassade. Unmittelbar neben dem Rathaus steht es und ist auch als „Goldenes Schiff“ bekannt. So hieß das Hotel, das hier einst untergebracht war. Doch bereits seit 1921 gehört es mit zur Verwaltung der Stadt. Noch bis vor Kurzem war hier die Stadtbibliothek untergebracht, die vorübergehend ins Einkaufszentrum an der Sachsenstraße umgezogen ist.

Längst ist klar: Das Stadthaus wird saniert. Und nun wird das Vorhaben auch wirklich konkret. Seit voriger Woche sind die Ausschreibungen veröffentlicht, Ende März, Anfang April sollen die ersten Bauaufträge vergeben werden. Davon geht zumindest Matthias Urbansky von der Wohnungsverwaltung und Bau GmbH (Wobau), die Bauherr im Stadthaus ist, aus. Und auch Volker Augustin vom zuständigen Planungsbüro bestätigt das und nennt sogar einen klaren Termin für den Baubeginn: „Gleich nach Ostern soll es losgehen, der Startschuss am 28. April fallen.“

Ganz ohne Herausforderungen wird die Frischekur nicht ablaufen. Denn künftig soll hier der denkmalgeschützte Barockbau mit Elementen unserer modernen Zeit in Einklang gebracht werden. Die Bibliothek soll wieder einziehen und mehr Platz eingeräumt bekommen. Auch Teile der Verwaltung finden hier Raum, ebenso wie die Anlaufstelle des Seniorenrates der Stadt. Und sie alle haben ihre genauen Vorstellungen von dem, was kommen soll.

Beginnen wird die eigentliche Sanierung außen. „Das Dach muss neu gedeckt werden, der riesige Schornstein wird verschwinden“, sagt Wobau-Geschäftsführer Urbansky. Der vorgesehene Fernwärmeanschluss benötigt nur noch einen eher kleinen Abzug nach oben. Auch die Gestaltung der Außenfassade wird in Kürze in Angriff genommen. „Wir hoffen, dass die Gerüste noch vor dem nächsten Winter fallen können“, sagt Urbansky. Am liebsten wäre ihm deshalb ein Winter wie der diese oder zumindest einer, der spät eintritt.

Betritt man derzeit den Innenbereich des Hauses, wirkt alles kalt und dunkel. Risse und herausgebrochene Ecken im Putz lassen erkennen: Es wird höchste Zeit, dass hier Hand angelegt wird. Doch ein Gang durch das Gebäude lässt den Betrachter immer wieder staunen. Die hohe Halle mit den Säulen, der große Saal, die Stuckdecken und vor allem auch die Decken- und teilweise zur Farberkennung freigelegten Wandmalereien weisen deutlich darauf hin, dass es sich um das Haus eines einstmals gut Betuchten handeln muss. Michael Lucke hieß der Erbauer und war ein wohlhabender Löbauer Leinwandhändler.

„Unsere Aufgabe ist es nun, Alt und Neu zusammenzubringen, ohne dass es störend wirkt“, sagt Volker Augustin. So werden nach der Fertigstellung, die Augustin vorsichtig für Ende 2016 ankündigt, zwei Aufzüge zum Haus gehören; einer im hinteren Bereich, der vor allem der Bibliothek gewidmet sein wird, einer im vorderen Teil zum Altmarkt hin. Und das Besondere: Der vordere Aufzug wird Stadthaus mit Rathaus verbinden. „Wenn sich also mal ein Rollstuhlfahrer beim Oberbürgermeister sehen lassen will, kann er ihn dann vom Stadthaus aus erreichen“, scherzt Matthias Urbansky. Denn während das Rathaus nicht behindertengerecht ausgestattet ist, wird es das Nebengebäude nach der Sanierung sein. Auch moderne Medien und die dazugehörenden Anschlüsse dürfen da natürlich nicht fehlen.

Etwa 3,1 Millionen Euro wird die Sanierung kosten. Über 80 Prozent davon sind Fördermittel.