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Die Angst des Hausmeisters

Der Hausmeisterjob ist längst kein einfacher. Immer häufiger haben sie Klagen am Hals – erst recht im Winter.

Von Carina Brestrich

Alte raus, Neue rein, fertig: Die kaputte Leuchtstoffröhre im Parkhaus an der Sachsenstraße hat Uwe Flagmeier schnell gewechselt. Der Hausmeister arbeitet bei der Firma „Sicherheit Sockel“, die für die Ordnung im Parkhaus zuständig ist. Bei einem Rundgang hatte er die kaputte Röhre festgestellt.

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Zweimal pro Woche kontrolliert er, ob in dem Objekt alles stimmt. Und da kommt es auch auf das Licht an: Wer etwa haftet, wenn jemand beim Einparken ein anderes Auto schrammt, weil er nicht ausreichend gesehen hat? „Bei den vielen anderen Leuchten, die noch da sind, scheint dieser Fall eher unwahrscheinlich“, sagt Flagmeier. Stattdessen gebe es für einen Hausmeister inzwischen viel größere juristische Fallstricke – gerade im Winter.

Dass der Schnee, rechtlich gesehen, zu den größten Feinden jedes Hausmeisters gehört, wurde am Donnerstagabend im Haus Schminke ganz deutlich. Die Industrie- und Handelskammer veranstaltete dort ihren dritten Hausmeistertag. Der Kamenzer Rechtsanwalt Frank Kunkel klärte über die Rechte und Pflichten beim Winterdienst auf – und traf damit ganz offensichtlich den Nerv der Hausmeister, von denen es etwa 1 200 im Landkreis gibt. Denn nach den Hausmeistertagen 2009 und 2011 kamen mit 30 interessierten Handwerkern und Hausverwaltern so viele wie noch nie, sagt Matthias Schwarzbach von der IHK-Geschäftsstelle in Zittau.

Dass das Thema für so viel Andrang sorgt, liegt vor allem daran, dass die Klagelust zugenommen hat. „Schadensersatzforderungen oder Schmerzensgelder sind in den vergangenen zehn Jahren drastisch gestiegen“, sagt Kunkel, der unter anderem Fachanwalt für Bau- und Architektenrecht ist. Ein Trend, der aus dem angelsächsischen Raum nach Deutschland geschwappt ist und hierzulande auch Hausmeister immer häufiger zur Kasse bittet. Bricht sich etwa jemand den Arm, weil der Fußweg schlecht oder gar nicht geräumt war, so kann eine entsprechende Klage den Hausbesitzer schnell mehrere Tausend Euro kosten. Hat dieser wiederum einen Hausmeister mit dem Schneeräumen und Streuen beauftragt, kann auch der Hausmeister schnell dran sein.

Deshalb sei es wichtig, sich über die Rechtsprechung und Gesetze auf dem Laufenden zu halten. Zumindest so gut es geht, sagt Frank Kunkel. Schließlich kommen in Sachen Winterdienst selbst Experten ins Schwitzen. So ist die Rechtslage nicht immer eindeutig, weiß der Jurist, der selbst auch Hausmeisterfirmen vor Gericht vertritt. Nicht selten werde dort darüber gestritten, zu welchen Zeiten und nach welcher Menge Schnee ein Hausmeister mit der Schneeschaufel anrücken muss. Urteile gibt es selbst darüber, wie viel Streusalz es braucht, um Flächen eisfrei zu halten.

Bernd Sockel, Chef der Firma „Sicherheit Sockel“, kennt solche juristischen Tücken und weiß, welche Verantwortung mit dem Hausmeisterjob verbunden ist. Seit 1997 bietet er über seine Firma auch Hausmeister-Dienstleistungen an. Zwar habe es seither vereinzelte Schadensersatzansprüche gegeben, vor Gericht sind diese allerdings nie gegangen. „Bisher ist glücklicherweise immer meine Versicherung eingesprungen“, erzählt Sockel, der mit seinen Mitarbeitern etwa 60 Objekte betreut.

Einen hundertprozentigen Schutz könne es ohnehin nie geben, sagt Sockels Angestellter, Uwe Flagmeier. „Mit dem Winter beginnt deshalb immer die Zeit des Hoffens, dass nichts passiert“, so der Hausmeister. Und dass die Leute ruhig und vernünftig bleiben. Immerhin müsse er als Hausmeister hin und wieder mal die ein oder andere Anfeindung einstecken: „Bevor die Leute früh aus dem Haus gehen, soll der Gehweg frei sein. Aber die Räummaschine, die darf dabei nicht zu laut sein“, sagt Flagmeier sarkastisch.

Seinen Job mache er trotzdem gern. Ebenso wie Erik Engwicht, der in Eberbach-Neugersdorf einen Hausmeisterbetrieb hat und beim Hausmeistertag sein Wissen auffrischen wollte. Er versucht das Risiko von Klagen zu minimieren, indem er nur für Privatleute arbeitet. „Ich kenne die Leute, für die ich arbeite, persönlich. Da lassen sich die Dinge einfacher klären“, sagt Erik Engwicht.

Völlig sicher vor Gericht sind Grundstücksbesitzer oder Fußgänger übrigens nicht. Wer etwa einen Hausmeister beauftragt, hat eine Überwachungspflicht und muss stichprobenhaft kontrollieren, ob der beauftragte Hausmeister seine Arbeit richtig macht. Andernfalls kann ihm im Klagefall ein Mitverschulden angerechnet werden. Gestürzte Fußgänger wiederum haben kaum Chancen, wenn sie das falsche Schuhwerk anhaben oder beim größten Eisregen unterwegs sind. „Dass Winter ist, dafür kann man den Hausmeister nicht verantwortlich machen“, sagt Rechtsanwalt Kunkel.