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„Die Angst vor der AfD kann ich nicht nachvollziehen“

Rechts sei ein legitimer politischer Standpunkt, sagt der neue Fraktionschef im Stadtrat Gordon Engler.

© Ronald Bonß

Von Andreas Weller

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Wer bei der AfD im Stadtrat Fraktionschef ist, darum gibt es Streit. Für drei der vier Stadträte und auch für die Partei ist es seit Kurzem Gordon Engler. Vorgänger Stefan Vogel akzeptiert das noch nicht. Engler besteht auf den Posten, obwohl dieser eigentlich gar nicht so wichtig sei. „Ich bin der Erste unter Gleichen. Der Vorsitzende gibt ja nicht vor, wie sich die Fraktion verhält.“ Er wolle die Fraktion moderieren und die Interessen der Partei vertreten.

Doch die eigentliche Zeit der rechtskonservativen Partei komme in Dresden erst noch. „Wir sind aktuell nur etwa ein Drittel so stark, wie wir eigentlich könnten.“ Die Stadtratswahl 2019 werde zeigen, wo die AfD tatsächlich steht. Dazu könne die Stadtratsarbeit aber nur wenig beitragen. „Was wir kommunalpolitisch machen, wird zur Kenntnis genommen. Es sind eher die bundespolitischen Themen, mit denen die AfD Wähler anspricht – vor allem die Sicherheit im Land.“

Generell sieht der 32-Jährige Übereinstimmungen mit etablierten Parteien. Bei Straßenbauprojekten sei die AfD im Stadtrat „in der Regel einer Meinung“ mit CDU und FDP. „Bei der Bildung gibt es Übereinstimmung mit Linken, Grünen und SPD“, sagt der angehende Lehrer.

Dass die AfD auch ein Sammelbecken für Rechtsextreme ist, lässt Engler nicht gelten. „Rechts ist ein Kampfbegriff, dabei ist es ein legitimer politischer Standpunkt – genau wie links.“ Es sei in Ordnung, „stolzer Deutscher“ zu sein – ohne das zu „überhöhen“. „Wir wissen, was 1933 bis 1945 schiefgelaufen ist.“ Aber die AfD sei nicht die NPD. „Die Angst vor der AfD kann ich nicht nachvollziehen.“ Gordon Engler erzählt, dass er in einer schlagenden Verbindung ist und ein „Konservativer“ – aber nicht rechtsradikal.

Im Nachgang der Kunstaktionen mit den Hochkant-Bussen und dem „Denkmal für den permanenten Neuanfang“ auf dem Neumarkt hatte er mehr Einfluss der Politik auf solche Entscheidungen gefordert. Kritiker nannten das Kunst-Zensur. „Der Vorwurf ist nicht gerechtfertigt. Aber so etwas kostet viel Geld. Muss das an dem Standort sein? Da sollte auch die Politik mitentscheiden.“ In der Fraktion wird Engler nichts verändern. Auch mit Vogel will er „professionell zusammenarbeiten“. Denn steigt einer der Räte aus, wäre der Status als Fraktion weg, und damit viel Geld.