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Angst vorm Baumsterben in Dresdner Heide

300.000 junge Bäumchen wurden seit Dezember gepflanzt. Jetzt kann nur noch ein verregneter, kalter Sommer helfen.

In der neu gepflanzten Schonung an der Alten Acht zeigt Forstdirektor Heiko Müller Hainbuche und Eiche.
In der neu gepflanzten Schonung an der Alten Acht zeigt Forstdirektor Heiko Müller Hainbuche und Eiche. © René Meinig

Dresden. Die kahle Fläche am Heideweg Alte Acht sieht auf den ersten Blick chaotisch aus. Die Erde ist aufgebrochen, Wurzelstubben ragen in die Luft. Nur wer genau hinsieht, erkennt die  geraden Fräs-Streifen, die sich über den Bereich ziehen. In ihnen stehen kleine Setzlinge, maximal 30 Zentimeter hoch. Heiko Müller kniet vor den Bäumchen, von denen die Hainbuchen als erste kleine Blättchen austreiben. "Die brauchen jetzt dringend langen, gleichmäßigen Landregen. Sonst haben sie kaum eine Chance groß zu werden", sagt der Forstdirektor, der bei Sachsenforst für die Dresdner Heide zuständig ist.  

Sein Kollege Thomas Stelzig erzählt, dass an diesem Fleck noch vor einem Jahr hohe Fichten standen. Zwei Hitzesommer und der Borkenkäfer haben sie absterben lassen. "Eigentlich ist dies der feuchteste Bereich in meinem Bühlauer Revier", sagt der Förster. Doch in den Gräben, die vor über 100 Jahren hier gezogen wurden, um den Bereich trockenzulegen, findet sich kein Wasser mehr.

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Die wenigen Regenmengen, die in den letzten drei Tagen gefallen sind, kommen nicht mal auf dem Waldboden an, sagt Heiko Müller. Doch gerade jetzt wären sie dringend nötig, weil die Bäume durch den Blattaustrieb bei warmen Temperaturen viel Wasser verdunsten.

Die Stecklinge auf der Kahlfläche sind jetzt zwar erstmal gut versorgt, doch der ständige Wind trockne sie auf der ungeschützten Fläche doppelt aus, genau wie die direkte Sonneneinstrahlung, so Müller.  An einer kleinen Weißtanne könne man bereits erkennen, wie schwer es die Jungpflanzen haben. Ihre Nadeln sind an den Zweigspitzen gelb, der Maiwuchs eingetrocknet. "Die geht ein", sagt Müller. 

Eine bedrückende Situation für ihn und alle seine Mitarbeiter. "Wir investieren viel Arbeit in die Aufforstung, 300.000 junge Bäume sind seit Dezember in die Erde gekommen. Aber den Auswirkungen des Klimawandels haben wir nichts entgegenzusetzen."    

Wildschweine lieben junge Eichenwurzeln

Bühlaus Revierförster Stelzig hat ein weiteres Problem. Wildschweine ziehen die Eichensteckling heraus und kauen auf den Wurzeln herum. "Die enthalten etwas, was denen sehr schmeckt. Den Rest der Pflanze verschmähen sie", sagt Stelzig. Inzwischen ist ein Zaun um die Schonung gezogen, doch so schnell war der nicht lieferbar. Von den  Flatterbändern haben sich die schlauen Tiere in den ersten zwei Wochen nach der Pflanzung nicht abhalten lassen.

Wildschweine stehen offenbar auf die Wurzeln frisch gepflanzter Eichensetzlinge und fressen sie ab.
Wildschweine stehen offenbar auf die Wurzeln frisch gepflanzter Eichensetzlinge und fressen sie ab. © René Meinig

In der Forstbaumschule, mitten in der Heide gelegen, sind die Folgen der zwei Hitzesommer noch klarer erkennbar. Weihnachtsbäume wachsen hier heran. Oder besser: sollen wachsen. Doch die Setzlinge der vergangenen beiden Jahre sind komplett vertrocknet. "Wir mussten geschlagenes Holz aus unserem Brunnen beregnen, damit der Borkenkäfer nicht sofort darüber herfällt. Das Wasser hat für die Jungpflanzen gefehlt", sagt Stelzig.

Wer jetzt durch die Reihen von den etwas älteren Bäumen wie Kiefern, Serbische Fichte und Nordmanntannen läuft, findet immer wieder vertrocknete Exemplare, von denen sämtliche Nadeln abgefallen sind. "In vier, fünf Jahren können wir wahrscheinlich kaum noch eigene Weihnachtsbäume anbieten", sagt Stelzig verbittert.

Immer mehr abgestorbene Exemplare finden sich zwischen den Weihnachtsbäumen in der Bühlauer Forstbaumschule.
Immer mehr abgestorbene Exemplare finden sich zwischen den Weihnachtsbäumen in der Bühlauer Forstbaumschule. © René Meinig

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Beide Förster wünschen sich nichts sehnlicher als einen nassen, kalten Sommer. Einen, der das Wasserdefizit in der Tiefe wieder auffüllt. Schon jetzt hat der Brunnen in der Forstbaumschule nur noch so viel Wasser wie im letzten Herbst. "Die Heide wie wir sie kennen, wird es wohl bald nicht mehr geben", sagt Müller.

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