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Die Angst vorm Lächeln in der Gaskammer

Gedenken. Warum der Landtag Probleme mit einer Auschwitz-Reise hat.

Dresden. Seit die NPD in Sachsens Landtag sitzt, ist weniger besser und manches komplizierter geworden. Das musste Parlamentspräsident Erich Iltgen (CDU) nun erneut erfahren. Er hatte in seiner Neujahrsansprache angeregt, dass am offiziellen Gedenktag der Befreiung von Auschwitz, am 27. Januar, Abgeordnete aller Fraktionen dorthin fahren, um „an diesem historischen Ort der deutschen Täterschaft und Verantwortung der Millionen Opfer nationalsozialistischer Gewaltherrschaft zu gedenken“.

Eine gute und lobenswerte Idee, die gleichwohl nicht ganz zu Ende gedacht war. Nach Auschwitz – mit Abgeordneten der NPD? Immerhin hatte die Partei am 27. Januar 2005 im Landtag die Schweigeminute für die NS-Opfer verweigert und mit dem Wort vom „Bomben-Holocaust“ und der erwarteten lauten Entrüstung darüber wie beabsichtigt einen bundesweiten Provokationserfolg gelandet. Musste man da nicht für die Auschwitzreise Ähnliches befürchten? Etwa ein provokantes Lächeln, ein verächtliches Abwinken von rechtsextremen Abgeordneten aus Deutschland in der Gaskammer – oder Provokanteres? Zu einer Zeit, in der die deutsch-polnischen Beziehungen wegen teilweise unterschiedlicher Auffassungen über den Umgang mit der NS-Vergangenheit ohnehin belastet genug sind? Diese Aussichten waren vielen sächsischen Parlamentariern dann doch zu heikel. Die Gedenk-Reise nach Auschwitz drohte vor dem Start zu scheitern.

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Gestern stornierte die NPD aber alle Reisepläne. Man werde sich „nicht an einseitigen Sühnebekenntnissen beteiligen – weder in Auschwitz noch anderswo“, tönte Fraktionschef Holger Apfel. Auschwitz bleibt somit die NPD erspart und allen blauäugigen Demokraten ein hässlicher Eklat. (SZ/or/gs)