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„Die Aue gehört dem Fluss“

Naturschützer kritisieren den Hochwasserschutz an der Elbe als zu teuer und ineffizient. Sie fordern nicht nur ein Umdenken.

Von Stefan Lehmann

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Ein eisiger Wind pfeift über die Elbwiese, als Tobias Mehnert am Ufer entlanggeht. Vor einer Fläche mit hohem Gras bleibt der Landesvorsitzende der Grünen Liga Sachsen stehen und blickt über die weite Flur auf den Deich, der Schänitz vor den Fluten schützen soll. „Was spricht dagegen, den Deich noch einmal 30 Meter zurückzusetzen?“, fragt Mehnert.

Die Grüne Liga macht sich für ein Umdenken in Sachen Hochwasserschutz stark. Derzeit würde enormer baulicher Aufwand betrieben, um die Orte entlang der Elbe flutsicher zu machen, sagt Tobias Mehnert und meint damit beispielsweise auch die Flutmauer in Nünchritz. „Dabei wäre ein naturnaher Hochwasserschutz deutlich effizienter: Der kostet nichts.“

Die Naturschützer würden die Uferzonen und Flussauen am liebsten sich selbst überlassen. Ein krasser Gegensatz zu Plänen und Forderungen der vom Hochwasser betroffenen Anwohner und Gemeinden. Die Bürgerinitiative in Nünchritz etwa setzt sich dafür ein, dass die Elbwiesen besser gepflegt werden und nicht verwildern. Das Argument: Starker Bewuchs bremst die Strömungsgeschwindigkeit, Wasser staut sich an, der lokale Pegel steigt. „Die physikalischen Berechnungen der Bürgerinitiative, etwa zur Rauheit, die stimmen schon“, sagt Tobias Mehnert. Trotzdem halte er die Schlussfolgerungen für zu kurz gedacht. Ja, das Wasser würde schneller an Nünchritz, Hirschstein und Röderau vorbeifließen. „Aber das verschärft die Gefahr für die Unterlieger.“ Das Problem werde also nur verlagert. „Die Flussanlieger bilden eine Solidargemeinschaft“, betont der Naturschützer, „der Oberlieger muss für den Unterlieger sorgen. Wir verstehen die Menschen, aber das ist der falsche Ansatz.“

Die Schlussfolgerung daraus ist klar: Die Elbe braucht mehr Ausdehnungsflächen. „Die Aue gehört eigentlich dem Fluss“, sagt Tobias Mehnert. Ziel müsse es deshalb sein, alte Quellgebiete wiederherzustellen, Drainagen zur Feldentwässerung zurückzubauen, die Auen zu renaturieren und in bestimmten Bereichen neue Auwälder anzupflanzen. Entlang der Elbe geht die Grüne Liga solche Projekte bereits an: Kleine Fläche werden aufgekauft und renaturiert. „Wir sind natürlich immer daran interessiert, Land aufzukaufen“, sagt Mehnert. Wegen laufender Pachtverträge gestalte sich das aber meist sehr schwierig. Naturbelassene Auwälder hätten übrigens noch eine andere Funktion, sagt er: Sie würden wie ein Kamm das Treibgut aufsammeln, das sonst an Brückenpfeilern oder in den Ortschaften hängenbliebe.

Nicht nur aus den Hochwasser-Initiativen weht den Naturschützern ein kalter Wind entgegen. Denn die potenziellen Überflutungsflächen werden oftmals landwirtschaftlich genutzt. „Wir müssen uns überlegen, was höherwertiger ist: Wohnhaus oder Ackerland“, sagt Tobias Mehnert. Die Agrarförderprogramme müssten angepasst, der sogenannte „Nutzungsdruck“ müsse geringer werden. Unter Druck setzen wolle er aber niemanden, beteuert Mehnert. „Wir wollen die Eigentümer der Flächen ins Boot holen. Aber wir wollen niemanden gängeln oder belehren.“

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