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Die Auferstehung eines Jagdschlösschens

Die Tuppelburg im tschechischen Mstišov wurde Brandopfer und soll nun schöner werden als zuvor. Bis dahin dauert es aber noch.

Von Steffen Neumann
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Jirí Novák betreibt das Jagdschlösschen Dvojhradí (Tuppelburg) in Mstišov (Tischau) in dritter Generation. Nach einem Brand kämpft er für dessen Wiederaufbau.
Jirí Novák betreibt das Jagdschlösschen Dvojhradí (Tuppelburg) in Mstišov (Tischau) in dritter Generation. Nach einem Brand kämpft er für dessen Wiederaufbau. © Egbert Kamprath

An die Nacht des Feuers Ende September 2018 kann sich Jiří Novák noch erinnern, als wäre es heute. „Wir wohnen gleich gegenüber im ehemaligen Forsthaus. Meine Mutter bemerkte es als erste, aber da war es schon zu spät.“ Als die Feuerwehr anrückte, war der kleine Jagdpavillon bereits niedergebrannt. „Der Großteil war aus Holz, das ging alles sehr schnell“, erzählt Novák.

Bis dahin hatte seine Familie in dem Pavillon in Mstišov (Tischau), einem Ortsteil von Dubí (Eichwald), ein Restaurant betrieben. Gemeinsam mit dem Wildgehege war es ein beliebter Ausflugsort nicht nur für die Einheimischen. Immerhin rund 50.000 Gäste im Jahr zählte der Pavillon. Doch von einem Moment auf den anderen war es damit vorbei. „Bis auf unsere Jagdtrophäen blieb uns nichts. Und auch die sind geschwärzt und können nicht mehr ausgestellt werden“, zieht Novák eine traurige Bilanz, die noch heute zu sehen ist. Die Brandursache ist bis heute ungeklärt. Die Polizei hat die Ermittlungen ohne Erfolg abgeschlossen. „Er kann durch Brandstiftung entstanden sein, kann. Aber wir wissen es nicht“, sagt Novák.

Seit über 70 Jahren für die Gäste da

Doch ans Aufgeben dachte die Familie keinen Moment. „Das ist doch unser Leben. Mein Großvater war seit 1948 hier. Dann betrieb meine Mutter die Gaststätte, erst in Pacht beim Staatsforst. 1995 kauften wir den Pavillon ab“, sagt Novák.

Damit begaben sie sich in direkte Linie zur Adelsfamilie Clary Aldringen, die in Teplice (Teplitz) residierte. Franz von Clary Aldringen ließ das kleine Jagdschlösschen mit dem deutschen Namen Tuppelburg und mit achteckigem Grundriss Mitte des 18. Jahrhunderts bauen. Die Familie nutzte es für die Jagd im schon länger bestehenden benachbarten Revier. Ende des 18. Jahrhunderts bekam das Obergeschoss sein späteres Aussehen mit Säulen, Umgang und einer Außentreppe, die zum Obergeschoss führte.

Der Wildpark mit Damhirschen, Rothirschen, Wildschweinen und Rehen ist trotz des Unglücks geöffnet.
Der Wildpark mit Damhirschen, Rothirschen, Wildschweinen und Rehen ist trotz des Unglücks geöffnet. © Egbert Kamprath

Heute kann man das alles nur erahnen. Trotzdem versprüht Jiří Novák Optimismus. „Die Zeit des Papierkriegs ist vorbei. Wir haben die Baugenehmigung und mit den Denkmalschützern ist auch alles geklärt“, freut sich Novák, dass seit einigen Wochen an dem Pavillon gebaut wird. Gerade mauern Arbeiter die neue Küche, ein Anbau, der als einziger komplett erneuert wird. Für den Hauptbau werden die bestehenden Umfassungsmauern verwendet. Obenauf ist schon der neue Dachstuhl zu sehen und daneben steht die Dachhaube.

„In zwei Wochen wird der Dachstuhl angehoben und durch die Säulen gestützt. Dann wird die Dachhaube aufgesetzt“, skizziert Novák die weiteren Arbeiten. Bis Ende März werden in das Obergeschoss Holzwände und Fenster eingesetzt. Dann ist das Dach dicht und die Arbeiten im Innern können beginnen.

Rückkehr zum Originalzustand

So richtig fertig wird das Jagdschlösschen aber erst im nächsten Jahr. Dann wird der Pavillon anders aussehen, als vor dem Brand. Die Familie Novák versetzt das denkmalgeschützte Gebäude in seinen Zustand zurück, wie er am Eingang zum Jagdreviergelände auf einem Bild zu sehen ist. „Das sind gerade die Auflagen des Denkmalschutzamtes. Die barocken Elemente über den Türen und an den Ecken werden wiederhergestellt. Außerdem verwenden wir nur natürliche Materialien und nutzen alte Technologien. Isoliert wird das Gebäude nur mit Lehm und Stroh, und wir verwenden Spezialputz“, erzählt Novák.

So wie auf der historischen Ansicht soll der Pavillon im nächsten Jahr wieder aussehen.
So wie auf der historischen Ansicht soll der Pavillon im nächsten Jahr wieder aussehen. © Egbert Kamprath

Das wird den ganzen Wiederaufbau aber auch deutlich verteuern. Dafür sorgt vor allem das 3.200 Quadratmeter große Holzschindeldach, das so nur von zwei Firmen hergestellt werden kann, einer in Schweden und einer in Mähren. Welche die Schindeln liefert, steht noch nicht fest.

Die Familie rechnet mit Kosten in Höhe von einer Viertel Million Euro ohne Mehrwertsteuer. Einen Teil zahlt die Versicherung. Das wird aber nicht reichen. „Alles, was von Einrichtung und Ausstattung älter als vier Jahre war, hat für die Versicherung keinen Wert. Das heißt, wir müssen jedes Glas, jede Gabel neu kaufen“, sagt Novák. Für die Arbeiten in diesem Jahr sei erst einmal genug Geld vorhanden. Und weitere Gelder wurden beim Kulturministerium und beim Bezirk Ústí beantragt. Ferner kamen aus einer Spendensammlung bereits 100.000 Kronen zusammen, umgerechnet rund 4.000 Euro. Novák: „Wir müssen abwarten, welche Fördermittel wir am Ende bekommen. Danach entscheiden wir, ob wir noch einen Kredit aufnehmen.“

Er ist optimistisch, dass der Restaurantbetrieb im Frühling nächsten Jahres wieder startet. Novák hofft, dass die Gäste dann alle wiederkommen. Zumindest der Wildpark ist weiterhin geöffnet. Vielleicht sind dann auch wieder mehr deutsche Gäste dabei, deren Zahl in den letzten Jahren abgenommen hatte.

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