merken
PLUS

Die Augustusbrücke wird entschleunigt

Dresdens traditionsreichste Brücke soll saniert werden. Die Stadt zeigt sich entschlossen, ein altes Konzept umzusetzen.

Von Peter Hilbert

Für Dresdens geschichtsträchtigste Elbquerung gibt es Hoffnung. Eine Sanierung der Augustusbrücke ist aufgrund der starken Schäden zwar seit Jahren dringend nötig. Schließlich ist der heutige, 390 Meter lange Bau 1910 errichtet und seitdem noch nie grundhaft instand gesetzt worden. Deshalb mussten schon 2008 Aussichtsplattformen gesperrt werden. Doch bisher fehlte der Stadt das Geld. Nach der Juniflut 2013 erhielt sie die Mitteilung vom Land, dass Fluthilfemittel kommen. Somit kann die Brücke saniert werden. Doch das wird einen herben Einschnitt für Kraftfahrer mit sich bringen, kündigte Straßenbauamtschef Reinhard Koettnitz am Mittwoch im Altstädter Ortsbeirat an. Dort erläuterte er die Instandsetzungspläne.

Anzeige
Nun doch mildere Strafen für Temposünder
Nun doch mildere Strafen für Temposünder

Der neue Bußgeldkatalog hat es in sich. Doch ist das verhängte Bußgeld oder Fahrverbot rechtskräftig? Ein Formfehler im Gesetz sorgt für Beratungsbedarf.

Mit dezentem LED-Licht soll die Augustusbrücke angestrahlt werden. Damit setzt die Stadt einen weiteren Teil des Lichtkonzeptes für die Innenstadt um.Ansicht: Stadtverwaltung
Mit dezentem LED-Licht soll die Augustusbrücke angestrahlt werden. Damit setzt die Stadt einen weiteren Teil des Lichtkonzeptes für die Innenstadt um.Ansicht: Stadtverwaltung

Die Sperrung: Nur Bahnen, Radler und Rettungsfahrzeuge dürfen über Brücke

Nach dem Baubeginn soll die Augustusbrücke für Autos tabu sein. Der frühestmögliche Zeitpunkt dafür ist Ende 2016. Die Arbeiten sollen zwei Jahre dauern. Während der Instandsetzung soll die Brücke sowohl für Straßenbahnen als auch für Autos gesperrt werden. „Bei rund 6 000 Fahrzeugen täglich ist das möglich“, sagte der Straßenbauamtschef. Mit der benachbarten Marien- und der Carolabrücke würde es gute Umleitungen geben. Fußgänger dürften auch während der Bauzeit über die Brücke.

Sie soll aber auch nach der Sanierung für Autos, außer für Einsatzfahrzeuge der Feuerwehr, Rettungsdienste und Polizei, gesperrt bleiben, stellte Koettnitz klar. Straßenbahnen werden auch künftig über diese Altstädter Elbquerung fahren. Er verweist dabei auf einen Stadtratsbeschluss von 2007 zur verkehrsberuhigten Innenstadt, der bereits teilweise umgesetzt ist. Als Beispiel führte Koettnitz das Tempolimit von 20 Kilometer pro Stunde auf der Wilsdruffer Straße an. Die Waldschlößchenbrücke ist jetzt fertig. Mitte 2016 soll auch die Albertbrücke saniert und verbreitert sein. Damit sieht er die Voraussetzungen dafür geschaffen, die Augustusbrücke für den Kfz-Verkehr sperren zu können. Viele Ortsbeiräte begrüßten den Plan, vor allem auch Altstädter FDP-Ortschef Torsten Hilbrich. „Wir sind uns einig, dass die Brücke künftig nur noch von Fußgängern, Radfahrern und dem öffentlichen Nahverkehr genutzt werden soll“, sagte er zufrieden.

Die Schäden: Risse in Brückenbögen müssen überwacht werden

Das Juni-Hochwasser 2013 hatte weitere drastische Schäden an der Augustusbrücke verursacht. Als Beispiel dafür nannte Koettnitz die Gelenke zwischen Pfeilern und Bögen, die sogenannten Kämpfer aus Stahlbeton. „Festgestellt wurden auch starke Schäden an den Pfeilern und Risse in den Bögen“, führte er weitere kritische Stellen an. Es sind bereits Messmarken in Rissen eingesetzt worden, um weitere Veränderungen sofort feststellen zu können.

Zudem ist der Brückenbogen über dem Terrassenufer so desolat, dass er bei der Instandsetzung komplett erneuert werden muss. Vor der Rekonstruktion soll aber nichts Größeres mehr unternommen werden, erklärte Koettnitz auf Nachfrage. „Die Brücke hält“, versicherte er. Es könne zwar sein, dass weitere Sandsteinbrüstungen an den Kanzeln locker werden. Dann müssten sie gesperrt werden.

Die Finanzen: Die Stadt muss selbst noch drei Millionen aufbringen

Die Stadt muss insgesamt 24,5 Millionen Euro für die Sanierung aufbringen. Zugesagt sind Fördermittel von knapp 18 Millionen Euro. Ein Teil davon ist für die Instandsetzung der benachbarten Stützmauern, Treppen und des Altstädter Pegelhäuschens vorgesehen. Außerdem würden Zuschüsse für kommunalen Straßenbau von 3,6 Millionen Euro zur Verfügung stehen. Somit müsste die Stadt selbst nur knapp drei Millionen Euro zahlen. Allerdings sind die noch nicht eingeplant. „Wenn wir das finanziell im nächsten Haushalt nicht hinbekommen sollten, haben wir ein großes Problem“, sagte Koettnitz.

Die Dresdner Verkehrsbetriebe müssten für den Gleisbau weitere drei Millionen Euro zahlen, Versorgungsunternehmen etwa 400 000 Euro für die Verlegung neuer leitungen.

Bis Oktober dieses Jahres soll die Planung fertiggestellt sein. Vorgesehen ist, Ende 2014 den Antrag fürs Genehmigungsverfahren einzureichen. Bis Mitte 2015 müssen die Fördermittelanträge gestellt sein, nannte er die weiteren Schritte.

Der Bauplan: Radfahrer sollen

über glatteres Pflaster rollen

An der Brückenbreite soll bei der Instandsetzung nichts verändert werden. Geplant ist wie bisher eine elf Meter breite Fahrbahn. Allerdings soll der Abstand der neuen Gleise auf drei Meter vergrößert werden. Damit wird es möglich, künftig größere Stadtbahnwagen auf dieser Strecke einzusetzen. Beiderseits der Gleise sind jeweils 2,25 Meter breite Radstreifen geplant. Dort soll glatteres Pflaster eingebaut werden, wie beispielsweise am Postplatz. Für den Gleisbereich soll allerdings wieder das alte Granit-Großpflaster genutzt werden. Die Fußwege werden nach dem Vorbild der jetzigen gebaut.

Die Beleuchtung: LED-Strahler wie am

Blauen Wunder erhellen die Bögen

Doppelarmleuchten, die wie 1910 angeordnet werden, sollen die Brücke beleuchten. Allerdings mit moderner LED-Technik. Verkleidet wird die mit klaren Glaskugeln. Der Denkmalschutz habe zwar Opalglas gefordert. Aber nur mit den klaren Glaskugeln kann das Licht gezielt auf Straße und Fußweg gelenkt werden, sodass es nicht in Richtung Elbe strahlt. Außerdem sollen die Pfeiler und Bögen der Brücke – ähnlich wie beim Blauen Wunder – mit dezenten LED-Strahlern von außen beleuchtet werden. Damit werde das Lichtkonzept der Innenstadt weiter umgesetzt.Kommentar