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Meißen

„Die Auswirkungen sind drastisch“

Meißner Gastronomen kämpfen gegen die Insolvenz an. So bereiten sie sich vor.

Karsten Schulze, Wirt der Kleinmarktschänke, macht sich Sorgen. Nicht nur Umsatzeinbußen beschäftigen ihn.
Karsten Schulze, Wirt der Kleinmarktschänke, macht sich Sorgen. Nicht nur Umsatzeinbußen beschäftigen ihn. ©  Claudia Hübschmann

Meißen. Die Gaststättenbetreiber sind besorgt. Denn die Coronakrise hinterlässt schon jetzt einen spürbaren Schaden. „All unsere Reservierungen wurden kurzfristig abgesagt, aber bereits seit vergangener Woche. Wir hatten alles vorbereitet. Die Auswirkungen sind für uns drastisch“, sagt Karsten Schulze, Wirt in der Meißner Kleinmarktschänke. Die Gaststätte ist nicht die einzige, die um ihre Existenz bangen muss.

Wie viele in Meißen ist die Kleinmarktschänke auf Touristen angewiesen. „Die fallen jetzt natürlich aus, da keiner mehr reisen darf“, so Karsten Schulze. Zudem ist seit Mittwoch der Mittagstisch schlecht besucht. „Sonst kommen etwa 25 Gäste, heute waren es nur vier.“ Das ist ein Rückgang von knapp 80 Prozent. Für den Wirt ändert sich nun der Betrieb. Ab sofort führt er das Restaurant allein mit seiner Frau. Einen zusätzlichen Mitarbeiter können sie nicht mehr beschäftigen. Für die beiden wird es früher oder später dazukommen, dass sie Kurzarbeitergeld beantragen müssen.

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Das rät auch Axel Klein, Geschäftsführer des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) in Sachsen. „Jeder Gastronom und Hotelbetreiber sollte das in Anspruch nehmen. Das ist ein wichtiges Werkzeug, um für die Betriebe Kosten zu senken.“ Rückwirkend zum 1. März kann die Unterstützung beantragt werden, und zwar bei der Arbeitsagentur.

Der Dehoga-Chef erklärt, dass die Gaststätten und Hotels besonders betroffen sind. „In dieser Branche gibt es keine finanziellen Reserven. Sie ist deshalb auf massive Unterstützung angewiesen, sonst gehen die Betriebe bald insolvent. Deswegen braucht es einen Hilfsfonds. Die Gaststätten können keinen Gewinn nachträglich erwirtschaften, da sie auf das laufende Geschäft angewiesen sind.“ Jeden Tag erhält Axel Klein Anrufe seiner Mitglieder. Sie melden ihm Umsatzeinbußen. Deshalb fordert er als Verbandschef, dass die Politik nun eindeutige Entscheidungen trifft.

Neue Öffnungszeiten stoßen auf Unverständnis

Das wünscht sich auch Gottfried Herrlich, Wirt des Restaurants Vincenz Richter. „Die veränderten Öffnungszeiten bis 18 Uhr bringen gar nichts. So lässt sich die Pandemie nicht eindämmen. Jeder muss nun vielmehr Disziplin wahren und Verständnis für den anderen aufbringen“ Das Restaurant wird dabei so lange geöffnet haben, wie es geht. In der Fuchshöhl in Meißen ist es ähnlich.

Das indische Restaurant Punjabi Haveli des Ehepaars Maria und Nishan Singh Multani kann noch auf seine Stammgäste vertrauen. „Viele kommen zwar täglich zu uns, trotzdem sind es spürbar weniger“, so Maria Multani. Zudem sind alle Zimmerreservierungen in der Fuchshöhl storniert. Maria Multani kann den wirtschaftlichen Verlust nicht beziffern. Sie hofft darauf, dass das Virus bald vorüberzieht.

Das erklärt Karsten Schulze ebenso auf Nachfrage. Er verstehe nicht, warum er nur bis 18 Uhr öffnen darf. „Als ob das Virus am Abend aggressiver ist. Außerdem machen wir am Abend den größten Umsatz.“ Die Regelung sei geschäftsschädigend. Karsten Schulze plädiert deshalb dafür, dass die Restaurants entweder konsequent geschlossen oder geöffnet werden. Auch Maria Multani empfinde die neuen Öffnungszeiten als willkürlich. „Ich bin aber froh, dass wir überhaupt noch öffnen dürfen. Sicherlich wird dies in nächster Zeit nachgeregelt.“

So reagieren die Gastwirte auf die Krise

Alle drei Restaurants versuchen, die Krise möglichst unbeschadet zu überstehen. Zum Beispiel werden die Mitarbeiter Gottfried Herrlichs anderweitig im Haus eingesetzt. Denn das unter Denkmal stehende, ehemalige Zunfthaus müsse erhalten und gereinigt werden. „Es gibt uns Hoffnung, dass wir unsere Mitarbeiter erst mal so beschäftigen können.“ Allerdings wird das Restaurant wohl bald auf das Kurzarbeitergeld zurückgreifen müssen.

Nicht jeder kann aber wie Gottfried Herrlich seinen Mitarbeitern andere Aufgaben zuweisen. Maria Multani bietet zum Beispiel einen Abholservice. Mit einer Rabattaktion versucht sie so einen Umsatzeinbruch auszugleichen. Alle Gastwirte hoffen aber darauf, dass Ihnen die Stammgäste erhalten bleiben. Genauso die Fleischerei Richter im Löwengässchen, die noch täglich ihren Mittagstisch anbietet. Auch hier sind die Gäste weniger geworden. Ob die Inhaberin Anita Richter das Angebot aufrechterhalten kann, ist unklar, sagt sie am Telefon.

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Trotzdem bleibt die Situation für die Meißner Gastwirte angespannt. Gottfried Herrlich von Vincenz Richter fasst es zusammen: „Die aktuelle Lage ist äußerst bedauerlich für uns Meißner und die Gastwirte generell. Wir müssen nun zusammenstehen und Abstand halten, um uns nicht zu infizieren. Denn wir haben alle eine Verantwortung. Wenn wir das tun, überstehen wir die Krise.“

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