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Die B 169 ist nicht Feralpis einzige Sorge

Beim Besuch von Sachsens FDP-Vorsitzendem Holger Zastrow legt der Stahlwerks-Chef eine Art Wunschliste vor – und findet deutliche Worte.

Torsten Herbst (l.) und Holger Zastrow (r., beide FDP) haben am Mittwoch Feralpi in Riesa besucht. Werkleiter Frank Jürgen Schaefer führte zum Abschluss übers Gelände.
Torsten Herbst (l.) und Holger Zastrow (r., beide FDP) haben am Mittwoch Feralpi in Riesa besucht. Werkleiter Frank Jürgen Schaefer führte zum Abschluss übers Gelände. © Klaus-Dieter Brühl

Riesa. Schaut man auf den Markt, dann hat der Riesaer Stahlwerkleiter allen Grund zur Freude. Es wird fleißig gebaut, sowohl von Privatleuten als auch von Firmen und vom Staat. Damit steigt direkt auch die Nachfrage nach Stahlbewehrungen, wie sie in Riesa produziert werden – sehr zur Freude von Frank Jürgen Schaefer.

Trotz dieser positiven Meldung hat der Leiter der Feralpi-Werke in Riesa einige Wünsche und Sorgen, die er seinen beiden Besuchern am Mittwochmittag auf den Weg gibt. Im Vorfeld der Landtagswahl besuchen FDP-Spitzenkandidat Holger Zastrow und sein Parteikollege Torsten Herbst an diesem Tag das Stahlwerk. 

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Herbst hatte als Obmann seiner Partei im Verkehrsausschuss des Bundestags schon des Öfteren mit der Region zu tun – wegen des zähen B-169-Ausbaus, der viele Unternehmen in der Region bewegt. „Es wird ja immer gefragt: Warum verlegen Sie nicht mehr Verkehr auf die Schiene“, sagt Schaefer und lächelt wissend. 

Der Grund sei dabei ganz einfach: Kaum ein Feralpi-Kunde habe überhaupt einen eigenen Gleisanschluss. Dazu komme noch, dass das Zusammenstellen eines Zuges ebenfalls Zeit koste. Alles eine logistische Herausforderung. Zum jetzigen Zeitpunkt jedenfalls könne man froh sein, wenn man den Zuwachs auf die Schiene bringe, sagt auch Torsten Herbst. Deshalb, folgern die beiden Gäste aus Dresden, bräuchte es eigentlich einen Ausbau des Straßennetzes.

Aber die B 169 ist an diesem Tag nicht die einzige Sorge, über die der Stahlwerks-Chef spricht. Auch von einer besseren Schiffbarkeit der Elbe würde das Stahlwerk profitieren, sagt Schaefer – wenngleich Fluss und Hafen relativ weit entfernt sind. Einige Abnehmer wären trotzdem günstiger zu beliefern, wenn die Wasserverbindung denn durchgängig vorhanden wäre. 

Holger Zastrow wird an dieser Stelle deutlich. Er finde die derzeitigen Debatten um Staustufen an der Elbe verlogen. Die gehörten seiner Ansicht nach auch für den deutschen Teil der Elbe auf die Agenda, eben weil die Unternehmen teilweise darauf angewiesen sind – nicht nur die sächsischen.

Vielleicht noch mehr als die Transportwege beschäftigen den Riesaer Werkleiter aber die Fragen im Zusammenhang mit der Klimagesetzgebung. Die dürfe nicht zum Wettbewerbsnachteil für die deutsche Stahlindustrie werden, fordert Schaefer.

 Wäre das Stahlwerk als Großverbraucher beispielsweise nicht von der Umlage für den Ausbau erneuerbarer Energien befreit, könnte man sich den Betrieb in Riesa gar nicht leisten. „Die Strompreise sind in den vergangenen Jahren zwar gesunken, aber die eigentlichen Kosten gestiegen.“ 

Bei einem Jahresverbrauch von 500 000 Megawattstunden wäre ein wirtschaftlicher Betrieb des Stahlwerkes undenkbar, wenn diese Befreiung von der EEG-Umlage wegfiele. Dafür sei die Wertschöpfung im Stahlwerk zu gering. Was die CO2-Emissionen anbelangt, müsse man übrigens keine weiteren als die zugeteilten Zertifikate zukaufen, versichert er.

Während das Fragen für die Politik sind, hat sich Feralpi einem anderen Problem bereits gestellt. „Die Einzelschrottteile werden immer filigraner“, erklärt Frank Jürgen Schaefer. Das bedeute neue Herausforderungen bei der Aufbereitung. „Da sind wir mittlerweile schon dabei, zu investieren.“ Etwa 35 Millionen Euro seien dafür bereits bewilligt worden.

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