merken
PLUS Freital

Die B 170 wird Sachsens modernste Straße

Ab 2022 liegt an der Bundesstraße in Bannewitz intelligente Verkehrstechnik an – für Testfahrten fast ohne Fahrer.

Hier geht es in Zukunft nicht nur vierspurig durch Bannewitz, sondern auch mit modernster Technik entlang der B 170.
Hier geht es in Zukunft nicht nur vierspurig durch Bannewitz, sondern auch mit modernster Technik entlang der B 170. © Karl-Ludwig Oberthür

An der B 170 in Bannewitz wird gebaut. Seit diesem Jahr geht es an den vierspurigen Ausbau der Bundesstraße vom A 17-Anschluss in Dresden-Südvorstadt bis zur Bannewitzer Ortsmitte im Auftrag des Landesamtes für Straßenbau und Verkehr (Lasuv). Mehr noch: Die Trasse wird auch mit neuester Technik ausgestattet.

Ziel ist es, die Bundesstraße, auf der täglich rund 14 000 Fahrzeuge rollen, mit Verkehrsleitsystemen zu versehen und sie darüber hinaus auch als Teststrecke für sogenanntes hochautomatisiertes Fahren zu nutzen. „Diese geplante technische Ausstattung an der B 170 ist derzeit sachsenweit einzigartig“, bestätigt Kathleen Brühl vom sächsischen Staatsministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr. Damit wird die B 170 die modernste Straße im Freistaat. Die Sächsische Zeitung fasst zusammen, was das konkret für den Verkehr entlang der Bundesstraße bedeutet.

Anzeige
Sachsen entdecken und erleben
Sachsen entdecken und erleben

Lernen Sie unbekannte Orte der Region kennen - wir geben Ihnen Insidertipps um die Schönheit und Einzigartigkeit Sachsens neu zu entdecken.

Die Pilotstrecke: Neueste Technik auf mehr als drei Kilometer Länge

Die Automobil- und Zulieferindustrie sowie Forschungseinrichtungen haben großes Interesse daran, neue Verkehrstechnik auf Versuchsstrecken zu testen. Auf diese Weise sollen Erfahrungen gesammelt werden, um die Technik zukunftsfähig zu machen. Zudem unterstützt Sachsens Regierung solche innovativen Forschungsvorhaben auf Teststrecken.

Eine solche Pilotstrecke wird die B 170 zwischen der Stuttgarter Straße in Dresden und der S 191 in Bannewitz. Auf fast 3,5 Kilometer Länge wird die Bundesstraße bis zum Jahr 2022 technisch so ausgestattet, dass der Verkehr nicht nur über Leitsysteme informiert und besser geregelt werden kann. Der Abschnitt wird außerdem eine Teststrecke für das sogenannte hochautomatisierte Fahren.

Hochautomatisiertes Fahren bezeichnet einen Zwischenschritt zwischen assistiertem Fahren, bei dem der Fahrzeugführer durch Systeme unterstützt wird, und dem autonomen Fahren, bei dem das Fahrzeug selbsttätig und ohne Einwirkung fährt. Beim hochautomatisierten Fahren, wie es an der B 170 möglich sein soll, hat das Fahrzeug eine eigene Intelligenz, die vorausplant und die Steuerung zumindest in den meisten Situationen übernehmen könnte, quasi als Autopilot. Mensch und Maschine führen zusammen das Fahrzeug, wobei der Mensch immer noch bestimmt, wie stark er eingreift und wie sehr er sich fahren lässt. Damit das überhaupt möglich ist, braucht es aber nicht nur spezielle Technik im Fahrzeug, an der Autohersteller arbeiten, sondern auch an Straßen.

An einem Abschnitt der B 170 in Bannewitz wird diese Vision nun Wirklichkeit. Der Freistaat Sachsen investiert mehr als eine Million Euro in diese zusätzliche telematische Ausstattung der Bundesstraße.

Ab der Kreuzung mit der S 191 in Richtung Dresden wird die Bundesstraße mit intelligenter Verkehrstechnik ausgestattet.
Ab der Kreuzung mit der S 191 in Richtung Dresden wird die Bundesstraße mit intelligenter Verkehrstechnik ausgestattet. © Karl-Ludwig Oberthür

Die Technik: Den Verkehr mit Kamera und Bluetooth regulieren

Im erwähnten Streckenabschnitt zwischen Stuttgarter Straße und S 191 werden entlang der B 170 künftig die Verkehrsdaten durch Bluetooth, Kameratechnik und sogenannte Roadside Units erfasst. Letztere ermöglichen den Informationsaustausch zwischen den Fahrzeugen und der Straße und bilden eine Grundlage für automatisiertes und vernetztes Fahren.

Mittels Bluetooth kann die Reisezeit erfasst werden. Die Kameratechnik soll vor allem dazu dienen, das automatisierte Fahren zu erproben und die Verkehrssteuerung durch einen Autopiloten zu festigen. Entlang der B 170 werden außerdem neuartige Markierungen mit spezifischen Reflexionseigenschaften angebracht, die das hochautomatisierte Fahren unterstützen sollen, heißt es aus dem sächsischen Wirtschaftsministerium.

Die gewonnenen Daten aus der oben genannten Technik werden zu einem Verkehrsrechner geleitet und ausgewertet. Dazu wird am Lasuv-Standort an der Stauffenbergallee in Dresden eine solche Verkehrsrechnerzentrale aufgebaut. Ziel ist es, auf Grundlage der Daten sowie mit koordinierten Ampeln, zwei elektronischen Anzeigetafeln und mithilfe der Vernetzung des öffentlichen Nahverkehrs auf Staus, Baustellen oder Unfälle rechtzeitig zu reagieren und den Verkehr dann auf andere Straßen umzuleiten.

© SZ-Grafik: Romy Thiel

Weitere Projekte: B 170 ist Teststrecke für Wilsdruff, Pirna und andere Orte

Über die Verkehrsrechnerzentrale am Lasuv-Standort in Dresden werden die von der B 170 gewonnenen Daten mit dem städtischen Verkehrsmanagementsystem (Vamos) gekoppelt, an dem die Stadt Dresden gemeinsam mit der TU Dresden arbeitet. Mithilfe dieser Technik werden beispielsweise auch verfügbare Parkplätze in der Stadt angezeigt. Die neue Verkehrsrechnerzentrale wird in Zukunft aber nicht nur Daten von der B 170 erheben. Ziel ist es, auch weitere Straßen mit intelligenter Verkehrstechnik auszustatten. Das betrifft die B 173 in Wilsdruff, die geplante Pirnaer Südumfahrung, die B 6 in Meißen und die S 177 in Dresden. Wann und mit welcher Technik die einzelnen Straßen konkret ausgestattet werden, stehe aber noch nicht fest. Dies soll erst aus den Erfahrungen heraus entschieden werden, die an der Teststrecke in Bannewitz gewonnen werden. „Eine Komplettausstattung wie an der B 170 ist allerdings nicht vorgesehen“, erklärt Kathleen Brühl vom sächsischen Wirtschaftsministerium.

Mehr zum Thema Freital