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Die Bankfiliale stirbt als Letztes

Bevölkerungsrückgang und Sparzwang setzen Kreditinstituten in Stadt und Landkreis zu.

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Von Sebastian Beutler

Landkreis. Es soll kein Zeichen von Schwäche oder gar von Strategiewechsel sein. Deswegen schloss die Volksbank/Raiffeisenbank Niederschlesien nicht einfach so ihre Filiale in Königshufen, sondern installierte zeitgleich einen neuen Geldautomaten im Marktkauf-Center. Die Botschaft war klar: Die Genossenschaftsbank, die als einziges Kreditinstitut ihren Sitz in Görlitz hat, bleibt nah bei ihren Kunden und versorgt sie mit Bargeld.

Um keine weitere Filiale schließen zu müssen, hat die Commerzbank erst im Frühjahr ihre Struktur in den neuen Ländern völlig umgewirbelt, mit Auswirkungen auf die Oberlausitz. Seitdem unterstehen die Filialen in Görlitz, Löbau und Zittau der Niederlassung Cottbus, die mit einer Filiale in Strausberg bis vor die Türe von Berlin reicht, die Unternehmensberater werden sogar von Potsdam aus geführt. In Cottbus und in Görlitz gibt es jeweils ein Team mit je fünf Mitarbeitern, die den Kontakt zu den Mittelständlern halten. Bislang saßen die Chefs für die Filialen an der Neiße immer in Dresden.

Andere wie die Deutsche Bank haben in diesem Frühjahr angekündigt, 200 von 750 Filialen zu schließen. An der Neiße ist sie noch in Görlitz und Zittau vertreten. Noch steht aber nicht fest, ob die beiden Filialen zusammengelegt werden, ob nur ein Standort erhalten bleibt oder eine völlig andere Lösung angestrebt wird. Im Oktober 2002 hatte sich die Deutsche Bank schon aus Löbau zurückgezogen. Der Trend ist aber klar. Bankberater wie die Boston Consulting Group, so berichtete die Frankfurter Allgemeine Zeitung zuletzt, sagen voraus, dass die Banken 30 bis 50 Prozent ihrer Filialen noch schließen werden.

Diese Entwicklung macht auch nicht vor heimischen Banken wie der Sparkasse oder den Volksbanken halt. So schloss die Sparkasse Oberlausitz-Niederschlesien bis Juni 2012 elf kleinere Filialen, darunter in Horka, in Görlitz, in Ebersbach, Löbau und Weißwasser. Hauptgrund: der Rückgang der Bevölkerung. Seitdem ist sie noch an 38 Standorten. Die Volksbank in Görlitz hat noch 16 Geschäftsstellen, die Volksbank im Süden 15.