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Die Bauherren kommen

Im Großraschützer Winkel soll ein kleines Eigenheimgebiet mit neun Parzellen privat erschlossen werden.

Von Manfred Müller

Ingo Hartmann ist 50 und will in Großraschütz ein Haus bauen. „Ich bin seit 1988 Großenhainer“, sagt er. „Seitdem hat sich die Stadt so gut entwickelt, dass ich meinen Alterssitz hier haben möchte.“ Hartmann führt die Geschäfte des Dresdner Wach- und Sicherungs-Instituts, aber privat zieht es ihn nicht nach Elbflorenz. Er liebt das Beschauliche der Röderstadt, deshalb ist ihm der Arbeitsweg nicht zu weit. Am Freitagnachmittag beim Bauherrentag schreitet Ingo Hartmann die grüne Wiese ab, auf der sein neues Domizil hochgezogen werden soll. Tausend Quadratmeter Grundstücksfläche, darauf ein Häuschen im Bungalowstil, die Wohnung komplett ebenerdig. Hier draußen habe man seine Ruhe, sagt er, und mit dem Bus eine gute Anbindung ans Stadtzentrum. Alles, was man an Infrastruktur braucht, sei leicht erreichbar.

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Der Großenhainer Unternehmer Wolfgang Bothur will an der winzigen Nebenstraße Großenhainer Südwesten ein knapp 8 000 Quadratmeter großes Eigenheimgebiet erschließen. Es gibt zwar noch keinen genehmigten Bebauungsplan, aber Bothur ist optimistisch, dass dieser noch im Sommer den Stadtrat passieren wird. Diskutiert wird derzeit noch über die Zufahrtsstraße. Die braucht dringend eine Bitumendecke, damit die neuen Anwohner bei der Anfahrt keine Staubfahnen hinter sich herziehen. Insgesamt neun Grundstücke mit Flächen zwischen 650 und 1100 Quadratmetern sollen hier verkauft werden.

55 Euro pro Quadratmeter

Wolfgang Bothur hat sich mit dem Großenhainer Immobilienmakler Jörg Heller zusammengetan, der die Baugrundstücke vermarktet. Durch seine Firma Nova Haus bringt Heller auch gleich ortsansässige Handwerker mit ins Geschäft. Außerdem steht ihm der Ebersbacher Bauplaner Volker Partzsch zur Seite. Die Kunden müssen natürlich kein Fertighaus bauen. Ingo Hartmann zum Beispiel will sein Traumhaus lieber nach individuellen Wünschen entwerfen lassen.

Mit 55 Euro pro Quadratmeter sei der Preis der günstigen Wohnlage durchaus angemessen, erklärt Jörg Heller. Der Gewinn werde zwar nicht üppig ausfallen, aber die Finanzierung sei auch nicht auf Kante genäht. „Fünf der neun Eigenheimparzellen sind bereits vorreserviert“, so Heller. „Es gibt Interessenten, die bereits seit acht Jahren auf dieses Gebiet warten.“ Der Kreis der potenziellen Bauherren ist bunt gemischt – sowohl junge Familien gehören dazu, als auch reifere Kundschaft, sowohl Großenhainer als auch Dresdner. Wenn Großenhains Stadtrat dem Vorhaben zustimmt, könne die Erschließung schon im Oktober beginnen.

„Das Eigenheimgebiet Im Winkel ist für uns eine Art Versuchsballon“, sagt Großenhains Baubürgermeister Tilo Hönicke, der ebenfalls zum Bauherrentag gekommen ist. „Wir wollen schauen, wie dieses private Erschließungsmodell funktioniert.“ Die Verwaltung mache das, was sie am besten kann – nämlich, vernünftige Rahmenbedingungen für den Wohnbau zu schaffen. Das Geschäftliche überlasse man in diesem Fall der Wirtschaft. Hönicke wünscht sich ein solches Engagement auch für die Innenstadt. Hier gebe es etliche Eckgrundstücke, die dem Stadtbild nicht gut tun und auf denen Wohnbauten errichtet werden könnten.

Trend zu eigenen vier Wänden

Makler Jörg Heller sieht in Großenhain einen Trend zu den eigenen vier Wänden. Ob Innenstadt, Dreiseithof oder grüne Wiese – Wohneigentum sei wieder im Kommen. „Allerdings wägen die Bauherren – anders als beim Boom der 1990er Jahre – genauer ab“, sagt er. „Die Lage von Schule, Kindergarten, Arztpraxen und Einkaufsmöglichkeiten spielt heute eine viel größere Rolle.“ Deshalb versuche er immer auch, städtische Bauruinen zu bekommen. Mit einem Partner wie dem Abbruchunternehmer Bothur könne man die alte Substanz dann schnell und kostengünstig entsorgen.

Parallel zum Altersdurchschnitt der Bevölkerung in der Röderstadt steige übrigens auch der Altersdurchschnitt der Bauwilligen. Gefragt sind nicht mehr sanierte Dachwohnungen, sondern altersgerechter, ebenerdiger Wohnraum. „So ein Haus ist schließlich auch ein Lebenswerk“, sagt Wolfgang Bothur. „Da geht es nicht nur ums Geld.“