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Leben und Stil

Die besten Tipps für 100 Quadratmeter Garten

Die Mustergärten auf der Landesgartenschau in Frankenberg bieten Inspiration und Streitstoff. Die SZ stellt einige vor.

„Farbenspiel“:  Eine intensive rote Farbe bestimmt den Raum.
„Farbenspiel“: Eine intensive rote Farbe bestimmt den Raum. © Thomas Kretscchel

Ein kleiner Roboter surrt über den Rollrasen, gesteuert aus unterirdischen Kanälen. Knallrot sind Pergola und Hocker in der Sitzecke. Drei ebenfalls rote Glasstelen begrenzen den Garten. Dahinter ein schmales Wasserbecken, eingefasst in dunklem Stahl. Darum ranken sich jetzt im ausgehenden Sommer Sternmoos, Sonnenhut und Margeriten. Die Anlage ist ein Hingucker – und bietet Diskussionsstoff. Für die einen ist sie zu modern und zu wenig naturnah, für die anderen durchaus eine Alternative.

Die Anlage ist eine von sieben, die Betriebe des Verbandes Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau Sachsen beispielhaft für die Landesgartenschau in Frankenberg gestaltet haben. Jeder Garten hat eine Größe von 100 Quadratmetern – und ein spezielles Thema. Mittendrin stehen die Besucher, fotografieren, machen sich Notizen. Viele sind Hobbygärtner. 

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So wie Birgit Kupfer aus Leipzig. Sie hat eben einen Weg aus Split-Binder fotografiert und und mit dem auf einem Schild abgebildeten Code die passende Erklärungsapp dafür rausgesucht. Das Material ist wasserdurchlässig und dekorativ. „Das würde für uns passen“, sagt sie. „Wir sind dabei, einen Garten anzulegen.“

Fotostrecke: Gartenträume auf 100 Quadratmetern

Gefunden hat sie das Material in der von Landschaftsarchitektin Beate Röder aus Annaberg und ihren Mitarbeitern gestalteten Anlage „Mit allen Sinnen genießen“. Sie folgt dabei dem Trend, an Sommertagen den Innenbereich nach außen zu verlagern. Absolut wettertauglich sind die aus Cortenstahl gestaltete Küche, der Sitzbereich und ein Grillplatz. Weiße Eisbegonien, Schokoladenblumen, Gräser und eine Hainbuchenhecke heben sich von Braun- und Grautönen ab. Das kommt an: Eine Familie, die sich nach dem Rundgang eine Pause gönnt, packt den Picknickkorb aus und nimmt am großen Esstisch Platz.

Klare Linien und die Küche im Freien sind nichts für Helga Glöckner. Sie mag es naturverbunden. Die 85-jährige Frankenbergerin ist Dauergast in der Landesgartenschau. Heute schaut sie sich mit Tochter und Schwiegersohn den Mehrgenerationengarten genauer an. Ein buntes Hochbeet mit Blumen, Kräutern und Gemüse, eingefasst in Betonsteine mit Natursteinelementen. Etwas weiter vorn laden zwei Baumstämme zum Balancieren ein, und ein Barfußparcours mit unterschiedlichen Kiesstrukturen und Rindenmulch sorgt für eine Fußmassage nach der Gartenarbeit. „Hier können sich Alte und Junge wohlfühlen“, sagt die Seniorin, die als allererste Besucherin im April ihre Karte gekauft hat. „Die Nummer zwei, gleich nach dem Bürgermeister“, sagt sie.

Im benachbarten insektenfreundlichen Garten sucht die Rentnerin nach geeigneten Pflanzen. An Bartblume, Lavendel, offenen Rosen, Scharfgarbe, Minze und Majoran tummeln sich die Wildbienen. Eine schwarz-gelb gestreifte Wespenspinne webt ein dekoratives Netz. „Solche Pflanzen dienen aber nicht nur Bienen als Lebensraum, sondern auch anderen Insekten – Fliegen, Mücken, Zikaden, Käfern und eben Spinnen“, sagt Horst Bergmann, Geschäftsführer des Verbandes. Gärtner könnten viel tun für die kleinen Tiere, die „für unser Leben und eine gesunde Umwelt wichtig sind, aber in der Natur durch giftige Düngemittel und fehlende Feldraine vertrieben werden“.

Mischpflanzungen und stresstolerante Bäume

Bergmann setzt sich vehement gegen sogenannte Schottergärten und für mehr Grün ein: „Je mehr Fläche bepflanzt wird, desto besser für das Klima in den Städten.“ Angesichts immer längerer trockener Perioden sollte jeder Hobbygärtner dabei an Mischpflanzungen und stresstolerante Bäume denken – wie Lobel-Ulme, Ginkgo und Zerr-Eiche. Auch Silberlinden würden sich gut an die Hitze anpassen, sagt Bergmann. 

Klimafreundlich sei zudem eine Dachbegrünung, die auf jedes Flachdach passt. Sie sei Hitzeschild im Winter und filtere Schadstoffe. Winters wie sommers sorgt sie für eine gute Dämmung. Zur Bepflanzung eignen sich Sedum-Mischungen – wasserspeichernde Pflanzen wie Mauerpfeffer, Hauswurz oder Steinbrech. Die Schau der Mustergärten zeigt den Aufbau eines solchen Daches mit Drainageschicht und Vlies – für Gartenhaus, Garagen- und Carportdach.

Übrigens: Der Einfluss von Kleingärten auf Klima und Lebensqualität sowie die Einbeziehung in die Stadtplanung sind auch die dominierenden Themen, über die an diesem Wochenende der Bundesverbandstag der Deutschen Gartenfreunde in Dresden diskutiert.

Die Landesgartenschau in Frankenberg hat bis 6. Oktober geöffnet. Einlass ist täglich 9 bis 19 Uhr. Der Eintritt kostet 16 Euro (ermäßigt 12 Euro). Ein kostenfreier Shuttle-Bus fährt von Parkplatz und Bahnhof zum Haupteingang der Landesgartenschau.

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