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Die Bilder-Poetin

Das Schreiben von Lyrik und kleinen Geschichten sowie das Fotografieren begleiten Inge Stieb schon seit ihrer Kindheit. In Kunst und Deutsch hatte sie deshalb immer gute Noten. Nur einmal bekam sie eine Drei, weil ein neuer Lehrer „keine fantasievollen Aufsätze mochte“, wie sie sagt.

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Das Schreiben von Lyrik und kleinen Geschichten sowie das Fotografieren begleiten Inge Stieb schon seit ihrer Kindheit. In Kunst und Deutsch hatte sie deshalb immer gute Noten. Nur einmal bekam sie eine Drei, weil ein neuer Lehrer „keine fantasievollen Aufsätze mochte“, wie sie sagt. Das konnte ihr die Liebe zum Schreiben und zur Kunst aber nicht verderben.

Folgerichtig erlernte Inge Stieb in jungen Jahren den Beruf der Fotografin. Zuerst fertigte sie in ihrer Heimatstadt Erfurt Fotos von Blumen an, damit über Kataloge deren Samen und Knollen verkauft werden konnten. Später ging Inge Stieb in die Freiberuflichkeit und gestaltete Blumenkalender und Postkarten für verschiedene Verlage.

Holz-Korpus und Lederbalg

Dazu brauchte sie natürlich ein Atelier und eine eigene Fotoausrüstung. Einen Raum für derartige Zwecke zu mieten, war damals nicht möglich und so arbeitete sie zu Hause. Sie fotografierte auch nicht mit dem neuesten Kameramodell, sondern mit einer im Foto-Gebrauchtwaren-Versand gekauften, großformatigen Kamera, ähnlich der Linhoff-Kamera. „Sie hatte einen Holz-Korpus und einen ausziehbaren Lederbalg“, beschreibt Inge Stieb das Modell. In Kombination mit einem guten Zeiss-Objektiv war diese imstande, qualitativ hochwertige Fotos zu liefern. Die verwendeten Planfilme lieferten zudem beste Qualität. „Heute ist gar nicht mehr vorstellbar, dass ich damit zu DDR-Zeiten meinen Lebensunterhalt verdient habe“, blickt Inge Stieb zurück. Mit diesem Gerät stellte sie in ihrem Wohnzimmer großformatige Aufnahmen mit Langzeitbelichtung für ihre Kalender und Postkarten her. Das Badezimmer verwandelte sie in eine Dunkelkammer. Dort wurden ihre Filme entwickelt. Noch heute hält die Seniorin die so hergestellten Aufnahmen für besser als jene, welche sie jetzt mit einer Digitalkamera fotografiert.

Ihre Karriere als Berufsfotografin endete in Hoyerswerda. Hier bezog Inge Stieb mit ihrer Familie eine Neubauwohnung in der heutigen Stauffenberg-Straße. Wohnen konnte die Familie dort ganz gut, Langzeitbelichtungen mit der Kamera waren allerdings nicht möglich. „Wenn die Lkw vorbeifuhren, erschütterten sie das ganze Haus. Das Ergebnis waren unscharfe Fotos“, beschrieb die Fotografin die damalige Situation.

Fortan ein Freizeitvergnügen

Nach einem Spezialschulstudium betreute sie in dieser Zeit beruflich einige Zirkel für künstlerische Textilgestaltung. Sie fotografierte und schrieb aber in ihrer Freizeit weiter. Die kleinen Schönheiten der Natur und Ansichten ihrer näheren Heimat zu allen Jahreszeiten hatten es ihr angetan, erklärt sie

Nach ihrer Pensionierung begann Inge Stieb, ihre Fotos in Ausstellungen zu zeigen. Unter anderem gestaltete die Künstlerin einen Bildband über ihre jetzige Heimatstadt Bernsdorf und kombiniert ihre Lyrik und Fotos zu selbst layouteten Fotobüchern.

Genauso detailgenau wie sie fotografiert, beschreibt die Autorin auch mit wenigen Worten die Natur und stellt Fragen, die zum Weiterdenken anregen. Jedes Laubblatt, jeden Wassertropfen kann sie zum Mittelpunkt eines Gedichtes machen. Sie beschreibt auf diese Weise die Schönheit ihrer Umgebung. Das ist Poesie, die die Aussagen ihrer Fotos ergänzt.