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„Die Blumen stehen für Freude und Liebe“

Hunderte Bilder von Blüten und Blumensträußen hat Vesna Horvat schon gemalt. Sie würde sich vor allem eines wünschen.

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Hunderte von Blumenbildern hat Vesna Horvat in ihrer Riesaer Wohnung schon gemalt.
Hunderte von Blumenbildern hat Vesna Horvat in ihrer Riesaer Wohnung schon gemalt. © Lutz Weidler

Riesa. Der Tisch ist voll, und er ist bunt wie eine Blumenwiese. Sonnenblumen, Tulpen, Rosen, alle erdenklichen Blütenmotive sind darauf zu sehen. Auf Papier, auf Papptellern, auf kleinen Fliesen hat Vesna Horvat sie gezeichnet. Wie viele Bilder sie in ihrer Wohnung in der Riesaer Innenstadt schon gemalt hat, das kann Vesna Horvat selbst nicht sagen. „Mehr als 200 sind es, vielleicht sogar schon 300“, erzählt die gebürtige Slowenin. Manchmal seien es zwei, drei Motive pro Woche, die sie gestaltet.

Die eigentlichen Motive kämen eher spontan zustande. „Ich male, was mir gerade in den Kopf kommt. Wenn ich Ruhe habe und die Idee kommt, dann male ich eben.“ Die Leidenschaft fürs Zeichnen habe sie vor etwa vier Jahren für sich entdeckt, sagt Vesna Horvat. Sie spricht von einer Art Eingebung. „Ich habe vorher eigentlich nie gemalt, aber aus dem Nichts habe ich diese Bilder gesehen.“ Das sei ein kleines Wunder, sagt sie selbst. Kurz zuvor hatte sie mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen: ein Herzinfarkt, Arthrose. Der Griff zu den Stiften sei für sie auch eine Art Therapie, sagt sie schon 2016 im Gespräch. Seitdem sei sie jeden Tag auf der Suche nach Blumen.

Einen kleinen Traum hat sie sich seitdem schon erfüllen können: Vor einem Jahr stellte sie gemeinsam mit einer anderen Hobbymalerin in den Kunstgängen im Haus am Poppitzer Platz aus. Und ein Maler aus Dresden habe ihre Bilder ebenfalls gelobt. Was der gelernten Krankenpflegerin, die 1991 aus ihrer Heimatstadt Muurska Sobota nach Deutschland floh, noch fehlt, das sei eigentlich eine Möglichkeit, in Ruhe an den Bildern arbeiten zu können. 

Geld verdienen wolle sie mit den Bildern nicht, sagt sie. „Die Blumen stehen für Freude und Liebe.“ Sie würde sich schon freuen, wenn etwa eine Firma das eine oder andere ihrer Motive bei sich aufhängen würde, damit sie nicht hinter verschlossenen Türen liegen bleiben. Bei der Malerei allein will es Vesna Horvat nicht belassen. Sie überlege auch, in einem Buch ihre Geschichte zu erzählen. „Wo ich herkomme“, sagt sie in gebrochenem Deutsch. „Nur, wie das geht, das weiß ich noch nicht.“

Zu erzählen hätte sie jedenfalls einiges, angefangen mit der Flucht aus dem heutigen Slowenien vor fast 30 Jahren. Vesna Horvat erwartete damals ihr zweites Kind, als nach der Unabhängigkeitserklärung jugoslawische Truppen einmarschierten. In ihr Heimatland ist sie seitdem nie zurückgekehrt. Heute, mit Anfang 60, lebt die sechsfache Mutter von Hartz IV. Ihren gelernten Beruf kann sie schon aus gesundheitlichen Gründen seit Jahren nicht ausüben. Sie scheint sich damit arrangiert zu haben. Auch mit den schrägen Blicken und bösen Sprüchen, die sie in der Vergangenheit manchmal geerntet hat. „So etwas tut schon weh. Aber ich lebe mein Leben. Ich bin ich, und ich bleibe so.“