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Die Brückenbauer

Der Partnerschaftsverein wurde jetzt für sein ehrenamtliches Engagement geehrt.

© Claudia Hübschmann

Von Udo Lemke

Meißen. Matthias Cotta ist Elektromaschinenbauer, Enno Linke Logistiker. Wahrscheinlich hätten sie nicht allzu viel miteinander zu tun, wäre da nicht ihr Engagement für Meißens Partnerstädte. Dem gehen sie im Partnerschaftsverein nach, der kürzlich für sein ehrenamtliches Engagement von der Stadt ausgezeichnet worden ist. „Sie sind mit ihrer Arbeit Brückenbauer, die sich selbst und anderen die Möglichkeit geben, den eigenen Horizont zu erweitern, die unvermeidlichen kulturellen Unterschiede als Besonderheit und Bereicherung zu betrachten, die Sprachen zu pflegen sowie die Schönheit der Partnerstädte erlebbar zu machen“, heißt es in der Laudatio. Allerdings wissen viele Bürger gar nicht, welche Partnerstädte sie haben. Müssen sie das? Was bringen Städtepartnerschaften?

So schön ist die Porzellan- und Weinstadt
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„Man hat die Möglichkeit, in den Partnerstädten Familien kennenzulernen, Freundschaften zu schließen, das ist etwas ganz anderes, als irgendwohin als Tourist in den Urlaub zu fahren“, erklärt Enno Linke. Anders gesagt: „Nicht selten wird einem die Begegnung mit dem Fremden zum Anstoß, über die eigene Geschichte, über eigene kulturelle Prägung nachzudenken und über sich selbst hinauszuwachsen“, wie es in der Würdigung der Stadt heißt.

Die Palette der Partnerstädte ist bunt. Sie reicht vom japanischen Arita, das in diesem Jahr den 400. Jahrestag der Erfindung des asiatischen Porzellans begeht, über das griechische Korfu, die Insel, die für ihre Strände, Berge und den Wein bekannt ist, bis hin zum baden-württembergischen Fellbach, das ebenfalls für den Weinanbau steht. Mit dem tschechischen Leitmeritz verbinden Meißen die Altstadt, der Weinbau und nicht zuletzt die Elbe. Provo im US-amerikanischen Bundesstaat Utah ist über den aus Meißen stammenden Mormonen Karl Gottfried Mäser verbunden und schließlich das französische Vitry sur Seine vor den Toren von Paris. Hier pflegen Chöre einen engen Austausch, das Berufsschulzentrum und vor allem Bürger selbst. „Der Familienaustausch hat den Vorteil, dass darüber auch Kinder und Jugendliche Interesse für die Partnerstadt entwickeln“, sagt Matthias Cotta. Das trifft auch für die Schulzusammenarbeit zu. So wurden französische Schüler mit ihren Deutschlehrern bei Familien in Meißen untergebracht, Meißner Schüler fuhren nach Vitry.

Alles, was Matthias Cotta, Enno Linke und die anderen 25 Mitglieder des Partnerschaftsvereins anpacken, geschieht in ihrer Freizeit. Manchmal lässt sich das Schöne mit dem Nützlichen verbinden, etwa, wenn es zum Urlaub in die Partnerstadt geht. Oft jedoch heißt es, die freie Zeit, die neben Beruf und Familie bleibt, einzusetzen. Dass Städtepartnerschaft über persönliches Engagement läuft, zeigt das Beispiel Korfu. Hier muss wieder von vorn angefangen werden, nachdem die alten Kontakte weggebrochen sind. Das ist einerseits bedauerlich, andererseits normal, denn Freundschaften laufen nun einmal über Personen. „Wenn Städtepartnerschaften nicht nur auf dem Papier stehen sollen, müssen sie gelebt werden, das zu befördern ist die wesentliche Aufgabe des Vereins“, erklärt Matthias Cotta.

In diesem Jahr gibt es gleich drei Jubiläen. Mit Korfu und Leitmeritz besteht die Partnerschaft 20, mit Provo 15 Jahre – da sind die Brückenbauer des Vereins wieder gefragt.