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Die Container-Ärztin

Anja Wolf suchte Praxisräume in Pesterwitz und muss ihre Patienten jetzt erst einmal in einem Container behandeln.

Von Nane Krüger

Begrüßung durch die Arzthelferin hinter der Empfangstheke, man wird erst einmal in den Warteraum geschickt. Eigentlich alles wie bei jedem anderen Arztbesuch – wären die Wände nicht aus Metall und die Praxis könnte innerhalb kürzester Zeit auch wieder woanders stehen.

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Der Garten ruft
Der Garten ruft

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Seit Anfang Januar nutzt die Ärztin Anja Wolf eine Ansammlung von Containern als Praxisräume. Bereits von 2010 bis Mitte vergangenen Jahres hatte sie in der Praxis Riedel praktiziert und war bei ihren Patienten sogar so beliebt, dass diese ihr nach dem Ausscheiden aus der Praxis die Treue hielten. Da stand so mancher vor ihrer Haustür, um ihre ärztliche Meinung einzuholen. Obwohl die zweifache Mutter eigentlich noch einige Jahre mit der Selbstständigkeit warten wollte, entstand daraus bald der Plan, eine eigene Praxis zu gründen. „So eine Chance bietet sich schließlich nicht jeden Tag“, berichtet Wolf. Auch die Kassenärztliche Vereinigung stimmte schnell zu. Ebenso schnell war allerdings auch klar, dass in Pesterwitz keine passenden Gewerberäume zur Verfügung standen. So kam die Idee ihres Ehemanns, die Praxis vorübergehend in einem Containerkomplex einzurichten, wie gerufen. Als dann auch noch bekannt wurde, dass der schwäbische Architekt und Bauplaner Hans Baumgartner, den Bau der historisch vorgegeben vierten Seite des Pesterwitzer Gutshofes plant, kam man schnell ins Gespräch. Sowohl die zukünftigen Räume als auch der passende Stellplatz waren gefunden: Bis der erste Bauabschnitt abgeschlossen ist, kann Anja Wolf den Platz im Innenhof mieten. Baumgartner saniert den Gutshof bereits seit einigen Jahren und schaffte damit viele seniorengerechte Wohnungen. Die sollen neben der Praxis auch die vierte Gutshofseite dominieren. „Eine Hausarztpraxis direkt im Haus, davon profitieren die Bewohner natürlich!“, sagt selbst die Ärztin. Ihre Räume sollen bereits im April 2015 bezogen werden.

Bleibt also noch ein Jahr im Container, der inzwischen sowohl Ärztin als auch Patienten schon ein wenig ans Herz gewachsen ist. „Viele der Patienten sind überrascht, wie schön die Praxis im Inneren daher kommt,“ bestätigt Wolf. Tatsächlich vergisst man schnell, dass man in einem Container steht. Überall ist es hell und sehr gepflegt. Das einzige Manko: „Morgens muss erst einmal kräftig eingeheizt werden,“ sagt Wolf. Die Patienten kommen dennoch zahlreich.

Ursprünglich stammt die Ärztin aus Mülheim an der Ruhr. Sie studierte in Bochum und Essen und entschied sich nach dem Kennenlernen verschiedener Fachbereiche für die innere Medizin, die sei einfach „abwechslungsreich“. Wolf war mit Mann und Kindern bereits vor einigen Jahren nach Dresden gezogen, damit ihr Mann das Angebot einer Professur an der Hochschule für Technik und Wirtschaft annehmen konnte. So begann Sie, in Pesterwitz zu praktizieren und zog auch kurz darauf mit der Familie in den Ort. Denn, so sagt Frau Wolf: „Hier zu leben ist viel schöner!“ Daher ist es auch erfreulich, dass es keinerlei Rivalitäten mit ihrem ehemaligen Arbeitgeber gibt: „Wir kooperieren sogar ein wenig. Auch fachlich gibt es keinerlei Differenzen.“

Auch Ortsvorsteher Steffen Frost sieht die Existenz einer zweiten Praxis positiv: „Der Ausbau der ärztlichen Versorgung ist natürlich sehr gut für Pesterwitz. Es handelt sich dabei auch nicht um Konkurrenz, es gibt genug Patienten für beide. Außerdem wurde Frau Wolf äußerst gut von den Patienten aufgenommen.“ Allerdings hätte er sich die Containerlösung kurzfristiger erhofft und die Praxis am liebsten mit im Vereinshaus untergebracht, auch mit Blick auf das Herbst- und Weinfest.