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Die Côte d’Azur rüstet sich für den Sommer

Das Leben in Südfrankreich kehrt zurück, Hotels und Lokale öffnen, und der Zugang zum Strand ist wieder erlaubt – aber mit Corona-Bedingungen.

Die Côte d'Azur rüstet sich für die Urlaubssaison - das Leben in den Straßen kommt zurück.
Die Côte d'Azur rüstet sich für die Urlaubssaison - das Leben in den Straßen kommt zurück. © Birgit Holzer

Von Birgit Holzer, SZ-Korrespondentin in Paris

Barbara Kimmig hatte gerade ein kleines Handtuch am Strand ausgebreitet und sich ihren Imbiss zurechtgelegt – da merkte sie, dass das keine gemütliche Mittagspause mit Nickerchen werden würde. Von Weitem erspähte sie zwei Polizisten, die dabei waren zu prüfen, ob die Sonnenanbeter am Strand von Nizza denn auch „dynamisch“ unterwegs sind. „Als die Beamten kamen, gingen alle, die am Strand saßen, ins Meer“, erzählt die Deutsche, die seit Langem in Südfrankreich lebt, lachend. „Das Wasser war herrlich bei 18 Grad und die Stimmung sehr schön.“ Entspannt sonnen durfte sie sich trotzdem nicht.

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Nachdem die französischen Strände seit Mitte März gesperrt waren, öffneten diese im Mai wieder – allerdings nur unter der Bedingung, dass die Menschen dort „dynamisch“ bleiben, also joggen, schwimmen oder gehen. So sollte vermieden werden, dass diese in Gruppen zusammensitzen und die Gefahr einer Verbreitung des Coronavirus wieder steigt, nachdem die Zahl der Neuinfizierungen und Patienten in Krankenhäusern zurückgeht.

Sehnsüchtige Mails von Gästen

Während im ganzen Land inzwischen mehr als 28.000 mit dem Coronavirus infizierte Menschen gestorben sind und die Kliniken in manchen Regionen zeitweise stark überlastet waren, blieb die Lage an der Côte d’Azur stets unter Kontrolle. Während der Süden Frankreichs zwar weniger Opfer durch die Pandemie zählte, litt dort die Tourismusindustrie an den Ausgangsbeschränkungen und dem Reisestopp. Davon betroffen ist auch Kimmig, die seit 25 Jahren in Nizza lebt. Sie führt das Hotel „Villa Rivoli“, das im historischen Zentrum und 100 Meter vom Strand entfernt liegt. Wenn sie von der Stimmung in ihrer Wahlheimat erzählt, klingt sie trotz der Situation aufgeräumt und so heiter wie das Wetter in diesem Frühsommer. „Die Leute freuen sich jetzt einfach, dass sie wieder rausdürfen, auch wenn alle weiterhin Distanz wahren.“ Die Gassen und die mit Palmen gesäumte Strandpromenade füllen sich.

Nachdem sie die letzten Wochen für Renovierungsarbeiten nutzte, hat auch Barbara Kimmig ihr Hotel wieder aufgemacht. Besorgt blickt sie nicht in die Zukunft, denn viele Stammgäste meldeten sich mit regelrecht sehnsüchtigen E-Mails, wie sie sagt. Der französische Staat griff ihr mit Kurzarbeitergeld unter die Arme, und Reservierungen für den Sommer trudeln ein.

Hoteliers und Gastronomen hoffen noch auf eine Sommersaison, die die Verluste wenigstens begrenzt. Musste sich die Tourismuswirtschaft in beliebten Küstenorten wie Saint-Tropez, Cassis oder Cannes gerade im Sommer nie um das Ausbleiben von Besuchern sorgen, arbeitet sie nun Ideen aus, um unter veränderten Bedingungen weitermachen zu können. „Wir erleben ein wirtschaftliches Drama, aus dem soziale und menschliche Dramen hervorgehen“, sagt Régis Faure, Tourismusdirektor von Cannes. Im Vergleich zu 2019 werden die Einbußen der Branche in diesem Jahr auf 1,2 Milliarden Euro geschätzt. Doch man versuche, gegenzusteuern, so Faure. So hat die Stadt Cannes Hilfen von mehr als zehn Millionen Euro für Strandpächter, Hotels, Fischer, Händler oder Kulturvereine bereitgestellt; hinzu kommen 3,3 Millionen Euro für Werbeaktionen, die auch Menschen aus der Region anziehen sollen. Auf Besucher aus den USA oder Russland setzt man kaum, wohl aber aus Europa und eben Frankreich. „Die staatlichen Hilfen sind wichtig, aber sie ersetzen auf Dauer nicht die Gäste“, sagt Faure. Terrassen werden vergrößert, zwischen Restaurant- und Café-Tischen muss mehr Platz gemacht und in allen Küchen ein striktes Hygiene-Protokoll befolgt werden.

Urlaub mit Plexiglas ist auch Urlaub

Dass sich die Besucher trotz dieser veränderten Umstände wohlfühlen werden, wenn sie erst einmal wieder in einem Strandkorb mit Blick auf das azurblaue Meer sitzen oder in einem Restaurant für mediterrane Spezialitäten, dessen ist sich Philippe Cannatella sicher. Der gebürtige Sizilianer, der mit einer Hamburgerin verheiratet ist, betreibt drei Restaurants und einen Strand mit Bar in Nizza. Alle seine 220 Angestellten hat er in Kurzarbeit geschickt, aber keinen Einzigen entlassen. „Wir haben Hilfen vom Staat bekommen, die unsere Kollegen in Italien oder Spanien nicht erhielten“, sagt er. Wenn seine eigenen Restaurants und der von ihm betriebene Strandabschnitt mit Bar und Liegestühlen am 2. Juni öffnen, versucht er, einen „Mittelweg“ zwischen Wohlfühl-Atmosphäre und strikten Hygiene-Vorschriften zu finden: „Die Gäste werden es lernen, mit den Schutzmasken zu leben und es akzeptieren, von Plexiglas umgeben zu sein“. Menükarten werden digitalisiert und extra Mitarbeiter für Warteschlangen abgestellt. 

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Ob das die Besucher, die hierherkommen, um französisches „Dolce Vita“ zu genießen, stören wird? Cannatella glaubt das nicht: Selbst ein Urlaub unter veränderten Vorzeichen sei immer noch ein Urlaub. Und spätestens in ein paar Wochen dürfen sich Sonnenanbeter in Nizza auch wieder völlig bewegungslos an den Strand legen, ohne dass Polizisten sie zu Sport antreiben.

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