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Die Denkmalretter von Pulsnitz

Historische Tore, ein alter Brunnen, Wegetafeln - der Heimatverein hat einiges bewegt und noch viel vor.

Die Rettung des Barocken Tores eines Pulsnitzer Tuchhandels war für den Pulsnitzer Heimatverein eine Herausforderung. Das Tor ist jetzt ein Blickfang im Stadtzentrum.
Die Rettung des Barocken Tores eines Pulsnitzer Tuchhandels war für den Pulsnitzer Heimatverein eine Herausforderung. Das Tor ist jetzt ein Blickfang im Stadtzentrum. © Frank Sühnel

Pulsnitz. Im Oktober 2009 bekam der Pulsnitzer Heimatverein Post vom Amtsgericht. Die muss nichts Gutes bedeuten. In dem Fall schon: Es war die Mitteilung über den offiziellen Eintrag als gemeinnütziger Verein im Vereinsregister.

Zu diesem Zeitpunkt lief die Vereinsarbeit aber schon auf vollen Touren, die 19 Gründungsmitglieder wollten nicht warten, bis die bürokratischen Mühlen fertig gemahlen hatten. Zum Tag des offenen Denkmals am 13. September 2009 veranstaltete der Verein ein Fest, um in der Stadt bekannt zu werden. Parallel dazu entstand die Sonderausstellung im Stadtmuseum „20 Jahre friedliche Revolution in Pulsnitz“, die an die bewegenden Ereignisse des Jahres 1989 erinnerte. Und einige Projekte, die im Laufe der nächsten Jahre verwirklicht werden sollten, waren bereits angeschoben.

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Fensterwechsel ohne Schmutz und Stress
Fensterwechsel ohne Schmutz und Stress

Fenster oder Türen handwerklich hoch professionell austauschen, ohne dass das Haus zur Baustelle wird? Ja, das geht. Und zwar so:

Begonnen hat alles um den Jahreswechsel 2008 zu 2009, als sich eine Handvoll engagierter Bürger mit dem Wunsch zusammenfand, Besonderes und Einzigartiges in der Stadt, das verloren zu gehen drohte, zu erhalten. Ja, überhaupt die positiven Traditionen, die reiche Stadtgeschichte, das Erhaltenswerte zu bewahren. Im Laufe von wenigen Monaten kamen so 19 Pulsnitzer zusammen, die am 7. Mai im Stadtmuseum den Pulsnitzer Heimatverein gründeten. Seitdem sind die Mitgliederzahlen steig gewachsen, auf nunmehr 30, obwohl leider einige Mitglieder schon verstarben. Wie in vielen anderen Vereinen auch ist der Altersdurchschnitt recht hoch, die Jugend kaum für diese Aufgaben zu gewinnen. Umso beachtlicher ist, was die Heimatfreunde im Laufe dieser zehn Jahre auf die Beine gestellt haben. Und ebenso erwähnenswert ist, dass viele der Projekte nur durch die großzügige finanzielle Hilfe und auch logistische Unterstützung vieler Pulsnitzer, aber auch außerhalb lebender Menschen zustande kamen. Es ist immer schwierig, Einzelne herauszupicken und andere, die ebenso halfen, nicht zu nennen. Aber erwähnt seien hier die Firma Bauscholze, deren Kran sozusagen im Dauereinsatz für den Verein war, die Firma Fehre, die nun den Kran bereitstellt und nicht zuletzt die Stadt Pulsnitz mit dem Bauhof, der stets half, wenn es nötig war. Daher ist es dem derzeitigen Vereinsvorsitzenden Matthias Thomschke wichtig „an alle, die den Verein unterstützten und weiterhin unterstützen, ein dickes Dankeschön zu sagen.“

Eingangsportal neue aufgestellt

Wer aufmerksam durch die Stadt geht, wird an vielen Stellen auf das Wirken des Vereins stoßen. Ein besonders sichtbares Projekt, welches bereits 2011 begann, sind die touristischen Wegsteine. Mittlerweile gibt es elf dieser informativen Tafeln und es sollen noch weitere dazu kommen, zwei noch in diesem Jahr. Viel Aufmerksamkeit bekam auch die Rettung eines barocken Kleinods, des Eingangsportales der Kegelschen Tuchhandlung. Das wurde, samt der schön beschnitzten Torflügel, von aufmerksamen Pulsnitzern beim Abriss des Handelshauses vor dem Schuttplatz gerettet und dann nach langem Dornröschenschlaf hinter dem Haus des Gastes durch den Heimatverein neu aufgestellt.

Besonders bedeutsam ist die Rettung eines technischen Denkmals von europäischem Rang, der Färberhenke. Das Dach war undicht und diesem einmaligen Zeugnis der Textilindustrie drohte der Abriss. Nun ist die Substanz gesichert und die nächste, schwere, Aufgabe wird sein, das Haus wieder mit Leben und Zweck zu füllen. 2011 hat der Heimatverein die Tradition des Maibaumstellens wiederbelebt. Die wurde auch durch zwei Anschläge auf den Maibaum nicht unterbrochen. Was der Heimatverein von Anfang an anstrebte, aber erst nach einigen Jahren des Bemühens erreichte, ist, dass das Maibaumstellen nun ein Ereignis ist, an dem sich mehrere Vereine beteiligen und ein kleines Fest veranstalten.

Regelmäßige Treffs

Seit 2012 gibt der Verein einen Kalender mit historischen Stadtansichten heraus, der sich großer Beliebtheit erfreut und der dazu beitrug und -trägt, manches Projekt finanzieren zu können, zum Beispiel die Sanierung und Wiederinbetriebnahme des ältesten Brunnens der Stadt am Polzenberg. Zum Schluss sei noch die Restaurierung und Wiederaufstellung des historischen Brunnenaufsatzes mit den Zwergen am Julius-Kühn-Platz erwähnt. Zum Jubiläum erlauben sich die Vereinsmitglieder einen Ausflug und ein kleines Fest. Neue Mitglieder sind stets willkommen.

Es finden regelmäßige Treffs, immer am Donnerstag vor dem 21. des Monats, um 19 Uhr im Pulsnitzer Ratskeller statt. Informieren können sich Interessenten auch auf der Webseite des Vereins: www.pulsnitzer-heimatverein.de

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