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Die Deponie rutscht

Der Vorfall passierte im Oktober 2017 bei Biehain. Inzwischen ist der Großteil des Schadens behoben. Fragen bleiben.

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Mitbekommen von der großen Rutschung auf der Deponie haben die Biehainer Sonnenfreunde nichts. Sie haben gleich neben der Deponie im Biehainer Forst ihr Naherholungsgebiet. Mit einem kleinen See voll klarem Wasser, hübschen Bungalows und gestalteten Gärten. Gabriele Grohmann vom Vorstand sagt, dass die Rutschung zu einer Zeit passiert ist, als kaum noch Leute hier waren: im Oktober 2017. „Zudem trennt uns ein Stück Wald, sodass die Rutschung von uns aus kaum zu sehen ist“, ergänzt die Schatzmeisterin des Klubs der Biehainer Sonnenfreunde. Vom Betreiber der Deponie, die Ton- und Kieswerke Kodersdorf (TKK), wurden sie belehrt, das Gelände nicht zu betreten. „Das nehmen wir ernst und belehren auch unsere Gäste darüber“, sagt Frau Grohmann.

Dass die Öffentlichkeit erst jetzt von der Rutschung erfahren hat, ist einem Zufall geschuldet: einer aktuellen Anfrage der Gemeinde Neißeaue an die Landesdirektion Sachsen in Dresden zu dem Stand der Sanierung der Deponie. Dabei wurde der Gemeindeverwaltung unter anderem mitgeteilt, dass es im Oktober 2017 zu dieser Rutschung kam. Auf Nachfrage der SZ bestätigt das die Landesdirektion. Auch, dass der Betreiber diesen Vorfall am 27. Oktober 2017 der Landesdirektion gemeldet hat. Zum weiteren Verlauf sagt LDS-Pressesprecher Ingolf Ulrich: „Die Landesdirektion nahm den Schaden vor Ort auf. Sie legte Form, Inhalt und Umfang des vom Deponiebetreiber zu erbringenden Fachgutachtens zum Schaden fest. Des Weiteren entschied die LDS, welche Maßnahmen zur Schadensbeseitigung zu ergreifen sind.“

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Notdürftig mit Flatterband ist die Schadensstelle bei Biehain gesichert.
Notdürftig mit Flatterband ist die Schadensstelle bei Biehain gesichert. ©  privat

Konkret geht es um die Wiederherstellung des genehmigten Zustandes, also insbesondere das Wiederauftragen der Rekultivierungsschicht. Denn die Kontrolle vor Ort hatte ergeben, dass nicht die abgelagerten Massen, sondern lediglich die frisch aufgebrachte Rekultivierungsschicht aus Mutterboden abgerutscht war. „Dies war eine Folge starker Niederschläge“, so Direktionssprecher Ulrich.

Befürchtungen der Anwohner wurden laut, dass auch Deponiegut ins Rutschen gekommen sei. Gefährliche Stoffe hätten durch den Regen ins Erdreich gespült werden und das Grundwasser verseuchen können. TKK-Geschäftsführer Dietmar Tzschoppe bestätigt aber, dass die abgerutschten Massen nur aus der aufgeschütteten Erde bestanden. „Die darunterliegende Kiesschicht wurde schon nicht mehr angegriffen und erst recht nicht die eingelagerten Materialien, die mit einer ein Meter starken Tonschicht geschützt sind“, betont der Geschäftsführer. Seit vergangenem Jahr arbeiten TKK-Mitarbeiter an der Beseitigung der Rutschung. Der alte Boden wurde vollständig abgetragen und ist inzwischen durch neuen ersetzt. Dieser liegt nun und braucht laut Vorschrift mehr Fläche, als es vorher notwendig war. „Zum Teil sind das unsere eigenen Waldstücke, zum anderen Teil private. Mit dem Waldbesitzer haben wir vereinbart, dass wir die notwendigen Flächen nutzen dürfen.“

Neuen Rekultivierungsboden hat die Deponie. Dieser braucht mehr Platz.
Neuen Rekultivierungsboden hat die Deponie. Dieser braucht mehr Platz. ©  privat

Durch die Rutschung hat es auch den Zaun an der Schadensstelle weggedrückt. Dieser soll jetzt durch einen gegen Wild ersetzt werden. Dietmar Tzschoppe rechnet damit, dass in diesem Jahr die Schäden durch die Rutschung behoben sind. Die Kosten hat sein Unternehmen zu tragen.

Dass auch ausgewachsene Bäume durch die Rutschung in Mitleidenschaft gezogen wurden, das verneint der Geschäftsführer. „Die hat der Sturm schon vorher in Schräglage gebracht“, so Tzschoppe.

Aus Sicht der Landesdirektion kommt es jetzt darauf an, dass die Aufschüttung schnell begrünt wird. Eingesät ist bereits, bestätigt Tzschoppe. Denn neben dem starken Regen sorgte auch der fehlende Bewuchs auf der Rekultivierungsschicht für den Abgang der Erdmassen. Auf die Frage, ob gefährliche Stoffe freigelegt wurden, gibt die Landesdirektion ein klares Nein. Auch in Bezug auf die Verunreinigung des Grundwassers gibt es ein Nein. Denn die Erdmassen haben zum Teil das Entwässerungssystem der Deponie verschüttet.

Die betroffenen Gemeinden Horka und Biehain haben von dem Vorfall zufällig erfahren. Weder vom Betreiber noch von der Landesdirektion sind sie darüber informiert worden. Bürgermeister Christian Nitschke bestätigt, davon gehört zu haben. Thematisiert sei die Rutschung aber bisher nicht im Gemeinderat.

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