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Die diplomatische Jungwählerin

Anna Sophia Philipp setzt am 25.  Mai zum ersten Mal ein Kreuz auf einen Wahlzettel. Aber die Entscheidung ist schwierig.

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Von Cathrin Reichelt

Rund um Lehrerin Sieglinde Kastner hocken junge Frauen und Männer auf Tischen und Stühlen. Sie unterhalten sich über den Konflikt in Syrien und den Koalitionsvertrag der Bundesregierung. In der Politik AG des Lessing-Gymnasiums geht es ganz ungezwungen zu. Mit dabei ist Anna Sophia Philipp. Ende 2013 ist sie 18 geworden. In diesem Jahr wird sie zum ersten Mal ein Kreuz auf einem Wahlzettel machen – und das nicht nur einmal. Sie darf mitentscheiden, wer im Döbelner Stadtrat, im Kreistag von Mittelsachsen, im sächsischen Landtag und im Europäischen Parlament sitzt. Wen sie wählt, weiß die Zwölftklässlerin aber noch nicht genau. „Denn jede Partei hat gute und nicht so attraktive Ziele“, meint sie. Mit den Programmen der Bewerber will sie sich einige Wochen vor den Wahlen intensiver beschäftigen. Sicher auch in der Politik AG. Die hat ihr schon oft geholfen, die Hintergründe politischer Entscheidungen besser zu verstehen.

Anna Sophia ist aber nicht nur politisch interessiert, sondern auch engagiert. Vorbilder sind ihre Eltern. Die Mutter initiiert als Lehrerin an einem Grimmaer Gymnasium öfter Kunstprojekte. Der Vater sitzt im Gemeinderat von Großweitzschen und gehört zum Kirchenvorstand. „Und er ist Elternsprecher in meinem Kurs“, betont die Zwölftklässlerin. Der Vater kennt seine Tochter genau: „Sie nimmt sich viel zu Herzen, versucht bei Konflikten diplomatisch einzugreifen und zu schlichten.“

Im vergangenen Jahr war sie Schülersprecherin am Gymnasium. „Ich wäre auch dieses Jahr wiedergewählt worden, aber ich wollte mich mehr aufs Abitur konzentrieren“, sagt sie. Trotzdem arbeitet sie weiter im Schülerrat mit und unterstützt dessen Vorstand. Mobbing, Rauchen und Drogen scheinen an der Schule zu Themen zu werden. Um ihnen zu begegnen, habe der Schülerrat bereits mit den Vertrauenslehrern gesprochen und gemeinsam mit der Sozialpädagogin einen Filmabend zu Mobbing veranstaltet. Außerdem organisiert der Schülerrat den Schulball, die Halloweenparty, ein Kicker- und Billardturnier und das Schulhoffest. Interessant findet die junge Frau auch das jährliche Mitwirkungsseminar, bei dem die Aufgaben und Pflichten von Schülern und Schülervertretern besprochen werden.

Die Erfahrungen, die Anna Sophia im Schülerrat gesammelt hat, helfen ihr jetzt bei der Organisation der Veranstaltungen rund um das Abitur. Natürlich mischt sie auch bei der Gestaltung der Abi-T-Shirts, des Abi-Balls und des letzten Schultages mit. „Dessen Gestaltung wird dieses Jahr schwierig, weil die Klassen dann schon auf drei Standorte aufgeteilt sind“, meint sie.

Ihre ganze Konzentration gilt jetzt natürlich der Vorbereitung auf die Abi-Prüfungen. Nach dem Abschluss des Gymnasiums möchte sie in Dresden Lehramt studieren – voraussichtlich in der gymnasialen Richtung. „Eigentlich wollte ich nie Lehrerin werden“, gibt sie zu. Nicht wegen des Jobs an sich, sondern wegen der Schüler, die es den Lehrern oft nicht ganz leicht machen. Das hört sie oft genug von ihrer Mutter. Weil Anna Sophia aber so gar nicht wusste, in welche Richtung ihr beruflicher Weg einmal gehen könnte, nahm sie beim Hochschultag in Dresden an einem Workshop teil. In dem wurden die Interessen und Neigungen der Jugendlichen erfragt und den dazu passenden Berufen zugeordnet. Bei Anna Sophia ist es die Lehrerin.