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Die drei Frauen vom Schrottplatz

Das Recycling-Unternehmen Berry-Metall in Gaußig wird jetzt von einer Tochter des Gründers geführt. Sie ist nicht allein in dieser Männerdomäne.

Wer bei Berry-Metall in Gaußig altes Metall abgibt, wird von Diana Marek, Sylke Schaar und Yvette Behrens (v.l.) freundlich begrüßt.
Wer bei Berry-Metall in Gaußig altes Metall abgibt, wird von Diana Marek, Sylke Schaar und Yvette Behrens (v.l.) freundlich begrüßt. © Steffen Unger

Gaußig. Erstaunte Blicke sind sie gewohnt. Wer erstmals zum Gaußiger Recycling-Unternehmen Berry-Metall kommt, um altes Metall abzugeben, erlebt eine Überraschung. Erwarten viele Leute doch, dass auf einem Schrottplatz Männer arbeiten. Auf dem Gaußiger haben jedoch Frauen das Sagen – seit Sylke Schaar die Firma von ihrem Vater übernommen hat.

Die 45-Jährige ist gelernte Konditorin, hat 18 Jahre in den alten Bundesländern gelebt und gearbeitet. „Dann wollte ich wieder in die Heimat zurück“, sagt Sylke Schaar. Statt mit Sahnecreme hantiert sie jetzt mit Schrott. Denn die Chefin sitzt nicht etwa in feinen Sachen im Büro, sondern ist in blauen Arbeitslatzhosen zwischen Annahme und Aufarbeitung unterwegs. „Die Arbeit ist sehr abwechslungsreich. Man hat mit vielen verschiedenen Leuten zu tun, ist bei Wind und Wetter draußen“, beschreibt die Frau mit den lange weißblonden Haaren, was sie an ihrer Tätigkeit liebt. Außerdem gefällt ihr, dass sie den ganzen Tag mit einem Teil ihrer Familie zusammen ist. Denn bei Berry-Metall sind auch ihre Schwester Yvette Behrens, ihr Bruder Enrico Behrens, ihr Cousin sowie ihr Mann beschäftigt. Insgesamt arbeiten im Familienunternehmen acht Leute.

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40 Kunden pro Tag

Pro Tag kommen um die 40 Kunden; hauptsächlich um Schrott oder Buntmetall abzugeben, aber auch Altpapier wird angenommen. „Meistens bringen Männer was, und die sind dann oft bisschen perplex, wenn wir drei Frauen rauskommen“, erzählt Diana Marek schmunzelnd. Die Disponentin bedient die große Waage, auf die die Kunden vor und nach dem Abladen mit ihrem Auto oder Anhänger fahren.

Das Spektrum des Angelieferten reicht vom ausrangierten Wasserhahn über verbeulte Fahrräder bis hin zum großen Metallträger, der beim Abriss einer Scheune übrig blieb. „Jeder, der was bringt, trägt dazu bei, dass diese Rohstoffe wieder in den Kreislauf gelangen und erneut verwendet werden können“, sagt Sylke Schaar. 

Sie und ihr Team helfen den Kunden beim Abladen, zahlen ihnen das Geld aus, Sortieren das Angenommene, Zerlegen es – was in der Regel die Männer übernehmen – und verkaufen es weiter. Abnehmer sind unter anderem Stahlwerke. – Gegründet wurde das Recycling-Unternehmen 1991 von Sylke Schaars Vater. Anfangs befand es sich auf dem privaten Grundstück der Familie in Neu-Diehmen. Später erfolgte der Umzug an den heutigen Standort am Rand von Gaußig. „Wir sind alle auf dem Schrottplatz groß geworden“, erzählt Enrico Behrens und seine Schwestern nicken lächelnd. Denn Vater und Mutter arbeiteten vor Gründung der eigenen Firma bei einer Metallaufbereitung in Bautzen. „Dort haben wir schon Ferienarbeit gemacht“, erinnert sich Sylke Schaar. 

Doch erlernt haben alle andere Berufe. Nun aber führen die Geschwister gemeinsam fort, was ihre Eltern aufgebaut haben. Dass die Arbeit schwer und schmutzig ist, stört keinen von ihnen. Aber etwas anderes: „Die Vorschriften sind extrem umfangreich geworden. Was wir alles aufzeichnen und nachweisen müssen…“, sagt Sylke Schaar und schüttelt den Kopf. Sie ist froh, dass ihr Mann sich um den Großteil der Schreibarbeiten kümmert. So kann sie auf dem Schrottplatz stehen – und gemeinsam mit den anderen Frauen für erstaunte Blicke sorgen.

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