merken
PLUS Landtagswahl 2019

Die drei grünen Helden

Dresden, Leipzig und Potsdam: Erstmals gewinnt die Öko-Partei sogar Direktmandate im Osten.

Christin Melcher, Thomas Löser und Claudia Maicher.
Christin Melcher, Thomas Löser und Claudia Maicher. © PR/Elenor Breusing /dpa

Von Sven Heitkamp

Mit 8,9 Prozent Zweitstimmen blieben die Grünen in Sachsen zwar deutlich hinter den hohen Erwartungen und dem Bundestrend zurück. Doch in den Großstädten gelang der Öko-Partei trotzdem ein historisches Zeichen: Erstmals seit 1990 holten die Grünen drei Direktmandate für den Landtag.

In Dresden lag Thomas Löser, der bisherige Fraktionschef im Stadtrat, ganze 259 Stimmen vor CDU-Bewerber Gunter Thiele. In Leipzig gewannen die aktuelle Parteichefin Christin Melcher und ihre Vorgängerin Claudia Maicher. Alle Drei obsiegten dabei in Stadtteilen mit vor allem bürgerlichen und links-liberalen Großstadtmilieus – wie in Dresden. Zu Lösers Wahlkreis 45 (Dresden 5) gehören Teile der Neustadt, die Altstadt, Striesen und Johannstadt, wo Löser selbst Zuhause ist. Der 47-jährige gebürtige Dresdner und bisherige Gymnasiallehrer für Kunst und Geschichte ist seit zehn Jahren Stadtrat und seit sechs Jahren Fraktionschef im Rathaus – aber darüber hinaus im Freistaat nur wenig bekannt. Er kam über die Debatte um das Unesco-Welterbe in die Politik und hat sich nun vor allem den alternativen Energien verschrieben. Slogan: „Sachsen 100 Prozent erneuerbar.“

Anzeige
So natürlich ist unser Trinkwasser
So natürlich ist unser Trinkwasser

Trinkwasser aus der Leitung muss chemisch gereinigt werden, Mineralwasser hingegen stammt aus einer geschützten Quelle. Doch welches ist besser?

Von Usedom nach Leipzig

Sie kommt von der Küste, ist 1983 in Wolgast geboren, auf Usedom aufgewachsen - und hat nun in Sachsen den Durchbruch einer steilen Politkarriere geschafft: Christin Melcher, seit Ende 2016 die weibliche Spitze der sächsischen Grünen, hat in Leipzigs Mitte ebenfalls ein Direktmandat für ihre Partei geholt. Melcher setzte sich im Wahlkreis Leipzig 5 mit 29 Prozent der Erststimmen vor CDU-Stadtchef Robert Clemen durch. Zu ihrem Terrain gehören die oft besser betuchten oder links-alternativen Stadtteile vom gut bürgerlichen Waldstraßenviertel und Musikerviertel bis in die bunte Südvorstadt und das studentische Reudnitz. Ein Heimspiel für die Grünen. Die Parteichefin und Bildungspolitikerin hatte nach ihrem Studium der Philosophie, Literatur und Wissenschaftstheorie bislang eher mit außerparlamentarischen Bewegungen wie einer Kita-Initiative und dem Volksantrag für längeres gemeinsames Lernen Erfolg. Das soll nun anders werden. Sie twitterte: „Danke für das Vertrauen. Das ist ein Hoffnungsschimmer in Sachsen und ich bin mir der Verantwortung bewusst.“

Auch die frühere Parteichefin Claudia Maicher, die bereits Landtagsabgeordnete ist, konnte in Leipzig mit 24 Prozent ihre Konkurrenten überholen. Ihr Wahlkreis deckt mit Schleußig, Plagwitz und Lindenau sowie Leutzsch vor allem den bunten und angesagten Leipziger Westen mit einer oft alternativen Klientel und kreativen Freiräumen ab. Auch in Brandenburg war den Grünen ein solcher Erfolg gelungen: Marie Schäffer setzte sich in Potsdam knapp gegen die SPD-Landtagsabgeordnete Klara Geywitz durch, die sich mit Bundesfinanzminister Olaf Scholz um den SPD-Vorsitz bewirbt. Der Unterschied betrug allerdings nur 144 Stimmen.

Daneben hat die Linken-Politikerin Juliane Nagel in alternativen Leipzig-Connewitz sogar ihr Direktmandat von der Wahl vor fünf Jahren verteidigen können. Sie gilt als Bindeglied und Mittlerin zwischen Partei und Landtag auf der einen sowie Vertretern der autonomen Szene andererseits. Ein Spagat, der ihr seit Jahren gelingt.

Mehr zum Thema Landtagswahl 2019