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Die Drewag heizt bei Tillich ein

Fernwärme strömt auch in Häuser im neuen Dr.-Lahmann-Park in Dresden. Am Stadtrand betreibt der Versorger kleine Inselnetze.

© Anja Schneider

Von Peter Hilbert

Noch leuchtet der tauende Schnee in der Wintersonne. Weißer Rauch steigt überm Heizhaus auf, das vis-á-vis vom Heinrichshof gleich an der Zufahrt zum neuen Dr.-Lahmann-Park steht. Während sich vor wenigen Jahren im einst berühmten Sanatorium noch ein Bild des Verfalls bot, pulsiert jetzt das Leben. Dicht an dicht reihen sich Baufahrzeuge am Straßenrand, neue Bewohner streben den ersten fertigen Häusern zu. Hier wohnt auch Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) in einem 120-Quadratmeter-Penthouse. Somit ist der Regierungschef nicht mehr gezwungen, ständig von seinem Haus in Panschwitz-Kuckau nach Dresden pendeln zu müssen.

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Sein Penthouse und die anderen neuen oder sanierten Gebäude im Wohngebiet am Weißen Hirsch werden zuverlässig beheizt. Dafür sorgen Ralf Simmank und sieben weitere Drewag-Mitarbeiter. Der 57-jährige Spezialist ist für die sogenannten Nahwärmeanlagen der Stadtwerke zuständig. Dazu gehören auch die Inselnetze mit Heizhäusern wie hier am Stadtrand oder in anderen Gebieten, die nicht ans zentrale Fernwärmesystem angeschlossen sind. Für Simmank ist jetzt die hohe Zeit. „Wenn minus zehn Grad sind, schlägt mein Herz höher“, bekennt er. Sicher habe er Stress, wenn harter Winter wie in den vergangenen Tagen ist. „Umso mehr bin ich aber zufrieden, wenn alles läuft.“ Davon will er sich im neuen Heizhaus überzeugen.

Erster Blick auf den Manometer

Sonst sitzt Simmank zwar eher im Büro im Betriebshof. Der SZ zeigt der Fachmann jedoch vor Ort, worauf es bei den regelmäßigen Kontrollen ankommt. Sein Blick fällt auf ein Manometer gleich neben einer Pumpe. „Der Heißwasserdruck stimmt“, sagt er. Direkt daneben steht ein Herzstück der Anlage, ein äußerst effizientes Blockheizkraftwerk. Mit dem erdgasbetriebenen Vier-Zylinder-Motor wird Strom erzeugt, mit der Abwärme das Wasser erhitzt. Das strömt später über das etwa zwei Kilometer lange Leitungssystem in die Häuser. Damit auch bei Minusgraden genügend Fernwärme-Nachschub kommt, wird das umweltfreundliche Blockkraftwerk von zwei konventionellen Heizkesseln unterstützt.

Noch ein Blick aufs Thermometer: „77,5 Grad“, nennt Simmank die Temperatur des Wassers, das in die Häuser strömt. „Mit 50 Grad kommt es zurück“, erklärt er. Dann erhält das Kraftwerk wieder Arbeit, um es aufzuheizen. Die Anlagen im Heizhaus haben eine Wärmeleistung von 1 200 Kilowatt. Selbst bei starker Kälte kann damit zuverlässig geheizt werden.

Schon 24 Anlagen

Simmank schaut noch auf Rohre und Anschlüsse, ob alles dicht ist. Nach 20 Minuten ist seine kleine Runde abgeschlossen, und er fährt zurück in die Zentrale, den Drewag-Betriebshof in der Löbtauer Fabrikstraße.

Vor etwa zehn Jahren hatte die Drewag damit begonnen, in Heizhäusern kleine Blockheizkraftwerke zu installieren, die kurz als BHKW bezeichnet werden. Das lohnt sich. Denn für die effiziente Technik gibt es Fördermittel. Mit ihrer Hilfe werden in den Inselnetzen kleine Wohngebiete, aber auch Schulen und andere öffentliche Einrichtungen versorgt.

Das erste BHKW wurde an der Kaditzer Andersenstraße installiert. Es versorgt einen Altneubaublock. Mittlerweile gibt es 24 derartige Anlagen. Die Jüngste wurde erst diesen Monat in der neuen Schwimmhalle Bühlau übergeben. Alle Blockheizkraftwerke haben eine Wärmeleistung von 2 250 Kilowatt, erklärt Simmanks Chef Bernd Lehmann, der für den Betrieb des gesamten Fernwärmenetzes zuständig ist. Damit könnten etwa 550 Vierraumwohnungen beheizt werden, rechnet er vor. Doch in der Praxis werden aber eben auch Schulen und Turnhallen in den Inselnetzen mit Wärme versorgt. „In den ersten Jahren gab es einige Kinderkrankheiten“, erklärt Lehmann. Dazu zählten beispielsweise undichte Wärmesensoren im Kühlkreislauf der Motoren oder kaputte Dichtungen. „Die Schwachstellen wurden aber beseitigt“, resümiert er.

Sieben Störungen am Tag

Dennoch bleibt seinem Mitarbeiter Simmank bei den Inselnetzen noch genügend Arbeit. Morgens verschafft er sich gleich einen Überblick, wo es Störungen gibt. „Da kommen Anrufe von Mietern, dass die Heizung kalt bleibt, oder ein Brenner nicht funktioniert“, nennt der Verantwortliche Beispiele. Schnell schickt er dann den Anlagenmonteur mit dem Werkstattwagen los. Meistens sind es derzeit bis zu sieben Störungen, an extremen Tagen jedoch bis zu 20.

Doch Simmank kommt aus der Praxis, hat schon zu DDR-Zeiten unter deutlich schwierigeren Bedingungen die Anlagen am Laufen gehalten. Jetzt sitze er zwar meist im Büro und hat dort sein ganzes Inselsystem im Blick. „Aber ich freue mich noch immer über jede beseitigte Störung. Wir wollen ja unsere Kunden immer ordentlich versorgen“, sagt der Nahwärme-Spezialist.