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„Die Eigenständigkeit ist unser höchstes Gut“

Stefan Hornig will in der neuen Wahlperiode Oppachs Verwaltung optimieren. Dabei setzt er vor allem auf seine Räte.

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Von Carina Brestrich

Der Termin hätte für ihn nicht besser passen können: Zum diesjährigen Neujahrsempfang verkündete Stefan Hornig (Freie Wähler) vor geladenen Gästen, dass er auch in den nächsten Jahren Bürgermeister von Oppach bleiben will. Seit 2001 leitet er die Geschicke der Oberlandgemeinde, nun kandidiert er als Einzelbewerber erneut. Im SZ-Interview berichtet Stefan Hornig, welche Pläne er für die Gemeinde hat.

Herr Hornig, was hat Oppach in den vergangenen sieben Jahren geschafft?

Zu den großen Erfolgen der vergangenen Wahlperiode zähle ich die Ansiedlung und kürzlich auch die Erweiterung der Firma ATN im Gewerbegebiet Wassergrund, die wir stets aktiv unterstützt haben. Außerdem konnten wir 2010 für den Hort ein eigenes Gebäude bauen, die Krippe erweitern. Auch bei den Finanzen sehe ich Erfolge: Wir haben die Pro-Kopf-Verschuldung von 322 Euro Ende 2007 auf aktuell 200 Euro gesenkt. Gleichzeitig haben wir unsere Rücklagen auf beachtliche 1,28 Millionen Euro gesteigert.

Und worauf blicken sie weniger gern zurück?

Für uns war das Jahr 2010 ein schwarzes. Damals hat uns nicht nur eine Serie von Bränden tief erschüttert, sondern auch das Jahrhunderthochwasser, das uns sehr zurückgeworfen hat und uns noch heute beschäftigt. Ohne die Flut, den Wiederaufbau und die Präventivmaßnahmen hätten wir weitaus mehr schaffen können. Mit Sorge sehe ich zudem, dass wir jedes Jahr an Einwohnern eingebüßt haben und Oppach mittlerweile nur noch knapp 2 500 Einwohner zählt.

Wohin soll sich Oppach in den nächsten Jahren entwickeln?

Ich wünsche mir, dass die Gemeinde ihre Eigenständigkeit bewahrt und dabei personell als auch finanziell handlungsfähig bleibt. Ich hoffe, dass der Rückgang an Einwohnern zum Erliegen kommt, bestenfalls wieder ein Trend nach oben einsetzt. Wir haben uns vieles vorgenommen: Unter anderem wird das Hauptgebäude der Kita saniert und der Spielplatz an der Hanns-Eisler-Straße umgebaut. Wir werden Aldi für den Neubau unterstützen. Überhaupt ist es wichtig, dass wir helfen, wenn sich ein Gewerbe vergrößern oder neu ansiedeln will.

Sie wollen, dass Oppach eigenständig bleibt. Kann es nicht manchmal auch eine Chance sein, sich mit einer anderen Gemeinde zusammenzuschließen?

Die Eigenständigkeit ist unser höchstes Gut. Oppach hat sie immer sichern können, auch in schweren Zeiten. Ich halte nichts davon, die Selbstständigkeit des Geldes wegen aufzugeben, wenn es nicht wirklich dringend nötig ist. Und das ist es nicht. Die Oppacher sind stolz und sie wollen ihre eigenen Ideen verwirklichen, ohne von anderen abhängig zu sein.

Der Haushalt wird dieses Jahr wieder durch Rücklagen ausgeglichen, für die Sanierung der Kita soll erstmals seit Jahren ein Kredit aufgenommen werden. Und das Freibad und das Haus des Gastes verschlingen auch jedes Jahr große Summen. Wie wollen Sie die Gemeinde künftig finanziell auf sichere Füße stellen?

Es ist wichtig, dass die solide Haushaltspolitik der letzten Jahrzehnte fortgeführt wird. Oppachs Eigenständigkeit hat nur Sinn, wenn es keinen Stillstand gibt. Das heißt, wir müssen absichern, dass wir investieren und gleichzeitig unseren Zahlungsverpflichtungen nachkommen können. Allerdings müssen wir prüfen, wie wir das Verhältnis zwischen den Ausgaben und den Einnahmen in der Verwaltung verbessern können. Das bedeutet auch, dass wir schauen müssen, welchen Aufwand wir uns für welchen Nutzen leisten wollen. Hier ist vor allem der Gemeinderat gefragt. Er muss definieren, welche freiwilligen Aufgaben wir uns künftig leisten wollen und welche nicht.

Im Gemeinderat gibt es immer wieder Kritik, dass Ihre Verwaltung zu groß und zu teuer ist. Wäre das ein Ansatzpunkt zum Sparen?

Wir brauchen eine qualifizierte und schlagkräftige Verwaltung, um unsere gesetzlichen und freiwilligen Aufgaben erfüllen zu können. Für unsere Aufgaben haben wir genau das Personal, was wir brauchen. Wie groß eine Verwaltung ist, richtet sich vorrangig nach der Anzahl und der Art der Aufgaben, und nur nachgeordnet nach der Einwohnerzahl. Wir können unsere Personalkosten nur verringern, wenn wir uns von Aufgaben trennen, sie zum Beispiel an externe Firmen abgeben, oder unsere Einnahmen erhöhen, indem wir beispielsweise die Gebühren anheben. Der Gemeinderat muss das abwägen.

Was bedeutet das für die kommunalen Einrichtungen, wie die Kita, das Bad oder das Haus des Gastes?

Ziel ist natürlich, die Einrichtungen zur Erfüllung unserer Aufgaben zu erhalten. Aber auch dafür ist der Gemeinderat das entscheidende Organ. Andererseits werden wir Grundstücke, die in unserer Hand sind, die wir aber nicht benötigen, veräußern. Damit haben wir bereits begonnen.

Die Grundschule kann dieses Jahr seit einigen Jahren wieder zwei erste Klassen einschulen, nächstes Schuljahr sieht es schon wieder anders aus. Wie kann Oppach die Zukunft seiner Grundschule sichern?

Einzügig können wir die Schule dauerhaft aus eigener Kraft sichern. Die Geburtenzahlen in Oppach, und da bin ich Realist, werden nicht so in die Höhe gehen, dass wir zwei Klassen füllen können. Wir sind aber gern bereit, Kinder aus anderen Gemeinden aufzunehmen. Unsere Schule ist schließlich zweizügig ausgelegt.