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Die Engel sind männlich

Eine der seltensten Biedermeier-Spinnen im Depot Pohl-Ströher stammt aus Burgstädt.

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Von Brigitte Pfüller

Wer bei musizierenden Weihnachts-Engeln immer an niedliche weibliche Figürchen denkt, der liegt falsch. Denn bei einem der ältesten und seltensten Biedermeier-Deckenleuchter, der dieses Jahr zum ersten Mal in der aktuellen Weihnachtsschau des Depot Pohl-Ströher im erzgebirgischen Gelenau gezeigt wird, sind die Engel eindeutig männlich. Sie schweben mit Fäden befestigt an dem zweistöckigen Leuchter und haben ein Instrument in der Hand. „Engel waren früher immer männlich. Denken Sie nur an Erzengel Gabriel oder Michael“, lächelt Sammlungsbetreuer und Restaurator Eckart Holler. Liebevoll hält er eine Figur hoch. „Der war gerade im Krankenhaus. Ich habe den Flügel geleimt.“

Wie der Fachmann erklärt, ist diese Deckenspinne etwas Besonderes. Sie stammt etwa von 1860. Die filigranem Leuchterarme bestehen aus ausgesägtem grünen Blattwerk, in dem Monogramme zu sehen sind. Die weit ausladenden Zweige stecken in einer gedrechselten Mittelspindel, die den Leuchter über ein Federwerk an der Decke dreht. Die Kerzen werden von Holzfiguren gehalten. Soldaten sind es in der unteren Etage, Handwerker stehen oben. „In der ’Manufaktur der Träume‘ in Annaberg-Buchholz, die ebenfalls aus der Sammlung von Erika Pohl-Ströher gestaltet wurde, gibt es einen ähnlichen Leuchter, der aber nicht so vollständig ist. Es fehlen die Engel.“

Wie kam nun die Deckenspinne nach Gelenau? Sie befand sich bis vor wenigen Tagen in der Gaststätte „Zum Frohngut“ in Burgstädt. Inhaber Peter Stude hatte den Schatz zu DDR-Zeiten während seiner Roßweiner Studentenzeit vor 30 Jahren bei einem Antikhändler in Döbeln erworben. Eigentlich wollte der Wirt selbst in seinem historischen Gaststättenensemble in Burgstädt, eine Ausstellung eröffnen. Ein Besuch in der „Manufaktur der Träume“ in Annaberg-Buchholz habe ihn dann angeregt, seine Leuchter-Spinne in das Depot zu geben. „So etwas Schönes sollten möglichste viele Leute bewundern.“

In Gelenau ist dieses Jahr ebenfalls erstmals ein fast ebenso alter Weihnachtsberg zu sehen, dessen Besitzer aus Oederan ihn ebenfalls in das Depot Pohl-Ströher gegeben haben. Hergestellt wurde dieser mechanische Berg von der Firma Ehnert – mit Spitznamen Soldaten-Ehnert – aus Seiffen. Hier bewegen sich oben Soldaten. „Sie versinnbildlichen die Obrigkeit“, erklärt Eckart Holler. Die Bergleute hacken und schuften eine Etage tiefer. „Die Familie ist extra zu uns gekommen, um ihren Weihnachtsberg nach der Restaurierung in Funktion zu sehen.“