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Die Enkel fragen wieder

Zwei Angehörige der„Enkel-Generation“erzählen in einem Buch, wie sie mit der Nazi-Vergangenheit ihrerVorfahren umgehen.

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Claudia Brunner, Großnichte von Alois Brunner, der als rechte Hand Eichmanns den Tod von 130 000 Juden verantwortete, und Uwe von Seltmann, dessen Großvater aktiv an der Niederschlagung des Warschauer Ghettoaufstandes im Frühjahr 1943 beteiligt war, haben sich auf Spurensuche begeben.

Uwe von Seltmann weilte jetzt gleich zu drei Lesungen in Weißwasser und Niesky. So auch im Landau-Gymnasium Weißwasser, wo seine Lesung eine große Resonanz bei den Schülern fand, wie Gudrun Hirschmann von der Volkshochschule, die diese Veranstaltungen organisierte und begleitete, erklärte.

Rund 30 Teilnehmer im Foyer der Volkshochschule Weißwasser folgten am Mittwoch der Lesung von Uwe von Seltmann sehr aufmerksam. Vergangenen Donnerstag war Uwe von Seltmann im Gymnasium Niesky zu Gast.

Für den Journalisten Uwe von Seltmann, Herausgeber und Mitautor von „Schweigen die Täter, reden die Enkel“, führte die Recherche nach der Rolle seines Großvaters zu Konflikten mit Angehörigen seiner Familie.

Uwe von Seltmann ist trotz aller Schwierigkeiten überzeugt, das Richtige zu tun. Er will die Familiengeschichte aufarbeiten und auf sehr persönliche Weise zeigen, wie die Vergangenheit bis in die Gegenwart fortwirkt.

Der Autor hat mehrfach erlebt, dass sein offener Umgang mit diesem Thema viele andere erst zum Reden bewegt. Erst dadurch wird Bewusstmachung und Aufarbeitung möglich. Auch wenn sich moralische Schuld nicht vererbt, ist eines offensichtlich, so Uwe von Seltmann: „. . . die psychischen, moralischen und sozialen Folgen beschäftigen noch die folgenden Generationen. Die Vergangenheit reicht in die Gegenwart hinein, wirkt in uns weiter, ob es uns passt oder nicht. Das Thema NS-Zeit ist auch in der dritten Generation aktuell.“ (WW/SZ)