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Die Enso macht das Stromnetz hochwassersicher

Hunderttausende Euro investierte das Unternehmen bereits nach der Flut 2013. Und es sind weitere Projekte geplant.

Von Antje Steglich

365 Tage für Patienten da

Die Dresdner City-Apotheken bieten mehr, als nur Medikamente zu verkaufen. Das hat auch mit besonderen Erfahrungen zu tun. Was, wenn Sonntagmorgen plötzlich der Kopf dröhnt oder die Jüngste Läuse mit nach Hause gebracht hat?

Tausende Menschen allein in Zeithain und Nünchritz mussten während des Junihochwassers 2013 zum Teil tagelang ohne Strom auskommen. Ab einem Pegelstand von 8,40 Meter in Dresden wird es für die elbnahen Ortsteile Zeithains kritisch, hieß es damals vom Versorger, der Enso Netz GmbH. Das Unternehmen kündigte im Nachgang an, die Kommunikation zu verbessern und eine pegelorientierte Abschaltung zu veröffentlichen, damit die Betroffenen vom Stromausfall nicht mehr so überrascht werden. Die Idee aber ist mittlerweile vom Tisch. Denn die Auswirkungen der konkreten Hochwassersituationen seien nur annähernd miteinander vergleichbar, amtliche Elbpegel könnten lediglich eine Orientierung sein, erklärte Enso-Sprecherin Claudia Kuba auf Anfrage. Denn primäre Hochwasserschutzmaßnahmen, aber auch sämtliche baulichen Veränderungen könnten die Situation an gleicher Stelle beeinflussen und völlig anders aussehen lassen als bei anderen Fluten. Abschaltpläne „nach Pegelstand“ werde es deshalb nicht geben. „Die Kontrolle und Beurteilung der Situation sowie die Entscheidung – zum Beispiel bezüglich notwendiger Abschaltungen – ist nach wie vor nur vor Ort möglich“, sagte sie. Dennoch habe das Unternehmen viel investiert, dass die Menschen im Flutgebiet so lange wie möglich versorgt bleiben. Die SZ gibt einen Überblick.

2015 und 2016 wird in Bobersen, Röderau und Nünchritz gebaut

Etwa 40 Maßnahmen plant die Enso im Laufe der kommenden beiden Jahre landkreisweit zum Thema Hochwasserschutz. So sollen die Unteren Elbhäuser in Bobersen ein neues Niederspannungsnetz erhalten, und auch in Altoppitzsch soll das Netz umgebaut werden. In Röderau wird die Stromversorgung zudem so umgestaltet, dass jeweils höher und niedriger gelegene Häuser an getrennten Stromkreisen angeschlossen werden, kündigte Claudia Kuba an. „So sind dann nicht mehr so viele Bewohner von der Abschaltung betroffen“, erklärte die Sprecherin, was in der Fachsprache Segmentierung des Netzes genannt wird. Man gliedert dabei die Stromkreise so auf, dass nur die unmittelbar vom Hochwasser betroffenen Kunden abgeschaltet werden können. Andere, die bisher am gleichen Stromkreis hingen, aber in höher gelegenen Straßenabschnitten liegen, können dann quasi über ihren „eigenen“ Stromkreis weiter versorgt werden. In Scharfenberg an der Rehbockschänke sei darüber hinaus der hochwassergerechte Neubau einer Umspannstation geplant, und in Nünchritz soll Am Sportplatz und am Einkaufspark das Niederspannungsnetz umgestaltet und ebenfalls eine neue Umspannstation errichtet werden.

Am Stromnetz wird schon seit Jahren gebaut

Die sogenannte Segmentierung der Niederspannungs-Stromkreise fand laut Claudia Kuba in den vergangenen gut eineinhalb Jahren bereits in Kreinitz, Gohlis, Bobersen, Röderau, Promnitz, Nünchritz, Niedermuschütz, Zehren und Gauernitz statt. In Nieschütz und Kleinzadel wurde zudem die gesamte Mittelspannungsstromversorgung umgebaut und ebenfalls das Niederspannungsnetz segmentiert. Für die Orte Gohlis, Zschepa, Lorenzkirch und Kreinitz wurde die Mittelspannungsversorgung für die Umspannstation aus Richtung Zeithain umgebaut und hochwassergerecht verbessert. In der Elbstraße in Neuhirschstein und für die Ortslage Neuoppitzsch wurde die Niederspannungsversorgung umgestaltet. Insgesamt habe die Enso Netz dafür bereits rund 300 000 Euro investiert, so Claudia Kuba. Zahlreiche Veränderungen seien zudem bereits nach dem Hochwasser 2002 vorgenommen worden.

Private Maßnahmen am Stromnetz brauchen Expertenrat

Grundsätzlich begrüßt die Enso Netz GmbH es auch, wenn Hausbesitzer vorsorgen und die Technik hochwassergerecht umbauen. Das sollte allerdings nie ohne professionelle Begleitung passieren, sagte Claudia Kuba. Denn es gelte, Normen und technische Vorschriften einzuhalten. „Beispielsweise muss der Hausanschlusskasten auch bei Hochwasser gefahrfrei erreichbar bleiben“, so die Enso-Sprecherin. Ohnehin sei auch das Hochsetzen von Hausanschlusskästen keine „Allheil-Maßnahme“, sondern die Maßnahmen müssten immer im Zusammenspiel mit der Gesamtsituation im öffentlichen Stromnetz und in der Kundenanlage betrachtet werden.

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