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PLUS Dippoldiswalde

Lange schlafen und bis Mitternacht fragen

Die Schulen in der Weißeritzregion machen seit zwei Wochen Unterricht über das Internet. Das funktioniert nicht überall gleich gut.

Tristan Seibt aus Oelsa löst Schulaufgaben am Rechner zu Hause. Hier ist er frei zu arbeiten, wann es ihm liegt.
Tristan Seibt aus Oelsa löst Schulaufgaben am Rechner zu Hause. Hier ist er frei zu arbeiten, wann es ihm liegt. © Egbert Kamprath

Seit zweieinhalb Wochen haben die Schulen geschlossen, aber die Kinder müssen trotzdem lernen, in der Regel zu Hause am Computer. Die Erfahrungen damit sind unterschiedlich. Jüngere Kinder brauchen mehr Hilfe der Eltern als Jugendliche, teilweise hängt die Lernbegeisterung auch von der Fachrichtung ab, wie das am Beruflichen Schulzentrum Freital-Dippoldiswalde zu beobachten ist.

In Reichstädt in der Grundschule Dippoldiswalde, wo normalerweise um die 250 Kinder durch die Gänge wuseln, ist es jetzt gespenstisch ruhig. „Heute sind acht Kinder in der Notbetreuung. Alle anderen sind zu Hause“, sagt Schulleiter Jörg Spindler. Die Schule ist geschlossen, hat aber keine Ferien. „Wir haben einen Katalog von Aufgaben auf unsere Homepage gestellt, und die Eltern sind im E-Mail-Kontakt mit den Klassenlehrern,“ berichtet der Schulleiter. Die technische Ausstattung in den Familien ist sehr unterschiedlich. Nicht überall haben die Kinder einen Computer mit Drucker zur Verfügung. Deswegen nutzt die Grundschule auch keine der Lernplattformen, die im Internet angeboten werden. „Wir wiederholen und festigen den Lernstoff. Die Vermittlung neuer Inhalte steht jetzt nicht im Vordergrund“, sagt der Schulleiter.

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Zu viele verschiedene Kanäle

Anders sieht es am Glückauf-Gymnasium mit seinen Standorten in Dippoldiswalde und Altenberg aus. Hier läuft der Unterricht seit Mitte März über das Internet. Schulleiter Volker Hegewald hat vergangene Woche einmal eine Umfrage unter den Eltern gestartet, um zu erfahren, wie zufrieden die damit sind. Wie lange sitzen die Schüler an den Aufgaben? Wie stark sind dabei die Eltern gefordert? Wie ist es um die technischen Voraussetzungen bestellt? Diese Fragen hat über die Hälfte aller Eltern über ihre Klassenelternsprecher beantwortet. „Das hat mich positiv überrascht“, sagt der Schulleiter. Auch haben die meisten Familien ausreichend Technik, damit ihre Kinder zu Hause lernen können. Ein Problem, das schon lange schwelt, zeigt sich aber jetzt besonders deutlich. In einzelnen Orten wie Dönschten oder Hennersdorf ist die Internetanbindung zu schwach, um zum Beispiel eine Videokonferenz mit Lehrern oder Mitschülern aufzubauen.

Die Lehrer nutzen unterschiedliche Wege, um ihre Aufgaben zu verteilen und mit den Schülern in Kontakt zu treten. Manche schicken Mails, andere stellen ihre Aufgaben auf die Homepage der Schule, wieder andere nutzen Lernsax, die Lernplattform für die sächsischen Schulen. „Diese Vielfalt der Kanäle ist auf Kritik gestoßen“, berichtet Hegewald. Er geht davon aus, dass Lernsax die Kommunikationsplattform der Zukunft wird. „Die war in den ersten Tagen der Schulschließung völlig überlastet, läuft jetzt aber rund“, berichtet er. Auch geben die Lehrer unterschiedlich viele Aufgaben. „Hier haben wir festgelegt, dass die Prüfungsfächer Vorrang haben“, sagt der Schulleiter. Allerdings hofft er, dass nach den Osterferien die Schule bald wieder normal läuft. „Es ist schwierig, über eine lange Zeit auf die Entfernung Aufgaben zu stellen“, sagt er. Andere Dinge wie die Organisation von Klassenfahrten oder des Aktionstags „Genial Sozial“ sind derzeit in der Schwebe.

Tristan Seibt aus Oelsa, der die 11. Klasse besucht und Schülersprecher des Glückauf-Gymnasiums ist, berichtet, dass der Fernunterricht bisher sehr gut funktioniert. „Was aber manchmal fehlt, ist das direkte Gespräch mit dem Lehrer“, sagt er. Was er schätzt, ist die größere zeitliche Freiheit. Er steht jetzt um 8 Uhr auf. Um diese Zeit müsste er sonst schon in der Schule sein. Die Lehrer erwarten, dass Aufgaben in der Regel bis 18 Uhr an sie versandt werden. Aber er hat auch schon abends um 23 Uhr eine Frage an einen Lehrer geschickt - und noch vor Mitternacht die Antwort bekommen.

Praxis wird später nachgeholt

Am Beruflichen Schulzentrum in Dippoldiswalde und Freital sagt Schulleiterin Ina Driesel: “Wir sind wie immer ein lernendes System.“ Die Besonderheiten ihrer Schule ist die Breite der verschiedenen Zweige. Das berufliche Gymnasium hat bisher schon mit der Lernplattform „Moodle“ gearbeitet, die jetzt an der gesamten Schule zum Einsatz kommt. Es gibt Ausbildungsgänge, wo die Praxis eine große Rolle spielt, beispielsweise bei der Uhrmacherausbildung an der Fachschule in Glashütte. Hier werden jetzt theoretische Inhalte vorgezogen. Was an Praxis wegen Corona ausfällt, muss später nachgeholt werden.

Ein besonderer Fall ist auch die praxisorientierte Berufsvorbereitung für Jugendliche ohne Schulabschluss in Dippoldiswalde. Sie absolvieren eine zeitlich gestreckte Berufsvorbereitung. Hier hat es länger gedauert, bis sie in das System für den Fernunterricht einbezogen waren. „Die sind jetzt aber alle dabei“, sagt Driesel. Hier ist die Herausforderung für die Lehrer, die Aufgaben in so kleine Teilschritte aufzusplitten, dass die Jugendlichen auch allein zu Hause damit klarkommen.

„Die Unterschiede, die wir aus dem sonstigen Schulalltag kennen, machen sich jetzt auch bemerkbar“, sagt Driesel. Auszubildende, die jetzt nicht in die Berufsschule gehen können, werden weiter im Betrieb betreut. Für sie stehen aber auch Aufgaben in Moodle.  Dann gibt es Lehrlinge in handwerklichen Berufen, denen diese theoretische Arbeitsweise weniger liegt, und beispielsweise die jungen Verwaltungsfachangestellten. "Die saugen das regelrecht auf", sagt die Schulleiterin.

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