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Die ersten heimischen Erdbeeren sind da

Die Coronakrise wirkt sich nicht nur auf die Ernte, sondern auch auf den Preis der Früchte aus.

Erdbeeren aus Deutschland sind zwar teurer als importierte - dafür aber aromatischer, haben einen höheren Gehalt an Vitaminen, Mineralstoffen und bioaktiven Substanzen.
Erdbeeren aus Deutschland sind zwar teurer als importierte - dafür aber aromatischer, haben einen höheren Gehalt an Vitaminen, Mineralstoffen und bioaktiven Substanzen. © Symbolbild: Felix Kästle/dpa

Schnurgerade reihen sich die Erdbeerpflanzen aneinander. Es sind hunderte. Unter den Blättern luken die ersten roten Früchte hervor. Mittendrin steht Michael Görnitz. Für den Obstbauern hat die Erntesaison begonnen. Bei ihm in Coswig reifen die begehrten Früchtchen auf einer Fläche von zwei Hektar schon vor dem Freiland-Start heran – durch ein Glasdach vor Wind und Wetter geschützt. „Es geht los. Die Gewächshaussaison startet traditionell Ende April“, sagt Michael Görner. In seinem Hofladen sind die ersten Erdbeeren bereits zu haben, ab nächster Woche sollen sie auch im Supermarktregal stehen.

Dort teilen sich die heimischen Früchte oft den Platz mit importierter Ware aus Südeuropa. Doch vieles spricht dafür, auf regionale Produkte zu setzen, auch wenn die angebotene Menge noch überschaubar ist. „Unsere Beeren hier werden reif geerntet und sind daher aromatischer“, sagt Udo Jentzsch, Geschäftsführer des Landesverbandes Sächsisches Obst. Die Früchte aus Italien oder Spanien seien meist sehr fest. „Und fest bedeutet weniger Aroma. Erdbeeren reifen nicht nach“, so Jentzsch. Auch die Verbraucherzentrale Sachsen empfiehlt, zu frischen Produkten zu greifen. „Reife Früchte haben einen höheren Gehalt an Vitaminen, Mineralstoffen und bioaktiven Substanzen“, sagt Sophie Philipp. „Erdbeeren werden in Spanien in großen Monokulturen auf kargen Böden produziert. Weil in den Anbaugebieten ein sehr trockenes Klima herrscht, ist der Wasserverbrauch extrem hoch. Die Umweltbelastung wird zusätzlich durch den Transport erhöht“, so die Verbraucherschützerin.

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Obstbauer Michael Görnitz mit den ersten Erdbeeren aus seinem Gewächshaus.
Obstbauer Michael Görnitz mit den ersten Erdbeeren aus seinem Gewächshaus. © Ronald Bonß

Auf den Genuss von frischen Freiland-Früchten aus Sachsen müssen Ungeduldige aber noch warten. Denn anders als in einigen Regionen Süddeutschlands, wo die Beeren bereits im Freien wachsen, ist das Klima hierzulande nicht mild genug. „Ich gehe davon aus, dass wir in der zweiten Mai-Hälfte in die Erntesaison starten. Die dauert in der Regel sechs Wochen“, sagt Manfred Uhlemann, Geschäftsführer des Sächsischen Landesbauernverbandes.

Mehrkosten wegen Corona

Wie üppig die Erdbeerernte ausfallen wird, hängt stark vom Wetter ab. „Wir hatten den sonnigsten April seit zehn Jahren“, sagt Udo Jentzsch. Die lange Trockenheit habe den Pflanzen zugesetzt. Regen sei dringend notwendig. Entscheidend sei auch, dass die Nachttemperaturen im Mai und Juni über zehn Grad liegen.

Eine weitere Herausforderung für die Obstbauern: Wegen der Corona-Krise treffen die dringend benötigten Erntehelfer wenn überhaupt erst verspätet ein. Für deren Unterbringung gelten aus Hygienegründen zudem strenge Vorgaben, die erfüllt werden müssen. „Die Mehrkosten machen uns zu schaffen. Es ist nur logisch, dass sich das auf den Preis der Erdbeeren auswirken wird und sie teurer werden“, sagt Jentzsch. In welchem Umfang sei schwer absehbar, da auch der Handel noch ein Wörtchen mitzureden habe.

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Ab sofort können die Früchte wieder direkt auf dem Feld geerntet werden. Doch wer etwas abbekommen möchte, muss dieses Jahr besonders schnell sein.

Mit steigenden Preisen rechnet auch Michael Görnitz. „Weil die Hilfskräfte fehlen, müssen wir jetzt schon Ertragsausfälle hinnehmen“, sagt der Coswiger Obstbauer. Ab Mitte Mai will er einen Teil seiner Felder für Selbstpflücker öffnen. Laut Manfred Uhlemann werden die Erdbeer-Fans, die zur Freiland-Ernte am liebsten selbst Hand anlegen, ohnehin in diesem Jahr für die Obstbauern eine besondere Rolle spielen. „Daher sagen wir: Jeder Selbstpflücker ist herzlich willkommen“, so der Chef des Landesbauernverbandes.

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