merken
PLUS Dresden

Schöner schwitzen für Rammstein

Die ersten Fans warten seit 7 Uhr vorm Dresdner Dynamostadion. Dann merkten sie, dass sie am falschen Einlass ausharrten.

Jasmin Karl, Jenifer Nicolai und Franziska Steiger (von links) warten seit Mittwochmorgen am Stadion-Einlass. Sie wollen in der ersten Reihe beim Rammstein-Konzert heute Abend stehen.
Jasmin Karl, Jenifer Nicolai und Franziska Steiger (von links) warten seit Mittwochmorgen am Stadion-Einlass. Sie wollen in der ersten Reihe beim Rammstein-Konzert heute Abend stehen. © René Meinig

Fast zehn Stunden hat Franziska Steiger noch vor sich: Um 7.50 Uhr hat sie sich am Mittwochmorgen vorm Rudolf-Harbig-Stadion angestellt. Ausgerüstet mit Sonnencreme und einer Einkaufstüte voller Snacks. Die Schleswig-Holsteinerin hat nur ein Ziel. Sie will in der ersten Reihe stehen, wenn die Rockband Rammstein am Abend die Bühne betritt. Dafür muss sie die Erste am Einlass sein.

Wer einmal ganz vorn stand und jeden, aber auch jeden Gesichtsausdruck der Bandmitglieder sehen konnte, wolle nicht irgendwo in der Masse untergehen, sagt sie. Man habe das Gefühl, mit den Stars zu interagieren. "Man bekommt Reaktionen zurück", erzählt sie.

Die Frau reist Rammstein hinterher. Bei drei Konzerten der Europa-Stadion-Tournee war sie schon. Auch beim zweiten Dresden-Auftritt am Donnerstag wird sie dabei sein. Sie habe eine Freundin im Vorfeld beauftragt, sich das Stadion ganz genau anzuschauen, um den besten Platz am Einlass ausfindig zu machen, sagt sie. Für ihren Dresden-Trip habe sie rund 200 Euro ausgegeben. Übernachten wird sie in einer privaten Wohnung, die sie über Airbnb gefunden hat.

Die junge Frau wartet zusammen mit Jasmin Karl. Über ein Rammstein-Konzert haben sie sich 2011 kennengelernt. Karl kommt aus Nürnberg. Bis heute sind die beiden befreundet und treffen sich immer wieder, wenn Rammstein auf der Bühne stehen. Es sei gut, zu zweit zu warten. Nicht nur, um sich mit Gesprächen die Zeit zu vertreiben. Es könne schließlich passieren, dass ein Tor eher geöffnet werde als das andere. Dann sei es gut, wenn eine der zwei Frauen schon mal zur Bühne stürmen könne.

Doch am Mittag kommt der Schock: Die Frauen haben doch tatsächlich an der falschen Stelle gewartet. "Da waren die Pläne falsch", schimpfen sie und rennen ums Stadion herum. "Jetzt waren wir die Allerersten und werden doch nicht vorn sein." Wie schlimm sie das finden werden, entscheide sich nachher, wenn sie wüssten, ob sie es vor zur Bühne schaffen. "Beim Konzert morgen stehen wir dann auf jeden Fall richtig."

Um 16.30 Uhr sollen sich die Tore zum Stadion öffnen. Viel Zeit also, die Franziska Steiger und ihre Freundin ausharren müssen. Unter ihrem Sonnenschirm wollen sie der Hitze standhalten. Bis 34 Grad sind vorhergesagt. Trotzdem wollten sie ins schwarze Latex-Kleid schlüpfen. Fan-Shirts hätten alle. "Wir wollen auffallen." Und was werden sie machen, wenn sie auf Toilette müssen? Bevor es in Stadion geht, könnten sie die aufgestellten Toiletten davor nutzen. Drin wollen sie ihren Platz an der Bühne nicht verlieren. So viel trinken wie nötig, sei deshalb die Devise. Auch Anti-Durchfall-Medikamente habe sie dabei.

Am Nachmittag sind weitere Fans eingetrudelt. Der Soundcheck im Stadion wummert. Wer die letzten Stunden in der prallen Sonne verbracht hat, sucht inzwischen Schatten auf der gegenüberliegenden Straßenseite - abwechselnd, damit der Platz in der Reihe nicht verloren geht. Andere gießen sich aus Trinkflaschen Wasser über Kopf und Hals, um sich zu erfrischen.

Franziska Steiger war übrigens nicht der erste Rammstein-Fan vorm Stadion. Bereits kurz vor 7 Uhren posteten Konzertbesucher Bilder bei Instagram von sich im Campingstuhl. Dabei startet das Konzert erst 19.30 Uhr - mit der Vorband. Rammstein selbst werden gegen 21 Uhr erwartet. Was die Stars nach dem Konzert vorhaben, wisse auch Organisator Bernd Aust nicht. Ums Abendprogramm kümmere sich die Band komplett selbst.

Die weiteste Anreise hatte Luis Silva. Er kommt aus Manaus im Nordwesten Brasiliens. Dresden kannte er vorher nicht. Die Zeit vorm Konzert nutzte der Informatiker allerdings für einen Stadtbummel. Von der Architektur sei er begeistert, sagte er. Silva hat Rammstein schon höchstpersönlich getroffen. Am Wochenende wurde er zu einem "Meet and Greet" nach München eingeladen.

Aber was macht Rammstein so besonders? Warum lohnt es sich, stundenlang für die Band in der Sonne zu stehen? Käte Schulz und Thorben Klees aus Hamburg und Shira Netz aus Leipzig (von links nach rechts) haben da eine einfache Erklärung:

Rammstein hat sich im Übrigen einen eigenen Parkplatz für die vielen Equipment-Trucks gemietet. Geparkt sind sie gegenüber der Altstädter Feuerwache. 

Weiterführende Artikel

Glücksspiel um Rammstein-Tickets

Glücksspiel um Rammstein-Tickets

Die Musiker geben im nächsten Jahr weitere Konzerte, auch in Sachsen. Beim Vorverkauf am Freitag gingen wieder viele Fans leer aus.

Und ewig grüßt die Nazimasche

Und ewig grüßt die Nazimasche

Rammstein spielen gern mit Symbolik aus dem „Dritten Reich“. Der Erfolg zeigt vor allem eines: Moralisierende Barbarei zahlt sich aus. Ein Essay.

Die doppelte Dresden-Dröhnung

Die doppelte Dresden-Dröhnung

Die gut geölte Maschinerie der Berliner Band Rammstein funktionierte in Dresden trotz Regendusche. Doch einiges war diesmal ganz anders als erwartet.

Rammstein-Konzert: Es geht weiter

Rammstein-Konzert: Es geht weiter

Ein Unwetter war über Dresden gezogen. Die Rammstein-Fans mussten den Platz vorübergehend verlassen.

Inzwischen gibt es auch genauere Wetterprognosen für den Konzertabend, diese sehen nicht allzu gut aus. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) warnt davor, dass sich ab dem frühen Nachmittag teils kräftige Gewitter bilden können, die mit Sturm, Hagel und Starkregen einhergehen. Gegen 16.30 Uhr ist eine Unwetterwarnung für die Landeshauptstadt herausgegeben worden. Über das Vogtland zog am Nachmittag bereits eine Gewitterlinie in Richtung Nordost. Noch ist aber unsicher, ob Dresden tatsächlich betroffen sein wird. Die Organisatoren haben das Regenradar ständig im Blick, heißt es. Falls der Einlass abgebrochen werden müsste, werde sofort über Facebook informiert. Organisator Rodney Aust hofft jedoch, dass das Unwetter nicht übers Stadion ziehen wird.

An der Strehlener Straße sind die Trucks für Konzert-Equipment geparkt.
An der Strehlener Straße sind die Trucks für Konzert-Equipment geparkt. © René Meinig

Franziska und ihre Freundinnen haben schließlich doch noch einen Platz weit vorn bekommen. Es könnte also noch klappen mit der ersten Reihe. Gegen 16.30 Uhr sind sie ins Stadion gelassen worden.

Mehr zum Thema Dresden