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Der ewige Streit um die Dresdner Arena

Die Volleyballerinen des DSC müssen fürs Training umziehen. Chefcoach Alexander Waibl passt das gar nicht.

„Figurbetont, luftig, leicht“, sagt Mareen von Römer über das Trikot vom neuen Ausrüster Craft, das sie auf dem Dach im Haus der Presse präsentiert.
„Figurbetont, luftig, leicht“, sagt Mareen von Römer über das Trikot vom neuen Ausrüster Craft, das sie auf dem Dach im Haus der Presse präsentiert. © Thomas Kretschel

Der schöne Blick über die Dächer von Dresden passte weniger zur Aussicht – jedenfalls, wenn es um die Heimspielstätte der Erstliga-Volleyballerinnen geht. Ursprünglich hatte der Dresdner SC zum Termin ins Haus der Presse in die elfte Etage geladen, um seinen neuen Ausrüster vorzustellen. Die schwedische Marke Craft, die schon bei Dynamo eingestiegen ist, stattet für die nächsten zwei Jahre mit dem DSC erstmals einen Bundesligisten und dazu eine Frauenmannschaft aus.

Die Laune von Trainer Alexander Waibl war deshalb bestens – bis er auf sein „Lieblingsthema“ zu sprechen kam. Denn an diesem Freitag startet die Saisonvorbereitung, allerdings in ungewohnter Umgebung. Die Ballspielhalle der Energieverbundarena ist für die nächsten Wochen Trainingsstätte seiner Volleyballerinnen. „Das wird die schlimmste Vorbereitung, die wir je hatten“, ahnt Waibl. Die Halle sei flach, rutschig, dunkel und warm. „Ein Energie-Zieher“, wie er es etwas drastisch formuliert. Und dies sei ein Beleg dafür, wo der DSC in der Stadt stehe.

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Grund für den Umzug sind Bauarbeiten am Dach der Margon-Arena. Derzeit werden Risse in den Dachbindern über dem Hauptfeld repariert, wie DSC-Geschäftsführerin Sandra Zimmermann erläutert. Zwar könnte die Mannschaft auf einem benachbarten Feld trainieren, doch für die Morgeneinheit benötigt Waibl zwei zusammenhängende Trainingsflächen. Dieser Bitte konnte der Stadtsportbund nicht nachkommen, genauso wenig wie dem schon seit Jahren bestehenden Wunsch, die Halle nicht nur bis 11 Uhr, sondern eine Stunde länger und dafür erst ab 9 Uhr zu nutzen. „Wir machen Leistungssport. Das hat viel mit Regeneration zu tun“, meint Waibl.

Wahrscheinlich bis zum 18. September wird der DSC in der Energieverbundarena trainieren. Nach gründlicher Abwägung sei die Ballspielhalle noch die beste Alternative. „Wir haben nach einer bezahlbaren Trainingsstätte gesucht. Trotzdem sind die Bedingungen für einen Europapokalteilnehmer nicht würdig“, sagt Zimmermann. Aber immerhin bekomme der DSC dort „Hallenzeiten, die wir brauchen“. Auch das Equipment könne eingelagert werden. Zuspielerin Mareen von Römer, die das neue rote Trikot überzeugt präsentierte, kann bei dem leidigen Thema Margon-Arena nur noch den Kopf schütteln. „Seit April haben wir Saisonende und bald August. Wir sind die Haupttrainierer in dieser Halle und haben nun nicht wirklich etwas von unserem Vorteil in der Heimspielstätte“, sagt sie.

Warten auf Machbarkeitsstudie

Die derzeitigen Arbeiten finden unabhängig von der 2018 abgebrochenen Dachsanierung statt. Noch wartet die Stadt auf eine Machbarkeitsstudie, die sich mit dem grundsätzlichen Ausbau der Margon-Arena befasst. Diese soll bis 30. September vorliegen, wie aus einer Pressemitteilung aus dem Rathaus hervorgeht. Die Studie untersucht die öffentlich diskutierten Vorschläge zum Ausbau und nimmt den Gesamtkomplex, einschließlich des Schulneubaus, unter die Lupe.

Schon lange ist der DSC mit der Hallensituation an der Bodenbacher Straße unzufrieden. Dabei ist das Dach nur ein Teil des Problems. Der Verein drängt vor allem darauf, dass die Stadt als Eigentümer die Halle vergrößert – bisher jedoch ohne Erfolg. Derzeit hat die Arena rund 3.000 Sitzplätze, die bei vielen Spielen ausverkauft sind. Dazu fehlen ein zeitgemäßer Vip-Bereich und dringend benötigte Funktionsräume für Reha-Maßnahmen oder Krafteinheiten.

Bisher müssen die Spielerinnen dafür extra täglich ins 4,5 Kilometer entfernte Fitnessstudio pendeln. Was die Hallensituation angeht, hätten selbst die Erstligisten, die gegen den Abstieg kämpfen wie Suhl und Erfurt, bessere Bedingungen, erzählt Waibl aus einem Gespräch mit den dortigen Trainern. Trotz des jüngsten Ärgers will sich der 51-Jährige, der vor zwei Wochen zum zweiten Mal Vater geworden ist, nicht die Vorfreude auf die neue Saison nehmen lassen. „Wir werden uns damit arrangieren und das Beste daraus machen.“

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Zum Trainingsauftakt gut zwei Monate vor dem Saisonbeginn am 5. Oktober hat Waibl sieben Spielerinnen aus seinem 13-köpfigen Kader vor Ort. Zuspielerin Bryanna Weiskircher landete am Montag mit Verspätung in Dresden. Die Amerikanerin hatte in München den Anschlussflug verpasst. Bereits am Mittwoch beim Fotoshooting für den traditionellen Jahreskalender werden sich die Volleyballerinnen erstmals über den Weg laufen.

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