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„Die Familie ist das Herz“

Ivan Caberlotto ist seit fast 20 Jahren in Meißen. Wegen Corona hätte er seine Eisdiele fast geschlossen.

Sabrina und Ivan Caberlotto (v. l.) sind leidenschaftliche Eisverkäufer. Nach dem Lockdown freuen sie sich wieder über mehr Gäste.
Sabrina und Ivan Caberlotto (v. l.) sind leidenschaftliche Eisverkäufer. Nach dem Lockdown freuen sie sich wieder über mehr Gäste. © Claudia Hübschmann

Meißen. Der Italiener ist dankbar. Dafür, dass seine Familie bei ihm ist. Ohne sie hätte Ivan Caberlotto vielleicht seine Eisdiele schon dichtgemacht. Denn als das Coronavirus in Deutschland grassierte, zögerte er weiterzumachen. Doch seine Familie habe ihn aufgebaut, ihm Kraft gegeben. Jetzt sind Vater, Schwester und Sohn bei ihm in Meißen. „Ohne sie hätte es kein Eis mehr gegeben“, sagt Ivan Caberlotto.

Die Eis-Bibel des Vaters

Vor allem sein Vater, der seit diesem Jahr in Meißen lebt, motiviere ihn. Er ist der Eiskünstler in der Familie. Mit 78 Jahren ist er noch immer neugierig genug, neue, skurrile Sorten auszuprobieren. Zum Beispiel Mozzarella-Eis. „Dabei versucht er es so lange, bis ihm die neue Sorte schmeckt“, so Ivan Caberlotto. Die leckersten davon sammelt er dann in seiner Bibel, wie er seine Rezeptsammlung nennt. Das lässt Ivan Caberlotto schmunzeln, macht ihn allerdings gleichzeitig Stolz. „Wir sind eine Familie von Eismachern, jetzt in dritter Generation, wenn ich meinen Sohn dazuzähle“, so Ivan Caberlotto.

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Doch Mitte März dieses Jahres hätte die Stimmung kippen können. Denn der Eismacher war sich nicht sicher, wie es weitergeht. Wegen Corona mussten viele Geschäfte schließen, so auch seine Eisdiele. Während dieser Zeit war Ivan Caberlotto nachdenklich, überlegte sogar kurz zu schließen, da er keinen Umsatz machte. Doch seine Familie half ihm, diese Zeit zu überstehen. „Die Familie ist das Herz“, sagt er sanft. Er habe in den vergangenen Jahren viele Krisen erlebt, wie zum Beispiel mehrere Hochwasser. „Aber jedes Mal ist alles gut geworden. Es gibt immer Hoffnung.“

Zu Ostern hatte er wieder geöffnet. Am Anfang war es schwierig, da kaum Gäste da waren. In dieser Zeit hat die Gelateria Italiana Meißen nur Eis zum Mitnehmen angeboten. Im Mai durfte Ivan Caberlotto dann wieder regulär öffnen, zumindest fast. Denn Corona war noch nicht vorbei und es kamen noch immer nur wenige Gäste. Sonst sind Mai bis August seine stärksten und stressigsten Monate. Dass es ihn nun noch gibt, liege jedoch ebenso am Freistaat. Sachsen sei ein Paradies. Vor allem die finanziellen Unterstützungen haben ihm geholfen, erzählt der Eisverkäufer. Nicht nur deshalb ist für ihn Meißen eine zweite Heimat geworden. „Die Meißner sind lieb und freundlich. Das gefällt mir gut.“

„Meißen ist wie ein kleines Italien“

Seine Schwester Sabrina gibt ihm recht: „Meißen ist wie ein kleines Italien!“ Sie selbst ist seit vergangenem Jahr an seiner Seite und verkauft mit ihm zusammen Eis. Davor war sie viel unterwegs und arbeitete zum Beispiel mehrere Jahre in der Dominikanischen Republik oder auf Mallorca. Denn sie reise gern. „Die Welt ist meine Heimat“, sagt sie fröhlich. An Deutschland fasziniert Sabrina Caberlotto eines besonders: die Kultur des italienischen Eiscafés, die hier so ausgiebig genossen wird. In Italien gebe es das Eis meist nur an der Theke, in Deutschland kann man sich setzen, gemeinsam einen Kaffee trinken und Eisbecher essen. Ihr Eindruck sei, dass in Italien auf eine Eisdiele zehn in Deutschland kommen.

„Wir freuen uns sehr, dass wieder mehr Touristen nach Meißen kommen und unser selbstgemachtes Eis probieren können“, sagt Ivan Caberlotto. Meißner wie fast alle Deutschen lieben vor allem Schoko-, Joghurt-, Erdbeer-, Stracciatella- und Cookies-Eis. Diese Sorten bietet der italienische Eismacher das ganze Jahr an. Dazu kommen noch saisonale Spezialitäten, die er immer wieder neu kreiert. Vergangenes Jahr gab es zum Beispiel Zitronen-Basilikum-Eis oder Obst-Eis mit Minze. „Die waren sehr beliebt.“ Dieses Jahr bietet er den Gästen unter anderem Kiwi- und Meloneneis – denn Fruchteis sei im Sommer äußerst angesagt.

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