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Die größten Fans vom Görliwood-Bus

Eberhard Nier ist riesiger Filmfan. Er und seine Enkelin sind selbst schon Attraktion - denn für den Görliwood-Entdecker haben sie sich etwas Besonderes einfallen lassen.

Görlitz.
Im Bild: Emily Rychter (11) und ihr Opa Eberhard Nier (65) sind Fans des Görliwood-Entdecker und stehen oft am Straßenrand mit einem selbst gebastelten Banner, wenn er vorbeikommt.
Görlitz. Im Bild: Emily Rychter (11) und ihr Opa Eberhard Nier (65) sind Fans des Görliwood-Entdecker und stehen oft am Straßenrand mit einem selbst gebastelten Banner, wenn er vorbeikommt. © André Schulze

Emily Rychter und ihr Opa Eberhard Nier stehen an der Krölstraße. Aus Richtung Bahnhofstraße kommt der rote Doppeldecker-Bus angefahren. Der Görliwood-Entdecker. Fährt er an Emily Rychter und Eberhard Nier vorbei, dann begrüßen sie ihn auf ihre Art - mit einem großen Görliwood-Schild. "Die Leute im Bus sind immer so begeistert", sagt Eberhard Nier. "Und die Busfahrer kennen uns schon."

Eberhard Nier wohnt an der Krölstraße. Mehrfach am Tag kommt der Görliwood-Entdecker, eine Stadtrundfahrt zum Thema Film, dort vorbei. Immer stehen Nier und seine Enkelin natürlich nicht als Mini-Begrüßungskomitee  an der Straße. Aber wenn Emily zu Besuch bei ihren Großeltern und Zeit ist, dann nehmen sie das Görliwood-Schild und machen sich und den Touristen die Freude, "das macht schon Spaß", sagt Nier. 

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Emily Rychter mit dem Görliwood-Plakat im Görliwood-Entdecker. Sie und ihr Opa waren zu einer Fahrt eingeladen worden. Schließlich sind sie große Fans des roten Doppelstock-Busses.
Emily Rychter mit dem Görliwood-Plakat im Görliwood-Entdecker. Sie und ihr Opa waren zu einer Fahrt eingeladen worden. Schließlich sind sie große Fans des roten Doppelstock-Busses. © privat

Begrüßungs-Duo für Touristen

Film, das ist seine Leidenschaft. Seit 2003 ist er regelmäßig als Komparse bei Produktionen in Görlitz dabei. Der erste Film für ihn war "In 80 Tagen um die Welt" mit Jackie Chan. "Bei 'Goethe' hatte ich sogar drei Rollen", erzählt er. Unter anderem als Kellner im Schloss Tauchritz. 

Besonders in Erinnerung geblieben ist ihm der Dreh zu "Der Turm", die Verfilmung des gleichnamigen Romans von Uwe Tellkamp. Zu sehen ist Nier zwar in der Anfangsszene nicht, aber er war als Komparse mit dabei. "Das war ein Nachtdreh", erzählt er, "und es war eine herrliche Stimmung". Unter anderem Stefanie Stumph und Götz Schubert hat er am Set kennengelernt. Bei "Der junge Karl Marx" im Herbst 2015 war Görlitz Drehort für mehrere Städte, in denen Marx gewirkt hatte. "Da war ich in England und Frankreich", erzählt Eberhard Nier mit einem Schmunzeln, "einmal als armer Mann und einmal als reicher." 

Jüngste Rolle: Restaurantgast bei "Fabian"

Zuletzt stand er voriges Jahr als Komparse für "Fabian" mit Tom Schilling und Saskia Rosendahl vor der Kamera. "Tom Schilling ist wirklich ein sehr bemerkenswerter Schauspieler", erzählt Nier. Eine der Szenen spielte in der ehemaligen Mitropa-Gaststätte, dem heutigen Gleis 1 im Bahnhof. Für den Dreh wurden die Räume noch einmal zum Restaurant, in das Fabian seine Freundin Cornelia, gespielt von Saskia Rosendahl, ausführt. Einer der anderen Gäste war Nier. Manchmal suche man im Film vergeblich nach dem eigenen Gesicht, weil es eine Szene eben nicht in den fertigen Streifen geschafft hat. Schlimm ist das für Nier nicht. Dabei sein ist alles. 

Traum: Opa und Enkelin zusammen vor der Kamera

Bei Emily stehen gerade "Tom und Jerry" und "Bibi und Tina" hoch im Kurs. Selbst mitgespielt als Komparsin hat die Elfjährige bislang nicht. "Das wäre schön", sagt Emily. Ob Komödie oder Krimi - ganz egal. Aber mal vor der Kamera zu stehen, "das wäre mein Traum." Wann sich diese Gelegenheit ergeben könnte,  das ist noch offen. Aktuell wird der neunte Teil der Krimiserie "Wolfsland" in Görlitz gedreht. Von Hauptdarstellerin Yvonne Catterfeld hat Emily sogar ein persönliches Autogramm. Wie man in den sozialen Netzwerken liest, sollen diesmal  aber - coronabedingt - nur wenige Komparsen dabei sein. 

Derweil erfreuen sich Emily und ihr Opa an dem Görliwood-Doppeldecker, der seit Pfingsten täglich in der Stadt zu sehen ist - meist gut gefüllt. Allerdings hat der Bus nicht nur Freunde, es gab in den vergangenen Monaten auch immer wieder Kritik, für manche Altstadt-Straße sei der Bus zu schwer und vor allem sorge er für Geruchsbelastung. Hinter dem Görliwood-Entdecker steht der Görlitzer Veranstalter Stefan Menzel. Er will den Bus im Winter auf Gas umrüsten lassen, hat er kürzlich der SZ erzählt. 

Einladung in den Görliwood-Entdecker

Emily Rychter und Eberhard Nier dagegen zählen zu den Fans der neuen Touristenattraktion. Auch in der Wohnung der Familie Nier dreht sich viel um Görliwood: Filmplakate hat er zum Beispiel aufgehängt, erzählt Eberhard Nier. Und eine Collage, die er aus Szenenfotos, der Landeskrone und dem Görliwood-Schriftzug zusammengestellt hat. Irgendwann nahm er dieses Banner von der Wand ab und hielt es aus dem Fenster als der Görliwood-Entdecker vorbeifuhr. "Ich glaube, es war sogar Emily, die sagte: Stell dich doch unten an die Straße damit, da sieht man dich viel besser." 

Einmal sind Emily und ihr Großvater auch schon selbst im Görliwood-Entdecker mitgefahren, "wir wurden eingeladen", erzählt Nier. Am Wochenende bei schönstem Ferienwetter. Die Stadt, findet er, hätte früher damit beginnen können, Görliwood stärker zu vermarkten. 

Für Emily beginnt jetzt wieder die Schule. Es wird also weniger Gelegenheiten geben, das Görliwood-Begrüßungs-Duo an der Krölstraße zu sehen. Aber wenn sie am Wochenende ihre Großeltern besucht und sich Gelegenheit ergibt - dann schon. 

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