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Die Feuerwehr ist in der Schule

Ziegenhain. Ein neuer Feuerwehr-Stützpunkt entsteht in der einstigen Mittelschule.

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Von Dieter Hanke

Am 21. Juni werden sich die Ziegenhainer Feuerwehrleute ein Bierchen gönnen. Das haben sie sich redlich verdient, denn an diesem Tag weihen sie ihre neue Fahrzeughalle ein. Im Altbau der früheren Mittelschule, die im Sommer 2004 geschlossen wurde, entsteht ein neuer Feuerwehr-Stützpunkt. „Die Mitglieder haben seit Herbst tüchtig mit Hand angelegt, um den ersten Bauabschnitt zu bewältigen“, sagt Marcus Thiel, Gruppenführer in der Wehr und stellvertretender Gemeindewehrleiter.

Selbst mit Hand angelegt

Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Eine etwa 150 Quadratmeter große Halle, zum Teil gefliest, mit Absaugvorrichtung und Stiefelwäsche. Einst waren hier der Werkraum und das Musikzimmer. Jetzt werden dort zwei Löschfahrzeuge ihr Domizil haben. Die Feuerwehrleute mussten dazu allerhand Erde ausheben, um Platz für die über vier Meter hohe Halle und den angrenzenden Umkleideraum zu schaffen.

Doch noch andere Einsätze waren nötig. Die Ziegenhainer rissen alte Kellergewölbe und Trennwände ab, demontierten die Außentreppe und die Heizung. „Da kommen etliche Stunden zusammen“, so der 32-Jährige. Die Kosten können dadurch gesenkt werden. Dennoch muss ein stattlicher Betrag aufgebracht werden. „Etwa 400 000 Euro kostet das Gesamtvorhaben“, sagt der Bruder Michael Thiel, der ebenfalls Feuerwehrmann ist und als Architekt für Projektierung und Bauüberwachung des Stützpunktes zuständig ist.

Spenden- und Fördergelder sind geflossen. Ketzerbachtal griff tief in das Gemeindesäckel. Überhaupt hat sich die Gemeinde stark für das Vorhaben engagiert und gemeinsam mit dem Landratsamt Meißen erreicht, dass das Regierungspräsidium Dresden den neuen Stützpunkt fördert. Denn der Ketzerbach hatte beim Hochwasser 2002 das alte Gerätehaus im Ort stark in Mitleidenschaft gezogen. So musste zum Beispiel ein Löschfahrzeug vorübergehend in der Scheune von Landwirt Gustav Lempe in Höfgen untergestellt werden.

Neben den Feuerwehrmitgliedern waren bisher zehn Firmen – davon sieben aus der Region – beim Ausbau tätig, um das Schulgebäude für seinen neuen Zweck herzurichten.

Noch in diesem Jahr wollen die Ziegenhainer den zweiten Abschnitt in Angriff nehmen. „Im Erdgeschoss entstehen Sanitär- und Lagerräume, in der oberen Etage werden Räume für Schulung, den Wehrleiter und die Jugendfeuerwehr eingerichtet“, so Michael Thiel. Vorgesehen ist ferner, den Vorplatz noch zu pflastern.

Die besseren Bedingungen für die Wehr sind auch ihrer Verantwortung angemessen. Denn die Ziegenhainer rücken nicht nur zu Bränden und Havarien im Ketzerbachtal aus, sondern sie stehen auch den Nossener Feuerwehrkollegen zur Seite, wenn es mal auf der A 14 richtig kracht. Außerdem befinden sich im Territorium solche Großobjekte wie das Tanklager in Bodenbach oder das Logistikzentrum von Rewe, die besonderen Schutzes bedürfen.

Ein Fahrzeug aufgebaut

Deshalb haben sich die Ziegenhainer 2003/04 ein modernes Tanklöschfahrzeug aufgebaut. „Das Fahrgestell von einem Mercedes Benz machten wir im Internet ausfindig“, sagt Marcus Thiel. Alles andere wurde in Eigeninitiative bewältigt: Die Nossener Kollegen überließen den Nachbarn Teile von einem Fahrzeug, das beim Hochwasser zerstört wurde. Die Partnerwehr aus Schwalmstadt (Hessen) spendete, ebenso Handwerker und weitere Leute aus dem Ketzerbachtal.

Die Mitglieder der Feuerwehr, von denen nicht wenige Handwerker sind, machten sich in vielen Freizeitstunden am Fahrzeug zu schaffen. „Unsere Wehr bewies einmal mehr engen Zusammenhalt“, so Marcus Thiel.