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Die Fleck-Entferner

Saubere Wäsche in vierter Generation: Seit 150 Jahren reinigen Lehmanns in Bischofswerda Textilien alle Art.

© Steffen Unger

Von Manuela Paul

Bischofswerda. Gunter Lehmann kennt sich mit vielen Dingen aus: Stoffkunde, Chemie, Maschinenbau, Umweltschutz. Als Textilreinigermeister muss er all das draufhaben. Und das hat er. Immerhin ist er schon seit mehr als 25 Jahren Chef der gleichnamigen Textilreinigung – einem der ältesten Geschäfte in Bischofswerda. Er kennt sich mit sämtlichen Stoffen und Fasern aus, behandelt Leinen anders als Seide, verwendet spezifische Reinigungsmittel. Mit Geschichten über Flecken könnte er ein Buch füllen. „Wenn ein Fleck partout nicht rausgehen will, dann sage ich immer: Da hilft wohl nur noch Scherolin“, erzählt der Unternehmer augenzwinkernd. Mitunter würden Kunden, die diese versteckte Anspielung aufs Herausschneiden der betreffenden Stelle mit der Schere nicht verstehen, verrät er. „Sie fragen dann oft, wo sie das Mittel denn kaufen können.“

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Schon Gunter Lehmanns Vater Gottfried war bemüht, den Kunden perfekten Reinigungsservice zu bieten. Gern rückte der Senior hartnäckigen Flecken zu Leibe.
Schon Gunter Lehmanns Vater Gottfried war bemüht, den Kunden perfekten Reinigungsservice zu bieten. Gern rückte der Senior hartnäckigen Flecken zu Leibe. © Repro: Steffen Unger

Reinigen ist das Metier der Firma Lehmen. Denn seit 150 Jahren ist der Familienbetrieb als Dienstleister tätig – inzwischen in vierter Generation. Die Geschichte des Unternehmens beginnt im Jahre 1868, als Ludwig Ernst Lehmann im April eine Färberei und Blaudruckerei gründete – damals im Armenhaus, gelegen zwischen der Färbergasse und dem jetzigen Schillerpark. Ob es der Ur-Ur-Opa damals leichter hatte, kann der 57-jährige Firmenchef nicht einschätzen. Jede Zeit hat wohl so ihre Tücken.

An Umweltauflagen gebunden

So schüttelt Gunter Lehmann heutzutage mitunter den Kopf über manche Umweltauflage. Dort wo sich die großen Trommeln seiner Industrie-Waschmaschinen drehen, darf er beispielsweise kein Fenster öffnen. „Dabei würde von der Straße wahrscheinlich schlechtere Luft hereinkommen.“ Die moderne Reinigungstechnik, mit der der Bischofswerdaer seit Jahren arbeitet, sei nicht nur umweltschonender als früher, sie mache die Arbeit auch leichter. „Die Reinigung mit Waschbenzin war ein Knochenjob“, weiß der Firmenchef. Triefend nass habe man die Sachen aus den Maschinen wuchten müssen, um sie im Hof zum Trocknen aufzuhängen.

150 Jahre Familienbetrieb

1868 bis 1909: Ludwig Ernst Lehmann gründet seine Färberei und Blaudruckerei in Bischofswerda.

1909 bis 1927: Die Brüder Ernst Ludwig und Rudolf gründen als Gebrüder Lehmann eine Färberei und chemische Waschanstalt.

1927 bis 1928: Ernst Ludwig Lehmann trennt sich von der gemeinsamen Firma und gründet an der Neustädter Straße eine eigene chemische Reinigung und Färberei.

1948 bis 1991: Gottfried Lehmann übernimmt den Betrieb, behält den Traditionsnamen E. Lehmann und führt den Betrieb als chemische Reinigung und Färberei weiter. 1956 erwirbt der den Meisterbrief.

1991: Gunter Lehmann – seit 1986 Textilreinigungsmeister – übernimmt die Firma von seinem Vater.

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Heutzutage wird in der Textilreinigung vor allem mit Perchlorethylen gearbeitet, was in der Branche meist nur als Per bezeichnt wird. Deswegen steht in den Waschanleitungen der Kleidungsstücke auch immer ein P, wenn es um die chemische Reinigung geht.

Sein Vater Gottfried hatte andere Probleme. Anfang der 1960er-Jahre stellte er das Färben ein. Nach dem Zweiten Weltkrieg war es noch äußerst beliebt, alte Wehrmachtsdecken zu färben und daraus sogenannte Deckenmäntel zu nähen, später kam es aus der Mode.

Der Vater musste sich auch gegen staatliche Begehrlichkeiten behaupten. Er tat dies mit Bravour. Die Textilreinigung blieb auch zu DDR-Zeiten immer in privater Hand. Seinerzeit durften es allerdings höchstens neun Mitarbeiter sein – inklusive Chef. Ab zehn Beschäftigten wäre der Betrieb verstaatlicht worden. Das spielt inzwischen keine Rolle mehr. Gunter Lehmann könnte einstellen ohne Ende. Doch er und seine Frau rocken das Geschäft jetzt zu zweit. Mit der Option, bei Bedarf, auf zwei Aushilfskräfte zurückgreifen zu können, verrät Manuela Lehmann. Zum Beispiel im Urlaub. Dann wird zwar nichts gereinigt, denn die Technik dürfen nur Fachleute bedienen, aber man kann Sachen annehmen und ausgeben.

Bügeln von Hand

Gesäubert wird bei Lehmanns nahezu alles: Oberbekleidung jeder Art – vom empfindlichen Brautkleid über den Festtagsanzug bis hin zu Röcken, Hosen und Co. Selbst Federbetten, Felle, Ledersachen oder Gardinen werden gereinigt. Wer Hemden selbst wäscht, kann sie auch nur zum Bügeln abliefern. Das Besondere: Manuela Lehmann bügelt alles von Hand. Bei ihr wird nichts „aufgepuppt“ – also auf sogenannten Dampfpuppen geglättet.

Um etwas reinigen zu lassen, müssen die Kunden auch nicht unbedingt ins Geschäft an der Kirchstraße kommen. Lehmanns haben rund zehn Kooperationspartner im gesamten Landkreis, die in ihren Geschäften Reinigungssachen annehmen und ausgeben. Nur mit der Bischofswerdaer Kundschaft könnte die Textilreinigung nicht überleben. Schon gar nicht, seitdem das frühere Landrats- und später Finanzamt als unmittelbare Nachbarn von der Kirchstraße verschwunden sind. Denn damit verloren Lehmanns viele Kunden.

Gelebte Kollegialität

Ohnehin werde heute weniger zum Reinigen gegeben. Kaum noch vorstellbar, dass früher für Großkunden im Januar Termine fürs ganze Jahr ausgegeben wurden. Also hieß es, neue Kundenkreise zu erschließen. Und so dreht Gunter Lehmann regelmäßig seine Runden, holt mit dem Transporter in den verschiedenen Annahmestellen Kleidung ab oder bringt sie frisch gereinigt zurück. Eine sehr gute Kooperation gebe es auch mit der Wäscherei Zierenberg. Man unterstütze sich gegenseitig. „Unsere Kunden geben mitunter Zierenbergs Sachen zum Reinigen mit und wir haben hin und wieder Wäschepakete für die Wäscherei im Auto.“ Das sei gelebte Kollegialität, auf die Gunter Lehmann großen Wert legt. Genauso wie auf Qualität und faire Geschäftsprinzipien.

Eigentlich wollte Gunter Lehmann seinerzeit Kfz-Mechaniker werden. Zu DDR-Zeiten ein nahezu aussichtsloser Berufswunsch. Kein Wunder, dass nichts daraus wurde. Am Ende entschied er sich doch für die Familientradition. Schließlich kannte er das Geschäft von Kindesbeinen an. Ob die Firma nach seinem Ausscheiden in Familienhand bleibt, steht aber noch in den Sternen. Sohn und Tochter ergriffen branchenfremde Berufe. Vielleicht steigen die Enkel ein. Bis dahin ist aber noch Zeit. „Wir wollen ja noch ein paar Jahre machen“, so Lehmanns. Gut so. Ohne ihre Reinigung würde in Bischofswerda etwas fehlen.