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Die Flut wirkt nach

Familie Bischof hofft, dass es auch für die Teichstraße einen Flutschutz geben wird.

Von Peggy Zill

Jahrelang hatte Familie Bischof für die neue Einbauküche gespart. Als sie dann endlich eingebaut war, kam sechs Wochen später die Flut und zerstörte alles. 1,30 Meter hoch stand das Wasser vor einem Jahr in ihrem Haus an der Teichstraße. Vier Tage lang. Bis die Feuerwehr zum Abpumpen kommen konnte. Dass Bischofs jetzt wieder in einer neuen Küche stehen, verdanken sie den Eltern von Marcela Bischof, die das Geld dafür geliehen haben. Ein Jahr nach dem Hochwasser sind die großen Baustellen beendet.

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Kurz vor Weihnachten konnte die vierköpfige Familie wieder einziehen. Die Monate zuvor haben an den Nerven gezehrt. Da waren die Arbeit, um das Haus wieder herzurichten, die Geldsorgen, aber auch der Papierkrieg. Auf die versprochene unbürokratische Hilfe warten Bischofs noch heute. „Vom Staat bin ich enttäuscht und ich verstehe auch nicht, warum der Hausrat nicht wie in anderen Ländern ersetzt wird“, sagt Klaus Bischof. Die Schäden, die am Gebäude entstanden sind, hat die Versicherung bezahlt. „Da hatten wir großes Glück, dass wir nach 2002 noch eine bekommen haben“, so Klaus Bischof. Wie sie an neue Möbel und Elektrogeräte kommen sollten, wusste die Familie zunächst jedoch nicht. Im Spendenlager der Stadt Döbeln konnten sie eine Couch für das Wohnzimmer, ein Hochbett und andere Möbel ergattern. Die Stiftung Lichtblick der Sächsischen Zeitung gab Geld für eine neue Waschmaschine. Spenden kamen auch von der Kirche und der Diakonie. Der Landkreis überwies 10 000 Euro vom Spendenkonto. „Das hat uns sehr geholfen“, sagt Marcela Bischof. Besonders dankbar ist die Familie allen Helfern. Es kamen in den Tagen nach der Flut zahlreiche Freunde, aber auch völlig Fremde, die mit angepackt haben.

Seit 1986 wohnt die Familie in dem Haus – etwa 200 Meter entfernt von der Mulde. „Es haben schon manchmal nur wenige Zentimeter gefehlt, bis die Mulde überschwappt“, erzählt Klaus Bischof. Dass es dann innerhalb von elf Jahren gleich zweimal so schlimm kommt, hätte er aber nicht gedacht. Unterdessen ist das anders. „Wir rechnen damit, dass es wieder passiert“, sagt der Familienvater. Er habe versucht, so zu bauen, dass die Schäden das nächste Mal nicht so schlimm ausfallen. Die Heizung wurde nach oben verlegt, das Erdgeschoss gefliest. Über eine Mauer um das Grundstück habe er auch schon nachgedacht, sagt Klaus Bischof. „Probleme hätten wir trotzdem mit dem Grundwasser. Den Keller bekommen wir nicht dicht“, ist er sich sicher. „Wenn wir das Geld hätten, würden wir auf dem Berg ein neues Haus bauen.“ In den vergangenen zwei Tagen hätten sie sich schon wieder Gedanken gemacht, was sie tun sollen, wenn es wieder Hochwasseralarm gibt.

In der Nachbarschaft hat sich unterdessen eine Bürgerinitiative gegründet. „Wir wollen, dass auch dieser Teil von Döbeln mit in das Hochwasserschutzkonzept aufgenommen werden“, erklärt Klaus Bischof. Auf eine Antwort aus der Stadtverwaltung warte man noch.